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Mühsam per Hand entfernt Stefan Erb die giftigen Jakobskreuzkraut-Pflanzen, bevor er die Wiese mäht. Bleibt das Kraut stehen, kann es als Bestandteil im Heu für Pferde zur tödlichen Gefahr werden. Foto: wg
Mühsam per Hand entfernt Stefan Erb die giftigen Jakobskreuzkraut-Pflanzen, bevor er die Wiese mäht. Bleibt das Kraut stehen, kann es als Bestandteil im Heu für Pferde zur tödlichen Gefahr werden. Foto: wg

Jakobskreuzkraut: die vernachlässigte Gefahr

off Bleckede. Die Gefahr ist seit Jahren bekannt. Trotzdem breitet sich das Jakobskreuzkraut immer weiter aus und versetzt diesen Sommer sogar Elbschäfer Stefan Erb in Alarmbereitschaft. Zwei bis drei Tage hat der Bleckeder gebraucht, um mit zwei Helfern eine einzige Wiese von dem giftigen Kraut zu befreien. „Und das ist längst nicht die einzige betroffene Fläche“, sagt er. Auch im Lüneburger Stadtgebiet hat sich das gelb blühende Kraut nach den Berichten zweier LZ-Leserinnen extrem ausgebreitet. Eine Entwicklung, die nicht nur für Weidetiere, sondern auf Dauer auch für den Menschen zur Gefahr werden kann.

Gefürchtet ist das Jakobskreuzkraut vor allem bei Pferdehaltern, denn Pferde reagieren sehr sensibel auf Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) Inhaltsstoffe des Krauts, die in der Leber zu giftigen Sub­stanzen umgewandelt werden. Doch je weiter sich die Pflanze ausbreitet, desto größer wird die Gefahr, dass die leberschädigenden Stoffe auch in die menschliche Nahrungskette gelangen.

Nachgewiesen wurde PA laut einer Informationsbroschüre des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) unter anderem in Kräutertees, Salaten, Blattgemüsen und Honigen (mehr dazu Text rechts). Außerdem besteht die Gefahr, die Giftstoffe durch verunreinigte Futtermittel auch über Eier, Milch oder Fleisch aufzunehmen. Eine akute Gefahr durch den Verzehr von belastetem Honig oder Kräutertee sieht das BfR zwar nicht. Auch gebe es bisher keine Hinweise, dass in Lebensmitteln tierischen Ursprungs PA-Konzentrationen auftreten, die ein Gesundheitsrisiko darstellen. Trotzdem warnt das BfR unter anderem davor, seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf ausschließlich über Kräutertee zu decken. Hersteller von Honig und Tee sollten außerdem Maßnahmen zur Reduktion des Giftstoffeintrags treffen.

Erkenntnisse, die nicht neu sind. „Und trotzdem ist in den letzten Jahren viel zu wenig unternommen worden, um die Ausbreitung des Krauts zu verhindern“, sagt Schäfer Erb. Die Folge: „Mittlerweile stehen die Pflanzen sogar auf Flächen im Deichvorland, wo sie bisher nie zu finden waren.“ LZ-Leserin Irmtraut Michels berichtet zudem von einer extremen Ausbreitung des Krauts im Stadtgebiet rund um die Nelly-Sachs-Straße, außerdem gebe es eine große befallene Fläche beim Neubaugebiet Oedeme in Richtung Heiligenthal. Auch Edith Scholl beklagt in einem Brief an die LZ die starke Vermehrung des Krauts. „An der ganzen Ostumgehung wächst es wie wild“, sagt sie, „ich bin der Meinung, dass dagegen etwas unternommen werden muss.“

Stadt und Kreis sehen sich hingegen nur auf eigenen Flächen in der Pflicht. „Ansonsten ist der jeweilige Grundstückseigentümer verantwortlich“, sagt Kreissprecherin Elena Barthels. Doch auch wenn es im Landkreis in den vergangenen Jahren etliche Bemühungen und Informationsoffensiven unter anderem vom Arbeitskreis Jakobskreuzkraut zur Reduzierung des Krautes gab, „wirklich angekommen ist die Botschaft in den Köpfen der Leute offenbar nicht“, klagt Erb.

Seine Forderung: „Da es offenbar nicht klappt, dass jeder Grundstückseigentümer seiner Verantwortung nachkommt und das Kraut sorgfältig entfernt, sollte sich der Landkreis der Sache annehmen.“ Und: „Die Entsorgung der Pflanzen bei der GfA sollte kostenlos sein. Noch besser wäre es, jeder Sack würde honoriert werden.“ Ändert sich nichts, „wird sich das Giftkraut bei mehr als 150000 Samen pro Pflanze immer weiter und immer rasanter ausbreiten.“

Erb selbst hat nach tagelanger Arbeit inzwischen alle Wiesen von dem Kraut befreit und kann sein Heu sorglos an Pferdehalter verkaufen. Gelingt das nicht, können selbst trockene Bestandteile des Jakobskreuzkrauts im Heu für Pferde noch gefährlich werden. „Und ich kann nur hoffen, dass es diesen Winter in den Pferdeställen der Region nicht noch eine böse Überraschung gibt!“

Schutz vor Fraßfeinden

Die sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) kommen nicht nur im Jakobskreuzkraut, sondern auch in vielen anderen Pflanzenarten weltweit vor. Insgesamt gibt es laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mehr als 500 verschiedene PA in mehr als 6000 Pflanzenspezies. Bestimmte Pflanzenarten – vor allem Pflanzen der Familie der Korbblütler, der Raublatt- und Borretschgewächse und der Hülsenfrüchtler – bilden diese giftigen Stoffe, um Fraßfeinde abzuwehren.

Zu den bei uns heimischen PA-haltigen Pflanzen gehören neben dem Jakobskreuzkraut das Gemeine Greiskraut und der Natternkopf. Leicht kann das Jakobskreuzkraut mit Johanniskraut oder Wiesenpippau verwechselt werden. Das sind die Erkennungsmerkmale: 50 bis 150 Zentimeter hoch, Blütendolden mit vielen kleinen, gelben Korbblüten, 13 Blütenblätter pro Blüte, oft violett gefärbte Stängel, dunkelgrüne und unregelmäßig gefiederte Blätter. Weitere Infos gibt es hier.

One comment

  1. Anwohner Rosenkamp II

    Der Bereich zwischen Rosenkamp II und der Straße nach Heiligenthal ist aus meiner Sicht wie im Text beschrieben davon befallen. Leider kommt die Stadt hier ihrem Verpflichtungen nicht nach, da maximal einmal im Jahr gemäht wird (und in diesem Fall ja auch das nicht hilft, sondern nur das entfernen).

    Ich frage mich warum nichts unternommen wird wenn dies bereits bekannt zu sein scheint.