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Ist Dr. Bernd Althusmann der Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl 2018? Er selber winkt ab: Diese Frage stellt sich derzeit nicht. Aber viele Größen in der Partei sollen sich bereits für den Lüneburger ausgesprochen haben. Foto: A/t&w
Ist Dr. Bernd Althusmann der Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl 2018? Er selber winkt ab: Diese Frage stellt sich derzeit nicht. Aber viele Größen in der Partei sollen sich bereits für den Lüneburger ausgesprochen haben. Foto: A/t&w

Althusmann genießt und schweigt

Von Peter Mlodoch

Hannover. Treffen mit Bernd Althusmann in einem Bistro in Hannover: Der frühere Kultusminister bestellt sich einen Espresso und plaudert dann munter drauf los: Von seinen drei Jahren als Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Namibia nach der CDU-Pleite bei der Landtagswahl 2013, vom Umzug mit drei Kindern und zwei Hunden aus Windhuk zurück nach Heiligenthal in den Landkreis Lüneburg, von seinem neuen Job als Berater in einer renommierten Hamburger Personalvermittlungsagentur, deren Außenstelle in Hannover er aufbauen soll.

Antritt zur Landtagswahl?

Die alles entscheidende Auskunft verweigert Althusmann allerdings beharrlich. Tritt der Diplompädagoge und Diplombetriebswirt bei der nächsten Landtagswahl, voraussichtlich Anfang 2018, als CDU-Spitzenkandidat an? „Diese Frage stellt sich im Moment nicht“, erwidert der 49-Jährige lächelnd. Im Moment? „Diese Frage stellt sich derzeit nicht.“ Die gleiche Antwort gibt er auf Fragen nach dem Parteivorsitz, nach der Bewerbung um ein Landtagsmandat, nach einem geeigneten Wahlkreis.

Dabei scheint längst alles auf den Rückkehrer aus Afrika als Herausforderer von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hinauszulaufen. Offiziell will die Niedersachsen-Union ihren Spitzenkandidaten nach der Kommunalwahl am 11. September benennen. Am 16. September trifft sich die erweiterte Führungsriege der Landes-CDU in Hannover, um den oder die Namen zu proklamieren sowie das weitere Procedere bis zum Nominierungsparteitag am 26. November in Hameln abzustimmen.

„Ich empfehle meiner Partei, sich jetzt erst einmal voll und ganz auf die Kommunalwahlen zu konzentrieren.“
Dr. Bernd Althusmann

Ob Althusmann tatsächlich ins Rennen geht, ist allerdings noch offen. „Ich empfehle meiner Partei, sich jetzt erst einmal voll und ganz auf die Kommunalwahlen zu konzentrieren“, sagt er. Offen ist auch, ob sich mit Landtagspräsident Bernd Busemann ein zweiter Interessent um die Spitzenkandidatur bewerben und ein wie auch immer gestaltetes Auswahlverfahren notwendig machen würde.

McAllister will nicht kandidieren

Wie verlautet, haben sich allerdings in internen Zirkeln der scheidende Landesvorsitzende David McAllister sowie die mächtigen Chefs der CDU-Landes- und Bezirksverbände auf Althusmann festgelegt. Auch die einflussreiche Bundestagsgruppe der Niedersachsen-CDU um Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann und Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer steht offenbar hinter der Personalie. Ex-Ministerpräsident McAllister hatte schon kurz nach seinem Wechsel ins Europaparlament 2014 bekundet, nicht kandidieren zu wollen.

Selbst die leidige Frage nach einem Direktwahlkreis scheint einer Lösung entgegenzustreben. Althusmann, wenn er denn antritt, könnte den Wahlkreis 51 Seevetal des 2014 verstorbenen CDU-Abgeordneten Norbert Böhlke übernehmen. Oder er tritt im Nachbarkreis 52 Buchholz an. Der dortige Mandatsträger Heiner Schönecke, bei dessen 70. Geburtstag vor einigen Monaten Althusmann Ehrengast war, würde dann in seinen eigentlichen Heimatkreis Seevetal wechseln. Beide Wahlkreise gelten jedenfalls als CDU-Hochburgen.

Weitere potentielle Kandidaten

Andere potenzielle Interessenten, deren Namen im Kandidatenkarussell immer wieder genannt werden, sind ebenfalls eingebunden nicht zuletzt durch die Aussicht auf gute Posten nach einem CDU-Wahlsieg. So gilt als wahrscheinlich, dass Fraktionschef Björn Thümler als Minister in ein Kabinett Althusmann einziehen würde, etwa für das Finanzressort. Generalsekretär Ulf Thiele könnte nach einem erfolgreichen Wahlkampf 2018 zum neuen Parteichef aufrücken.

Vor der Landtagswahl wird es allerdings keine Doppelspitze geben. Der Spitzenkandidat dürfte im November von McAllister zunächst auch den Parteivorsitz übernehmen. „Der Spitzenkandidat hat das erste Zugriffsrecht“, sagt ein hoher Funktionär. Alles andere sei mit Blick auf Schlagkraft und Effizienz widersinnig. Damit hätten auch Spekulationen ein Ende, wonach Ferlemann den Chefsessel der Niedersachsen-Union besetzen könnte.

Althusmann hat nicht nur Freunde

Widerstand gegen Althusmann, der sich vor seiner Zeit im Kultusministerium als hart durchgreifender Parlamentsgeschäftsführer in der CDU-Fraktion nicht nur Freunde gemacht hat, scheint sich vor allem noch im Westen des Landes zu formieren. „Dort setzen sie lieber auf den Emsländer Busemann“, sagt ein Christdemokrat. Seinen Job als Parlamentspräsident mache der 64-Jährige schließlich bestens; im Land sei Busemann viel präsenter und bekannter als der drei Jahre aus der Landespolitik abgetauchte Althusmann.

Seinen Abstecher nach Namibia sieht Althusmann selbst nicht als Nachteil, sondern als großen Gewinn. „Umwege erhöhen die Orientierung“, sagt er. Der extreme Gegensatz von Arm und Reich im südlichen Afrika habe ihn gelassener gemacht und seinen Blick für das Wesentliche geschärft.

2 Kommentare

  1. Balthus Doktormann

    Vielleicht eilt ja noch rechtzeitig jemand aus Potsdam herbei und hilft der geistigen Spitzenkraft über den Zaun.

  2. Einfach mal „Dissertation“ und „Althusmann“ bei Google eingeben. Der erste Treffer ist sehr interessant, besonders die Schlussbetrachtung.