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Heidrun Böckmann, Besitzerin der Fahrschule in Adendorf, wird im Simulator auf ihre Fahrweise getestet. Sie muss nebenbei Aufgaben erledigen, soll aber versuchen, dabei die Spur zu halten.  Foto: be
Heidrun Böckmann, Besitzerin der Fahrschule in Adendorf, wird im Simulator auf ihre Fahrweise getestet. Sie muss nebenbei Aufgaben erledigen, soll aber versuchen, dabei die Spur zu halten. Foto: be

Handy am Steuer: Studenten untersuchen Auswirkungen

ap Lüneburg. Das kleine Display im Auto zeigt den Bestellservice eines Pizza-Lieferanten. Während der Fahrt soll Heidrun Böckmann eine Pizza Hawaii mit 36 Zentimeter Durchmesser bestellen. Den Code muss sie sich merken, er wird später abgefragt. Die Fahrschullehrerin tippt auf den Bildschirm, kommt von der Fahrspur ab und fährt ins Grüne. Ziel erfüllt. Denn das alles ist inszeniert, das Auto nur ein Simulator.

Die Fragestellung, die sieben Studenten der Leuphana mit diesem Versuchsaufbau klären wollen, lautet: „Wie wirkt sich Ablenkung auf die Fahrleistung aus?“ Seminarleiter Paul Ehm erklärt: „Es gibt visuelle, haptische und kognitive Sekundäraufgaben, die die Testperson während der Fahrt erledigen soll.“ Die Software zeichne die ideale Fahrspur auf, durch Schraffierungen werde deutlich, wie groß die Ablenkung sei. „Je größer die schraffierte Fläche, desto größer die Abweichung.“ Dahinter verbirgt sich der sogenannte Stroop-Effekt, ein Phänomen, das bei mentalen Verarbeitungskonflikten auftritt.

Melanie Busch, Kristin Ewald und Steffen Hattendorf beschäftigen sich seit April mit der Thematik. Sie haben das Seminar, das im Institut für experimentelle Wirtschaftspsychologie angesiedelt ist, aus Interesse gewählt. „Ich erlebe immer wieder bei Freunden, dass sie beim Autofahren zum Handy greifen“, sagt Kristin Ewald. „Das hat große Auswirkungen auf die Fahrweise.“

Die verschiedenen Tests haben sich die Studenten selbst ausgedacht. So muss der Autofahrer am Steuer nicht nur Pizzen bestellen, sondern auch von der Zahl 212 in 7er-Schritten rückwärts zählen, in dem Kasten auf dem Beifahrersitz ein Muster stecken und auf Anweisung die Spur wechseln. Die 20 Versuchspersonen empfanden ganz unterschiedliche Aufgaben als schwierig. „Wir stehen kurz vor der Auswertung“, sagt Steffen Hattendorf, der im 6. Semester Rechtswissenschaften studiert. Der 26-Jährige hat den Test auch durchlaufen. „Besonders das Rückwärtszählen war schwierig.“ Dabei habe er den Blick auf die Straße verloren. „Leider ist es so, dass man sein Fahrverhalten erst dann umstellt, wenn der Unfall passiert ist.“ All diese Aufgaben seien im Smartphone vereint. „Ich muss danach greifen, es bedienen, die Nachricht lesen und nachdenken“, sagt Hattendorf. Der Aspekt interessiert auch die Fahrlehrerin aus Adendorf. „Es kommt während der Fahrstunde häufig vor, dass ein Schüler anhalten will, um kurz seinen Freunden zu antworten. So gut wie jeder Jugendliche hat ein Handy.“ Ihr selbst sei während der Simulation sogar schlecht geworden: „Das hat mich völlig überfordert.“ An mangelnder Fahrpraxis könne es bei ihr nicht liegen, schließlich sei sie seit 30 Jahren Fahrlehrerin. „Die Jugend von heute ist durch Computerspiele und Chatten viel vertrauter damit.“ Das Projekt der Leuphana sei daher spannend und anschaulich: „Toll wäre es, wenn meine Schüler die Möglichkeit hätten, die Simulation zu durchlaufen. Das hätte einen Effekt.“

2 Kommentare

  1. bald ist es umgekehrt, studenten am steuer und handys untersuchen auswirkungen. schmunzel

  2. Hmm… warum wird das untersucht ? Handy beim Autofahren ist verboten ! Fertig !! Soll daran etwas geändert werden ? Müssen da jetzt Unterschungen für gemacht werden ? Es sollten lieber die Auswirkungen von Handynutzung bei Fußgängern untersucht werden. Es ist mir schon öfter passiert das mir (besonders jüngere Leute) einfach vor das Auto (auf die Strasse) gelaufen sind. Das sollte mal untersucht werden.