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Imker dennoch zufrieden  Bienen haben sich nach Katastrophenjahr erholt. Foto: nh
Imker dennoch zufrieden Bienen haben sich nach Katastrophenjahr erholt. Foto: nh

Regen trübt die Honig-Ernte

rast Lüneburg. Das Schleudern ist einer der schönsten Momente im Jahr für einen Imker, mit einer sehr guten Honigernte allerdings rechnen sie jetzt nicht. Claudia Kutzick, Vorsitzende des Kreisimkervereins Lüneburg, wird an diesem Wochenende bei ihren sechs Völkern in Süttorf die Ernte einfahren, wie es viele Imker in diesen Tagen handhaben. Damit ist für die Bienen das Honigjahr beendet nur die Heide bildet eine Ausnahme.

Claudia Kutzick sagt zwar, dass das Katastrophenjahr 2014 mit dem Varroa-Milben-Befall überwunden sei, der Regen in diesem Jahr aber für ein nicht allzu ergiebiges Ergebnis sorgen werde. „Im Winter 2014/2015 hatten wir viele Verluste bei den Völkern.“ Die aus Asien eingeschleppten Parasiten hätten den Imkern zu schaffen gemacht. Inzwischen hätten sich die Völkerverluste durch Ablegerbildung ausgleichen lassen: „Doch die jetzt lange, kalte, feuchte Periode ist für die Ernte nachteilig. Vieles hat nur kurz geblüht, viele Pflanzen wurden durch den Regen zerstört, der Waldhonig wird vermutlich gar nicht kommen.“

Die Pflanzen hätten den Bienen nicht genug Nektar und das von Blattläusen produzierten Honigtau bieten können: „Für die Produktion des Honigtaus muss es warm und trocken sein.“

Nach einer Statistik des Deutschen Imkerbundes haben die rund 115 000 deutschen Imker 2015 mit rund 21000 Tonnen mehr Honig geschleudert als in den drei Jahren zuvor, pro Volk hätten die Mitglieder 30 Kilogramm geerntet. Claudia Kutzick geht davon aus, dass 2016 kein Rekordjahr wird.

Das Schreckgespenst Varroa-Milbe ist zwar zurückgedrängt, doch zum Schutz vor dem Parasiten sei es wichtig, „dass das permanent kontrolliert und behandelt wird, mindestens zwei Milbenbehandlungen sollte es im Jahr geben.“ Die erste Behandlung sollte im Sommer „nach Entnahme der Sommertracht“, also nach der Ernte, erledigt werden: „Dabei gibt es verschiedene Methoden. Die traditionelle Methode ist die Behandlung mit organischen Säuren, die als Medikamente in Deutschland zugelassen sein müssen.“ Die zweite Behandlung erfolge dann in der Adventszeit.

Keine Furcht haben die Lüneburger Imker vor der Amerikanischen Faulbrut, eine Erkrankung der Bienenbrut, die aber für Menschen völlig ungefährlich ist. Im vergangenen Winter wurden mehr als 2000 Völker auf mögliche Sporen untersucht, die Imker hatten freiwillig an dieser Aktion teilgenommen kein Treffer. Im Kreis Harburg dagegen ist diese Seuche ein Thema, das Veterinäramt hat dort einen Sperrbezirk eingerichtet.

Das Interesse an der Imkerei wird immer größer. Claudia Kutzick: „Seit meinem Amtsantritt Ende April haben wir 15 neue Mitglieder dazugewonnen.“ Unter den nun 240 Mitglieder seien viele Familien mit Kindern, die mitimkern, und auch viele Jugendliche für sie alle ist es ein süßes Hobby.

Bienenland Niedersachsen

Die insgesamt rund 73 000 Bienenvölker in Niedersachsen werden von ungefähr 10 500 organisierten Imkern betreut und produzieren jährlich etwa 2500 Tonnen Honig. Von 2011 bis 2015 hat hier die Gesamtförderung für Neuimker um rund 37 Prozent zugenommen und ist auf mehr als 100 000 Euro angestiegen. Bis zu 950 Euro Fördermittel vor allem aus EU-Töpfen pro Hektar sind für Bauern drin, wenn sie ihre Nutzflächen bienenfreundlich umwandeln.

Zuschüsse gibt es auch für Neu-Imker: 50 Euro pro Bienenvolk bis zu einer Höchstgrenze von neun Stöcken. 1500 Personen mit insgesamt 6340 neuen Völkern machten in den vergangenen drei Jahren davon Gebrauch. Entscheidendes Ziel ist dabei laut Agrarminister Christian Meyer, „nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig ausreichende Nektar- und Pollenquellen für Honig- und Wildbienen sind.“

Deshalb fördere das Land zum Beispiel auch mit großem Erfolg die Aussaat von Blühstreifen. Üppige Nahrungsversorgung für die Bienen sei vor allem deshalb so wichtig, weil sie einen unverzichtbaren Beitrag für die Bestäubung vieler Nutz- und Wildpflanzen leisten. Ohne Honig- und Wildbienen wären gravierende Einbußen für die Landwirtschaft die Folge.

Und: Vier Fünftel der Kulturpflanzen brauchen eine Bestäubung durch Bienen. Meyer: „Sie sind für den Menschen überlebenswichtig.“ In der Stadt kann jeder einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Bienen leisten – mit Balkonpflanzen oder im Haus- und Vorgarten. Besonders beliebt bei den Bestäubern: Küchenkräuter wie Majoran, Salbei, Lavendel, Thymian und Zitronenmelisse, aber auch Sonnenblumen, Herbstastern und Phacelia.

One comment

  1. Das Klimo von diesen Jahr war nicht schlecht: das Problem ist dass unsere Bienen ausgestorben wird.