Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | „Stop-Motion“ bringt das Team-Gefühl
Mareike Hollaender (l.) achtet genau darauf, dass die Tänzer sich synchron bewegen und jeder Einzelne nur geringe Bewegungen ausführt. Erst dann wird das Bild für den Trickfilm aufgenommen. Foto: phs
Mareike Hollaender (l.) achtet genau darauf, dass die Tänzer sich synchron bewegen und jeder Einzelne nur geringe Bewegungen ausführt. Erst dann wird das Bild für den Trickfilm aufgenommen. Foto: phs

„Stop-Motion“ bringt das Team-Gefühl

us Lüneburg. „Den Arm noch etwas höher. Stop! Wieder etwas runter. Stop! Gut so. Achtung!“ Mareike Hollaender drückt auf die Auslösetaste ihres Computers, die Kamera klickt, das Bild ist gespeichert. Rund 300 Bilder braucht sie, bis der Vier-Minuten-Film im Kasten ist. „Stop-Motion“ nennt die Filmemacherin die Technik, die in diesen Tagen bei einem Talent-Campus-Projekt der Lüneburger Volkshochschule eingesetzt wurde. 15 Jugendliche waren mit von der Partie, das Ergebnis wurde eine „tänzerische Reise durch Ägypten“.

„Die Arbeit vor der Kamera ist ganz schön anstrengend“, sagt Zoe und rückt ihre schwarze Perücke zurecht. „Man muss sich ziemlich konzentrieren und fängt schnell an zu schwitzen.“ Dabei darf sich die Gruppe, mit der die Neunjährige vor der Kamera steht, noch nicht einmal besonders stark bewegen. Nur zentimeterweise geht es voran, immer wieder werden die Bewegungen durch Anweisungen der Regie unterbrochen, auf Kommando bleibt die Gruppe in ihren weißen Tuniken und mit einheitlich schwarzem Kunsthaar wie eingefroren stehen.

„Wir brauchen Einzelbilder, aus denen wir den Film dann zusammensetzen“, sagt Mareike Hollaender. Sie sitzt nicht nur am Bildschirm und steuert von dort die Aufnahmetechnik, sie hat auch das Konzept für den fünftägigen Workshop geschrieben, den sie im Auftrag der Volkshochschule im Jugendcafé des Kredo durchgeführt hat. Ihr Thema ist ein ägyptischer Tanz, den sie als Trickfilm in Stop-Motion-Technik auf DVD bringen wollen.

Die Idee, die hinter dem Projekt steht, bringt Mareike Hol-laender mit einem Begriff auf den Punkt: „Teambildung.“ So würden mit dem Prozess des Trickfilm-Erschaffens Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Kritikfähigkeit, lösungsorientierte Handlungsfähigkeit, Selbst- und Zeitmanagement trainiert. „Miteinander reden und eine bewusst gelebte Kontinuität ist in der Teamarbeit existenziell wichtig für den Erfolg des gemeinsamen Projekts.“

Das fängt bereits bei der Besprechung der Aufgabenstellung und Entwicklung des Plots in der Gruppe an. Eine Arbeit, die Alon besonders gut gefallen hat: „Ich fand es toll, dass wir gemeinsam die Choreografie für den Tanz entwickelt haben“, sagt der Zwölfjährige. Auch die Produktion des Filmtitels „Tanz der Ägypter“, den die Jugendlichen mittels Knetmasse animiert haben, kam gut an. Dass auch Improvisation dazu gehört, haben die jungen Künstler gleich zu Beginn erfahren: Ihre Tuniken waren ausgediente Bettlaken, die sie von zu Hause mitgebracht haben, die Perücken wurden zuvor im Fasching-Shop besorgt.

Lara freute sich, dass sie in diesem Jahr endlich auch mal bei einem Talent-Campus dabei sein durfte: „Im letzten Jahr war ich erst neun, da ging es leider noch nicht.“ Dass die Arbeit nach fünf Tagen schon zu Ende war, findet sie schade. Thea wiederum freut sich, dass sie hier neue Freunde gefunden hat: „Wir wollen uns danach auch mal treffen.“ Und eine bleibende Erinnerung an das gemeinsame Projekt gibt es in vier Wochen auch: „Wenn wir alles geschnitten haben und der Film fertig ist, bekommt natürlich jeder eine DVD nach Hause geschickt“, verspricht Mareike Hollaender.