Donnerstag , 8. Dezember 2016
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"Zeit für neue Leidenschaft", so wirbt die Internetseite, auf der ein verprellter Lüneburger ein Kontakt-Profil seiner Ex-Freundin mit Fotos von ihr angelegt hatte gegen deren Willen. Foto: t&w
"Zeit für neue Leidenschaft", so wirbt die Internetseite, auf der ein verprellter Lüneburger ein Kontakt-Profil seiner Ex-Freundin mit Fotos von ihr angelegt hatte gegen deren Willen. Foto: t&w

Digitaler Identitätsklau: Avancen wider Willen

ca Lüneburg. Der Lüneburger pflegt eine besondere Vorliebe: Er gibt sich im Internet als Frau aus und flirtet dort mit Männern. Das könnte man unter eigenwillige Kapriolen des Lebens verbuchen. Für Tatjana Peters* ist das Ganze allerdings äußerst unangenehm: Der Mann ist ihr Ex-Freund und stellt Offerten und Avancen unter ihrem Namen und ihren Fotos beim Portal knuddels.de ein. Die 21-Jährige ist geschockt und in Sorge: Sie arbeitet in der Sicherheitsbranche und dort eben auch mit vielen männlichen Kollegen zusammen. Sie schließt nicht aus, dass die ihre Bilder dort zufällig entdecken könnten und etwas Falsches vermuten.

Bereits vor zwei Jahren stellte er Bilder seiner ehemaligen Partnerin in Dessous ins Netz.

Die Frau hat sich Hilfe geholt. Anwalt Jens-Uwe Thümer vertritt sie. Den Juristen verblüfft die Dreistigkeit des Ex-Freundes. Denn es ist bereits das zweite Mal, dass der abgelegte Liebhaber in die Rolle der Lüneburgerin schlüpft. Vor zwei Jahren hatte er Bilder seiner ehemaligen Partnerin in Dessous ins Netz gestellt, damals bei einem Anbieter mit dem eindeutigen Namen poppen.de. Im Mai 2013 hatte das Amtsgericht in einem zivilgerichtlichen Verfahren den Mann aus dem Osten Lüneburgs verurteilt, der Frau ein Schmerzensgeld von 1000 Euro zu zahlen. Weiter heißt es dort: „Der Beklagte hat es zu unterlassen, Fotos der Klägerin ohne deren Einwilligung im Internet hochzuladen. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird dem Beklagten ein Ordnungsgeld angedroht.“

Eben das versucht Thümer jetzt in einem neuen Verfahren: Mindestens 2000 Euro fordert der Anwalt für seine Mandantin in seiner Klageschrift. Und selbstverständlich, dass die Bilder verschwinden sollen. Denn nach seinen Recherchen ist der Freund wahrscheinlich ein gutes halbes Jahr nach dem ersten Urteil wieder aktiv geworden, nämlich im Januar 2015. Eher zufällig wurde Tatjana Peters auf diese Verunglimpfung aufmerksam. Thümer: „Die Klägerin empfindet dies schlichtweg als gruselig.“

An die Bilder der 21-Jährigen, auf denen sie eben unter anderem in Reizwäsche zu sehen ist, soll der Ex-Freund gekommen sein, als er den defekten Computer der jungen Frau reparierte, dabei habe er sie für sich heruntergeladen.

Die Angst bleibt.

Thümer sagt, das Opfer dieser digitalen Attacken habe sich auch an die Polizei gewandt: „Wir haben Anzeige erstattet.“ Seine Mandantin hoffe, dass die Bilder samt der Chat-Einträge möglichst schnell aus dem Netz gelöscht werden. Doch die Angst bleibt. Denn sie weiß nicht, ob die Bilder geteilt wurden und was der 25-Jährige vielleicht noch an Daten und Bildern aus ihrem Rechner gestohlen hat.

*Name geändert

One comment

  1. Zeit für neue Leidenschaften.
    wenn die ehe ruiniert ist, geht man in die politik , da fällt auch schon mal was für unten herum ab. leidenschaften kommt von leid. schmunzel.