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24 Jahre lang hat Prof. Dr. Edgar Kreilkamp die Fachrichtung Tourismus in Lüneburg etabliert, der Leuphana damit in der Region ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. 2018 geht Kreilkamp in Rente, dann soll auch der Schwerpunkt an der Leuphana aufgelöst werden. Foto: t&w
24 Jahre lang hat Prof. Dr. Edgar Kreilkamp die Fachrichtung Tourismus in Lüneburg etabliert, der Leuphana damit in der Region ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. 2018 geht Kreilkamp in Rente, dann soll auch der Schwerpunkt an der Leuphana aufgelöst werden. Foto: t&w

„Viele Studenten müssen Lüneburg verlassen“

ap Lüneburg. Prof. Dr. Edgar Kreilkamp hat den Tourismus-Schwerpunkt an der Leuphana vor 24 Jahren zusammen mit der IHK Lüneburg-Wolfsburg aufgebaut. Seither zählt die Lüneburger Uni bundesweit zu den Vorreitern. Nun naht seine Pensionierung. Für den 67-Jährigen ist das jedoch keine schöne Aussicht, denn mit ihm verschwindet auch die touristische Ausrichtung der Hochschule. Studenten, die das Fach aktuell studieren, können es noch abschließen. Bewerbungen werden jedoch schon jetzt nicht mehr angenommen.

„Die Uni hat die Stelle gestrichen“, sagt Kreilkamp, der viele Bemühungen unternommen hat, um die Professur zu erhalten. „Die einzige Lösung wäre eine Stiftungsprofessur, aber die müsste anderweitig finanziert werden.“ 800000 Euro müssten Dritte übernehmen, um die Stelle über einen Zeitraum von fünf Jahren zu finanzieren.

Die Leuphana hat sich derweil längst umorientiert. Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff begründet die Entscheidung mit neuen Schwerpunktsetzungen. Das Fach Tourismusmanagement, das an die Fakultät Wirtschaftswissenschaften angliedert ist, sei aufgrund neuer Entwicklungsplanungen nicht mehr vorgesehen. Stattdessen wolle man sich auf die Profilthemen Entrepreneurship, Governance, Digital Transformation, Technology and Innovation und Behaviour and Change konzentrieren.

Bei der IHK herrscht Unverständnis. Tourismusexperte Martin Exner: „Wir bedauern diese Entscheidung sehr.“ Für die Uni sei der Schwerpunkt in der Region ein Alleinstellungsmerkmal. „Die Leuphana hat damals mit Herrn Kreilkamp eine bundesweit hochgeachtete Kompetenz erworben“, sagt Exner, der selbst schon Gespräche mit der Universitätsleitung geführt hat, sogar an das Wissenschaftsministerium herangetreten ist. „Als Stiftungsuniversität ist die Leuphana relativ autonom in ihren Entscheidungen. Das ist in diesem Fall sehr schade.“

Auch Kreilkamp ist ratlos. „Ich habe alles versucht“, sagt er. So langsam schleiche sich bei ihm das Gefühl ein, dass die Uni-Leitung schon vor Jahren etwas anderes für die Stelle vorgesehen hatte. Dabei sei Tourismus noch immer ein gefragtes Fach. Im Bachelor würden rund 70 Studenten im Semester seine Kurse besuchen, im Master seien die Bewerberzahlen gar um ein Vielfaches größer als Plätze vorhanden seien. „350 Studenten bewerben sich im Schnitt auf 40 Plätze“, sagt Kreilkamp, der insgesamt fünf Kurse leitet. Bundesweit würden aktuell viele renommierte Universitäten nach und nach das Fach abstoßen, so beispielsweise die Hochschulen in Dresden, Trier und Paderborn. Internationale Forschung sei immer gefragter. Gleichzeitig steige aber auch der Zulauf an den Fachhochschulen. „Dort mangelt es aber an Professoren.“ Denn die können nur an einer Universität promovieren, erklärt er.

An der Leuphana promovieren zur Zeit die letzten 15 Doktoranden im Schwerpunkt Tourismus. „Ich habe auch Doktoranden aus der Schweiz, aus Österreich, aus Bayern.“ Die wolle er zu Ende begleiten trotz der Pensionierung im März 2018. Danach sei aber Schluss. Vor allem für die Bachelor-Studenten, die ihre Kurse im Wahlbereich im Master vertiefen wollten, sei die Entwicklung traurig. „Viele Studenten müssen Lüneburg nun verlassen, möglicherweise an einer Fachhochschule weiterstudieren“, erklärt der Wissenschaftler.

One comment

  1. Es har auch damals bei der Beerdigung des Sozialarbeitertsudienganges keinen geschert, ob es Bedarfe seitens der (Sozial)wirtschaft gab. Und die sind noch bedeutsamer als der Tourismus.
    Auch damals wurden Verrentungen genutzt.
    Diesmla hat es mal was profit-orientiertes erwischt.
    Jede Studienrichtung, in der demnächst Verrentungen anstehen, kann ja schon mal anfangen, die Existenzfrage zu stellen.