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Alle Zeichen am ehemaligen Schlachthof stehen auf Abriss. Foto: be
Alle Zeichen am ehemaligen Schlachthof stehen auf Abriss. Foto: be

Arena in Lüneburg: Artenschutz verzögert Abriss

ap/us Lüneburg. Der erste Bagger steht für den Abriss des alten Schlachthof-Geländes an der Lüner Rennbahn bereit. Dort soll die rund zwölf Millionen Euro teure Sport- und Eventhalle entstehen, die vor allem die SVG-Volleyballer so dringend benötigen. Doch der Abriss ist wegen ungeklärter Artenschutzfragen offenbar ins Stocken geraten.

Ähnlich schleppend geht es mit den Verträgen voran, die eigentlich schon Ende März unterschrieben werden sollten. Sicher ist nun aber, dass Campus-Chef Klaus Hoppe Betreiber der neuen Drei-Feld-Halle wird. Hoppe hat im Juni die „Arena Lüneburg Betriebsgesellschaft mbH“ gegründet, ist dort als Geschäftsführer augeführt. „Arena Lüneburger Land“ lautet derzeit noch der Arbeitstitel der wettkampfgerechten Sporthalle, die aber bald „Sparkassen-Arena“ heißen könnte, wenn das Geldinstitut die Namensrechte erwirbt. Hoppe: „Ich habe die Betreibergesellschaft gegründet, damit man mit mir Verträge abschließen kann.“ Sobald der Bau von Stadt und Kreis genehmigt sei, werde er Verträge mit dem Bauherren Jürgen Sallier schließen. Hoppe: „Das wird vermutlich Ende August der Fall sein. Ich gehe fest davon aus, dass es klappt.“

Anschließend wolle er „mit Hochdruck“ beginnen, Events zu planen und Bands und Comedians nach Lüneburg zu locken. „Revolverheld und Silbermond können wir mit den aktuellen Möglichkeiten keinen Raum bieten“, sagt Hoppe. Mit einer Halle, die bis zu 3500 Personen fasse, allerdings schon. „Ina Müller wäre möglich, Max Raabe mit Orchester, Gregor Meyle oder Frida Gold.“

Im Oktober 2017 muss die Sport- und Eventhalle stehen, sonst könnten die Volleyballer der SVG, wie berichtet, aus der Bundesliga fliegen. Dementsprechend müsste mit dem Bau zeitig gestartet werden. Jan-Heinrich Schuldt, Bauleiter der Abbruchfirma Tirs, rechnet mit einem Startschuss der Abrissarbeiten „in der nächsten oder übernächsten Woche“. „Einen offiziellen Termin gibt es noch nicht“, erklärt er auf LZ-Nachfrage. Den ersten Bagger habe man dort schon abgestellt, später sollen insgesamt fünf bis sieben Großgeräte den Abriss der 16000 Quadratmeter großen bebauten Fläche bewerkstelligen. „Wir haben zehn bis zwölf Wochen für den Abriss veranschlagt“, erklärt der Bauleiter, der von einem „größeren Aufwand“ spricht.

Doch ob die von dem Bauunternehmen ins Auge gefassten Termine auch tatsächlich stehen, scheint derzeit ungewiss. Grund ist ein Artenschutzgutachten, das zwischen Stadt und Kreis gestern offenbar für Verwirrung sorgte. Mit dem Gutachten soll im Vorfeld eines Abrisses geklärt werden, ob sich möglicherweise geschützte Tierarten auf dem Areal angesiedelt haben. Während die beim Landkreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde erklärte, ihre Hinweise zu den Ergebnissen aus dem Gutachten an die Stadt weitergeleitet zu haben, konnte diese gestern nicht sagen, ob diese Hinweise bei ihr eingegangen sind. Dort hieß es nur: „Die Hinweise fließen in die Baugenehmigung ein“, wie Stadtpressesprecher Daniel Gritz erklärte. Er betonte auch, der Abriss selbst sei genehmigungsfrei, allerdings sei der Bauherr für die Einhaltung der Gesetze verantwortlich, „und dazu gehört auch der Artenschutz“. Auch der Landkreis sah sich gestern nicht in der Lage, sich zu seinen an die Stadt abgegebenen Hinweisen zu äußern. Pikant: Diese könnten Aufklärung darüber geben, ob und welche artenschutzrechtlichen Auflagen erteilt worden sind und den Fahrplan erheblich durcheinander wirbeln.

Voraussichtlich Mitte oder Ende Oktober dürfte das Grundstück, das der Lüneburger Immobilienmakler Jürgen Sallier Anfang Mai aus der Insolvenzmasse des Tiefkühlfischproduzenten Pickenpack erworben hat, für den Hallenbau vorbereitet sein. Vorher müssen aber noch der Rat der Stadt (18. August) und der Kreisrat (22. August) über die Vertragsentwürfe einen Beschluss fassen. Die Sondersitzung des Kreisrats hatte Landrat Manfred Nahrstedt einberufen, um das Projekt noch in der laufenden Legislaturperiode auf den Weg bringen zu können. Bezüglich der Zustimmung des niedersächsischen Innenministeriums habe er „ein gutes Gefühl“.

Nahrstedt hatte zuletzt im Kreistag geäußert, dass er die Sondersitzung absagen werde, wenn bis Anfang August keine Verträge zur Abstimmung vorliegen. Da sich der Landrat zur Zeit im Urlaub befindet, äußerte sich Sprecherin Elena Bartels: „Aktuell liegt uns kein neuer Sachstand vor. Es ist also derzeit noch geplant, dass die Sitzung stattfindet.“ Der Landkreis scheint demnach davon auszugehen, dem Kreistag am 22. August einen abgestimmten Vertragsentwurf zur Beschlussfassung vorlegen zu können.

Vamos Kulturhalle will nicht weichen

Die Möglichkeit, das Vamos in der geplanten Sport- und Eventhalle unterzubringen, verneint Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe. „Eine solche Halle hat hohe laufende Kosten“, erklärt er, „der Aufbauaufwand für Veranstaltungen ist erheblich.“ Sowohl Technik als auch Bühne seien dort nicht fest installiert.

„Im Vergleich zum Vamos ergeben sich dort enorme Mehrkosten.“ Zum Sanierungsaufwand der Kulturhalle, für die es eine Vertragsverlängerung auf dem Campus bis Ende September 2017 gibt, sagt Hoppe: „Wenn man jahrelang auf ein vermutliches Miet­ende zuläuft, ist ein Renovierungsstau normal.“ In der Arena an der Rennbahn sehe er keine Möglichkeit, freitags und sonnabends Partys zu veranstalten. „Es kann doch Vamos und Arena geben, genauso wie es jetzt Vamos und Ritterakademie gibt – ohne direkten Zusammenhang.“ Mit der Uni herrsche derzeit Funkstille. „Aber wir haben weiter Hoffnung.“

One comment

  1. Ernst-H. Michaelis

    Das wäre doch wohl ein Witz! Da dringen Fledermäuse in ein leerstehendes Gebäude (Alter Schlachthof) ein, und der Nabu verlangt gleich lauthals Ausgleichsmaßnahmen.
    Man stelle sich das mal bei einem privat genutzten Gebäude vor. Ein Hauseigentümer möchte ein Haus renovieren, er räumt es aus und Fledermäuse ziehen ein. Da sieht er mit einem Mal alt aus, wenn der Nabu dahinter kommt.
    Da muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr Stimmen laut werden, die die Verbandsbeteiligung in der jetzigen Form abschaffen möchten.