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Blick über Notdeich und Elbe nach Darchau: Nur mit großer Mühe konnten Hunderte Einsatzkräfte beim Hochwasser 2013 verhindern, dass die Ortslage Neu Darchau überspült wurde. Rund eine Million Euro haben die Maßnahmen zur Abwehr der Katastrophe gekostet. Foto: rg
Blick über Notdeich und Elbe nach Darchau: Nur mit großer Mühe konnten Hunderte Einsatzkräfte beim Hochwasser 2013 verhindern, dass die Ortslage Neu Darchau überspült wurde. Rund eine Million Euro haben die Maßnahmen zur Abwehr der Katastrophe gekostet. Foto: rg

Neu Darchau: Deich lässt auf sich warten

ml Neu Darchau. Erst das Elbehochwasser 2013 hat die Erkenntnis in die Amtsstuben im fernen Hannover gespült, dass auch die Gemeinde Neu Darchau einen Deich benötigt. Zuvor hatten Hunderte Einsatzkräfte mit Sandsäcken einen Notdamm errichtet, ihn mit Geschick, aber vor allem auch viel Glück, gegen die anstürzenden Elbefluten verteidigt. Rund eine Million Euro hat der Einsatz damals gekostet. Geld, das künftig nicht mehr zur Katastrophenabwehr in letzter Sekunde eingesetzt werden, sondern in einen Deich investiert werden soll.

Wo es keine Deiche gibt, gibt es auch keine Deichverbände, die sich um den Hochwasserschutz kümmern.

Doch darauf warten die Einwohner noch immer. Genauso träge wie die Elbe in den letzten Monaten bisweilen Richtung Nordsee floss, gehen die Arbeiten an einem Hochwasserschutzkonzept für Neu Darchau voran. Bereits im Juli 2015 stellte Heinrich König vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bei einer Info-Veranstaltung im Göpelhaus erste Planungen für einen Schutzwall vor. Rund drei Kilometer lang soll der Deich werden, zwischen sechs und acht Millionen Euro kosten. Ermittelt wurden die Zahlen auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie, die die Samtgemeinde Elbtalaue beim Landesbetrieb in Auftrag gegeben hatte „ohne überhaupt zuständig zu sein“, wie Neu Darchaus Bürgermeister Klaus-Peter Dehde früh anmerkte, und Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer später bestätigte. Das Problem: Dort, wo es keine Deiche gibt, gibt es auch keine Deichverbände, die sich um den Hochwasserschutz kümmern. Zuständig sind dann die Kommunen. So wie in Neu Darchau und auch in Bereichen der Stadt Hitzacker.

Schon vor mehr als einem Jahr merkte NLWKN-Mitarbeiter König an, dass zunächst geklärt werden müsse, „wer Träger des Projektes wird“. Das allerdings steht bis heute nicht fest. Und wenn am Donnerstag, 11. August, ab 19.30 Uhr der Rat Neu Darchau im Göpelhaus tagt, steht das Thema Hochwasserschutz zwar auf der Tagesordnung, „aber einen Beschluss über die Trägerschaft wird es voraussichtlich nicht geben“, sagt Dehde. Hintergrund ist, dass sich Gemeinde und Samtgemeinde bislang nicht auf die Rahmenbedingungen einigen konnten.

Ziel ist, dass die Samtgemeinde die Aufgabe Hochwasserschutz übernimmt. Vor allem, weil Rathauschef Meyer hofft, dass die Samtgemeinde mehr als die bislang avisierten 70 Prozent Fördermittel für den Deichbau vom Land erhält.

Dehde: „Bürger Neu Darchaus sollen bei der Finanzierung des Deichbaus nicht zur Kasse gebeten werden.“

Ohnehin kann die Gemeinde Neu Darchau das Projekt bei einem Eigenanteil von bis zu zwei Millionen Euro allein nicht stemmen. Doch Dehde will vorbauen, verlangt eine schriftliche Garantie, dass die Bürger Neu Darchaus bei der Finanzierung des Deichbaus nicht zur Kasse gebeten werden. Bei einem Gespräche mit dem Landkreis haben sich alle Beteiligten im Juni laut Dehde und Meyer auf die wesentlichen Eckdaten geeinigt. Doch schriftlich fixiert sind diese noch nicht. Als Grund nennt Meyer die Urlaubs­phase in der Kreisverwaltung. „Ich möchte, dass die Gemeinde Neu Darchau den schriftlichen Vermerk noch im August erhält und wünsche mir, dass der Rat unabhängig vom Ausgang der Kommunalwahl möglichst zügig eine Entscheidung trifft“, sagt Meyer.

Denn die ist dringend nötig, um den Stillstand an der Neu Darchauer Hochwasserfront zu beenden. „Erst wenn der Träger feststeht, kann dieser Anträge auf Fördermittel stellen. Und erst wenn diese bewilligt sind, kann der NLWKN in die Detailplanung und letztlich ins Planfeststellungsverfahren einsteigen“, skizziert der Samtgemeindebürgermeister den weiteren Ablauf. Der Fahrplan: Bis Juli 2017 müssen die Förderanträge gestellt sein, 2018 könnte geplant, 2019 gebaut werden „wenn sich die Einwendungen in Grenzen halten und kein Anwohner klagt“.

Weniger optimistisch ist man beim NLWKN. Auf Anfrage sagt Sprecherin Helma Heyken: „Mit dem Bau des Deiches rechnen wir frühestens 2020, und auch nur dann, wenn absolut alles glatt läuft.“