Aktuell
Home | Lokales | Achtung, Wildwechsel!
Die meisten Wildunfälle ereignen sich mit Rehwild. Foto: ol
Die meisten Wildunfälle ereignen sich mit Rehwild. Foto: ol

Achtung, Wildwechsel!

ol Lüneburg. Die Jägerschaft Lüneburg warnt vor erhöhter Wildunfall-Gefahr: Mit dem Beginn der Bunftzeit beim Rehwild steigt derzeit das Risiko von Wildwechseln, hinzu kommt der Beginn der Getreideernte, der das Wild ebenfalls in Aufruhr versetzt. Bisher verzeichnete die Polizei Lüneburg laut Sprecherin Antje Freudenberg im ersten Halbjahr unter den 3468 Verkehrsunfällen im Landkreis Lüneburg 426 Wildunfälle. Hinzu kommen die Zusammenstöße, die nur beim Revierinhaber oder beim Förster angezeigt wurden sowie die Wildunfälle, die nirgends gemeldet wurden.

Bundesweit kamen im vergangenen Jagdjahr 183140 Rehe, 23270 Sauen, 3810 Stück Damwild und 2620 Stück Rotwild unter die Räder. Die Jägerschaft Lüneburg bemüht sich bereits seit Jahren, die Wildunfälle zu minimieren. Eine Aktion ist die Austattung der Leitpfosten mit Wildwarnreflektoren, die der Landkreis finanziell unterstützt die bisher allerdings nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. „Die Reflektoren wirken nur bei Dunkelheit und müssen ständig freigeschnitten und gesäubert werden“, sagt Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs. Eine weitere Präventionsmaßnahme die Duftzäune halten das Wild zwar zurück, „doch die Tiere weichen auf andere Überquerungen der Straße aus“, so Cohrs. Außerdem sei die Methode sehr aufwendig.

Ein weiterer Versuch ist das Aufstellen von orangefarbenen Warndreiecken an Stellen, wo sich bereits ein Wildunfall ereignet hat. Die Dreibeine sollen die Autofahrer auf die Gefahrenstelle aufmerksam machen. Das war jedenfalls 2006 die Idee der Polizeiinspektion Lüneburg und viele Jägerschaften in Niedersachsen haben diese Maßnahme inzwischen übernommen.

Im Landkreis Lüneburg sind diese Warnungen, die eigentlich nur ein halbes Jahr nach einem Wildunfall am Straßenrand stehen sollen, inzwischen in die Jahre gekommen. Kreisjägermeister Cohrs ist überzeugt: „Die Minimierung der Wildunfälle gelingt nur, wenn das Wild mit geeigneten Maßnahmen von der Straße ferngehalten wird und gleichzeitig die Autofahrer auf gefährdenden Strecken noch stärker auf potenzielle Gefahren hingewiesen werden.“

Er empfiehlt den Jägern, vorzugsweise das Wild im Rahmen des Abschussplanes in der Nähe der Straßen zu erlegen. Kommt es trotz allem doch zu einem Zusammenstoß mit Wild, hat der Autofahrer laut Cohrs keinen Anspruch auf Schadenersatz gegenüber dem Revierinhaber, da Wild herrenlos sei. „Bei einer bestehenden Teil- oder Vollkaskoversicherung kommt diese nach einem Zusammenstoß mit Haarwild allerdings für den Schaden auf.“ Bei kleineren Wildtieren, wie zum Beispiel Hase und Fuchs, kann die Versicherung die Kostenübernahme verweigern. Eine Bescheinigung über den Wildunfall stellt die Polizei, Forst oder der Revierinhaber aus.
Das verunfallte Wild darf sich der Revierinhaber aneignen, verboten ist aber, dass er das Wildbret in den Handel bringt. Bei starken Stücken entsorgt der Landkreis den Kadaver. „Keinesfalls darf der Autofahrer das Wild als Ersatz für seinen Schaden in den Kofferraum legen, mitnehmen und für sich verwerten“, sagt Cohrs. „Damit würde er sich der Wilderei strafbar machen.“

Was tun nach einem Unfall?

  • Unfallstelle sichern
  • Warnblinker einschalten
  • Wild von der Straße ziehen
  • Polizei oder Revierinhaber verständigen
  • falls das Wild flüchtet, Fluchtrichtung kennzeichnen
  • bei Rettungsmaßnahmen Beweise sichern.