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Auf bis zu 40 km/h bringt es das Elektro-Mountainboard von Bruno Wahl. Doch benutzen darf er es im öffentlichen Verkehrsraum nicht. Foto: phs
Auf bis zu 40 km/h bringt es das Elektro-Mountainboard von Bruno Wahl. Doch benutzen darf er es im öffentlichen Verkehrsraum nicht. Foto: phs

Frust statt Mountainboard-Lust

us Lüneburg. Der Druck auf den Joystick, den Bruno Wahl in der Hand hält, will wohldosiert sein. Immerhin gibt er damit 8,8 PS an die Hinterräder des gut einen Meter langen Gefährts frei, auf dem er sich stehend freihändig fortbewegt. Das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich viel, reicht aber, um das Elektro-Mountainboard spielend auf Tempo 40 zu bringen mitsamt Fahrer. Und genau da liegt das Problem. Denn fahren darf Bruno Wahl damit im öffentlichen Raum nicht. Das ärgert ihn.

„Wir fühlen uns kriminalisiert, wenn wir öffentliche Wege nutzen. Das wollen wir ändern“, sagt der 32-Jährige, der sich als Teil einer „E-Board-Community“ versteht, die das gleiche Hobby pflegt wie er und sich ebenfalls an den „viel zu eng gefassten Regelungen in Deutschland“ stört. Ihr Vorbild ist die Schweiz. Dort habe man sich „dem Paragraphen-Dschungel entzogen“, inzwischen dürfen Elektro-Mountainboards mit bis zu 20 km/h auf Fuß- und Fahrradwegen durch die Gegend düsen.

Rund 100 Stunden hat der Scharnebecker in den Bau seines Boards gesteckt, hat Pläne studiert, nach Bauteilen im Internet gesucht, die einzelnen Komponenten programmiert und aufeinander abgestimmt. Gut 3000 Euro hat er für seinen Fahrspaß investiert, den der Medizintechniker bei seinem Aufenthalt in der Schweiz kennen- und schätzengelernt hat. Seit die Elektro-Mountainboards auch käuflich erhältich seien, nehme die Begeisterung für selbstfahrenden Bretter deutlich zu, wie der Hobby-Bastler erklärt

„Wir wollen ja gar nicht auf die Straßen“, sagt Bruno Wahl. Schließlich wisse man, welche Gefahren dort lauern: „Wir sind ja selbst die Knautschzone.“ Sein Wunsch ist es, in Deutschland wenigstens Fuß- und Fahrradwege nutzen zu dürfen. Außerdem handele es sich bei den elektrisch angetriebenen Boards um Fahrzeuge mit „sauberer Energie“, die so die Umwelt schonten und die Straßen entlasten, „denn zum Brötchenholen muss ich mich nicht mehr ins Auto setzen“.

Doch das selbstgesteckte Ziel scheint schwieriger erreichbar als erwartet. Das Problem: Das Elektro-Mountainboard braucht in Deutschland eine Zulassung für den öffentlichen Raum, da es konstruktionsbedingt schneller als 6 km/h fahren kann, so will es die Straßenverkehrsordnung. Mit dem TÜV habe er bereits gesprochen, „doch die berufen sich auf die Zulassungsordnung“. Die Zulassungsbehörde wiederum verweist auf die Politik.

Auch im Lüneburger Rathaus ist Bruno Wahl schon gewesen und stieß dort auf grundsätzliche Zustimmung. „Ein interessantes Fortbewegungsmittel“, sagt Lüneburgs Nachhaltigkeitsbeauftragter Dr. Karl-Heinz Rehbein. Doch die Stadt sei dafür nicht der richtige Ansprechpartner, „solche Dinge werden in Berlin geregelt“. Der Scharnebecker wandte sich daraufhin an die hiesigen Bundestagsabgeordneten mit der Bitte, sich dafür einzusetzen, dass die Boards zumindest mit den sogenannten Segways gleichgestellt werden, elektrisch betriebenen Zweirädern, die durch Gewichtsverlagerung des Fahrers beschleunigt und gesteuert werden. „Die fahren schneller als 6 km/h und haben eine Zulassung bekommen.“

Dass er mit seinem Wunsch aber selbst bei Fußgängern häufig auf deutlich Zurückhaltung stößt, ist Bruno Wahl bewusst. „Natürlich wissen wir, dass wir dann umsichtig fahren und die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit einhalten müssen. Das gilt aber für jeden anderen auch“, sagt der 32-Jährige und fügt hinzu: „Was ist denn gefährlicher: unsere Boards oder ein 18-Jähriger, der mit dem Porsche seines Vaters unterwegs sein darf?“

Ob die Lüneburger Bundestagsabgeordneten ihm helfen wollen, ist jedenfalls noch offen. „Bislang habe ich noch keine Antwort bekommen.“

One comment

  1. „Sein Wunsch ist es, in Deutschland wenigstens Fuß- und Fahrradwege nutzen zu dürfen.“

    Radfahrwege sind ja in der Regel von Fahrradfahrern befreit, da diese nicht nur in Lüneburg argumentieren: „FAHRrad = FAHRbahn“ und lieber auf der Straße fahren.

    Auf Fußwegen dürfen meines Wissens nur Personen mit einem Fahrrad fahren, die nicht älter als 8 Jahre sind. Da ist Herr Wahl mit seinen 32 Jahren wohl etwas zu alt.

    Ach, ich vergaß, er will ja mit einem übermotorisierten Elektro-Mountainborad und nicht mit einem Fahrrad dort fahren. Hier fällt mir nun auf, dass in diesem Namen das Wort „Mountain“ enthalten ist. Bedeutet das denn nicht, dass diese Geräte in den Bergen zum Einsatz kommen sollten?

    „Dass er mit seinem Wunsch aber selbst bei Fußgängern häufig auf deutlich Zurückhaltung stößt, ist Bruno Wahl bewusst. „Natürlich wissen wir, dass wir dann umsichtig fahren und die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit einhalten müssen.““

    Hier meine Frage, welche Höchstgeschwindigkeit gilt auf Fußwegen?? In Fußgängerzonen z. B. gilt Schrittgeschwindigkeit, d. h. 6 km/h.

    Wenn ältere Menschen mit diversen Handycaps mit Gehhilfen oder Rollatoren unterwegs sind oder die neue Generation „Wischtelefon“, die auch am öffentlichen Verkehr teilnimmt, passt so ein 8,8 PS-Gefährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h total in diesen Verkehrsraum.

    Wie verhält es sich bei einem Unfall? Versicherung? Wie wird man den Schädiger im Falle eines Unfalles in Regress nehmen können. Wenn diese an seinem Joystick mal schnell die Geschwindigkeit erhöht und nicht mehr greifbar ist?

    Ganz im Vertrauen, auch in Fußgängerzonen fühle ich mich nicht sehr wohl, wenn ich auch nur von normalen Skateboardern umfahren und zum Glück noch nicht umgefahren wurde.

    In diesem Sinne: Viel Glück mit Ihrem Anliegen.