Aktuell
Home | Lokales | Grundstein für Integration legen
Ein Zuhause auf Zeit ist die städtische Jugendhilfeeinrichtung Wismarer Straße für den 17-jährigen Zabi. Das Haus ist sehr gut, die Betreuer sind nett, sagt er strahlend. Foto: phs
Ein Zuhause auf Zeit ist die städtische Jugendhilfeeinrichtung Wismarer Straße für den 17-jährigen Zabi. Das Haus ist sehr gut, die Betreuer sind nett, sagt er strahlend. Foto: phs

Grundstein für Integration legen

as Lüneburg. 20 Quadratmeter groß ist das Zimmer, das sich Zabi (17) mit einem Freund teilt. Möbliert mit schlichten Betten mit bunter Bettwäsche, einem Schrank, Tisch und Stühlen. Auf dem Bett liegt eine Gitarre. Ja, er spielt, sagt er in gebrochenem Deutsch. Im Osaka mache er Karate und ab August besuche er eine Sprintklasse der Berufsbildenden Schulen, um intensiv Deutsch zu lernen. Sein Berufsziel? Polizist. Das Zuhause des jungen Afghanen, der im vergangenen Oktober nach Deutschland kam, ist seit einigen Wochen die städtische Jugendhilfeeinrichtung „Wismarer Straße“. Hier sollen junge Flüchtlinge zu einem selbstständigen Leben angeleitet werden.

Wie berichtet, hat die Stadt in den vergangenen Monaten das erste Obergeschoss des Kasernengebäudes 40 im ehemaligen Schlieffenpark zu einer Unterkunft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge umgebaut. Insgesamt 13 Einzel- und Mehrbettzimmer wurden hergerichtet, so dass 25 Plätze entstanden. Derzeit leben 23 junge Geflüchtete in zwei Wohngruppen, die sich Küchen und Gemeinschaftswohnbereiche sowie Sanitärräume teilen.

Sozialdezernentin Pia Steinrücke vor dem Gebäude, in dem im ersten Stock die Einrichtung für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge entstanden ist. Im Erdgeschoss entsteht zurzeit eine weitere Kita im Hanseviertel. Foto: phs
Sozialdezernentin Pia Steinrücke vor dem Gebäude, in dem im ersten Stock die Einrichtung für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge entstanden ist. Im Erdgeschoss entsteht zurzeit eine weitere Kita im Hanseviertel. Foto: phs

Sozialdezernentin Pia Steinrücke macht deutlich, dass die Einrichtung nicht nur Unterkunft sein soll. „Uns ist wichtig, dass Jugendliche, die auf der Flucht viel Schweres erlebt haben, hier zur Ruhe kommen können. Darüber hinaus geht es darum, die Teilhabe an Bildung und Freizeit zu ermöglichen. Fast alle gehen inzwischen zur Schule und sind sehr lernbegierig.“ Darüber hinaus gehe es darum, die Autonomie des Einzelnen weiter zu fördern. „Durch die Flucht und die damit einhergehenden Erfahrungen bringen viele Jugendliche bereits eine große Selbstständigkeit mit. Unser Konzept zielt darauf ab, dass die Jugendlichen angeleitet werden, ein eigenständiges Leben zu führen.“

Das bedeutet, Aufgaben im Alltag zu übernehmen. „Dazu gehört, dass ein Großteil der Jugendlichen sich selbst verpflegt“, sagt Georg Holeczko, Leiter der Einrichtung. Pro Gruppe gebe es zwei Kochgruppen, die Verpflegungsgeld erhalten, dieses genau abrechnen müssen, den Einkauf, das Kochen, den Abwasch übernehmen und danach die Küche wieder tipptopp herrichten. Die Aufgaben rotieren, die Jugendlichen hätten Spaß daran, Verantwortung zu übernehmen, so Holeczko. Auch für die Reinigung der Bäder und der Flure sind die Bewohner selbst verantwortlich, werden allerdings von Hauswirtschaftskräften unterstützt.

Ansprechpartner rund um die Uhr sind Erzieher wie Mark Hesse. Bei allen Fragen oder Problemen haben sie ein offenes Ohr für die Jugendlichen. Zu den klaren Regeln gehört auch, dass sich Bewohner, wenn sie zum Beispiel auswärts übernachten, bei den Sozialarbeitern abmelden. Ein weiteres wichtiges Element für die Inte­gration ist, „dass es ein Netzwerk von Ehrenamtlichen und Vereinen gibt“, so Pia Steinrücke. Dadurch gibt es zum Beispiel Unterstützung beim Sprache erlernen und bei Hausaufgaben und eine Vielzahl von Freizeit- und Sportangeboten. „Die Struktur und die Beziehungsarbeit der Mitarbeiter mit den Jugendlichen fördern die Integration und reduzieren das Risiko negativer Entwicklungsverläufe.“