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Einen Blick auf die ganze Welt richtet Ulrich Franz Nettig von der Eine-Welt-Partei. Mit ihr tritt er bei der Kommunalwahl im September an.
Einen Blick auf die ganze Welt richtet Ulrich Franz Nettig von der Eine-Welt-Partei. Mit ihr tritt er bei der Kommunalwahl im September an.

Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen

us Lüneburg. Die erste Hürde hat er geschafft, Ulrich Franz Nettig ist zufrieden. Noch vor wenigen Tagen hätte er wohl nicht darauf gewettet, die 120 Unterschriften tatsächlich zusammenzubekommen. Die aber brauchte er, um seine „Eine-Welt-Partei“ für die Kommunalwahl anmelden zu können. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht ihm und seinen drei Mitstreitern noch bevor. Denn dass die kleinste Partei Deutschlands auch den Sprung in den Lüneburger Kreistag schaffen wird, hält selbst Nettig für „eher unwahrscheinlich“. Bei diesem für sie nahezu aussichtslosen Wahlkampf treten sie dennoch an.

„Das, was man macht, muss sich nicht in Wahlergebnissen niederschlagen“, sagt Ulrich Franz Nettig. Was bei anderen Politikern wie eine hohle Phrase geklungen hätte, nimmt man dem 67-Jährigen erstaunlicherweise ab. Ob es an dem Mitleidseffekt liegt, weil seiner Partei so gut wie null Chancen bei der Kommunalwahl eingeräumt werden, oder an der Art, wie er es sagt, ist schwer auszumachen. Vermutlich ist es aber beides, denn Nettig ist nicht nur Politiker, er ist auch Psychotherapeut. Das Eingehen auf andere, die Fähigkeit, sie im Gespräch zu gewinnen und Vertrauen aufzubauen, gehört zu seinem Beruf.

„Ich möchte mehr Verantwortung für die Welt“

Doch das ist es nicht, was Nettig aktuell antreibt. Er möchte über eine „andere Ausstrahlung Menschen erreichen, die ein anderes Bewusstsein haben und mehr Verantwortung für die Welt übernehmen wollen“, wie der in Baden-Württemberg aufgewachsene und heute in Neu-Boltersen bei Neetze lebende Politik-Neuling sagt. Dabei hat er bereits vor rund 13 Jahren erste Politik-Versuche gestartet: Gemeinsam mit der Heilpraktikerin Olaug Rönnigsdalen entwarf er im Lüneburger „Schallander“ den Gedanken einer Eine-Welt-Partei (EWP), „doch es blieb beim Namen, zur Gründung kam es nicht“.

Die sollte acht Jahre später nachgeholt werden, und weil Nettig über die Rechte der gleichnamigen Internetseite verfügte, meldete sich der Schatzmeister der frisch gegründeten Partei bei ihm. Seitdem schaffte es die EWP in Deutschland zwar nur auf ganze 24 Mitglieder, dafür aber ist die aus der Esperanto-Bewegung hervorgegangene Partei heute in 16 Ländern präsent.

„Wir fangen hier bei Null an“

„Wir fangen hier bei Null an“, sagt Nettig, zu dem sich drei Mit-Kandidaten gesellt haben, die aber selbst nicht Mitglied der Partei sind. Die Ziele der kleinen, aber mit viel Idealismus beseelten Partei sind hoch: die Armut in der Welt bekämpfen und für den Schuldenerlass der armen Länder eintreten. Doch es geht auch konkreter: Die Entwicklung der Landwirtschaft, der Kampf gegen die Vergiftung der Böden, aber auch würdevolles Altern und die Unterstützung junger Familien stehen auf dem Programm.

Dass die EWPler es bis in den Kreistag schaffen, will Nettig nicht ausschließen. Dass ihre Poltik gebraucht wird, davon ist er fest überzeugt: „Wenn es keine Selbstverwirklichung in der Partei und unter den Parteimitgliedern gibt, dann wird es auch keine andere Politik und anderen Politiker geben.“

4 Kommentare

  1. „Schuldenerlass der armen Länder“ – das ist bestimmt gut gemeint, führt aber leider zum falschen Ergebnis.

    Esperanto hingegen ist eine tolle Sache, die wirklich unsere Welt ein wenig besser machen kann,
    ohne Wenn und Aber.

    • Schuldenerlass greift sicherlich zu kurz. Es braucht eine andere globale Finanzpolitik. Der aktuelle Stand ist, dass WTO, IWF und Weltbank die bestimmenden Kräfte der geopolititischen Finanzstrategie sind. Da muss sich etwas ändern. Das ist natürlich erst dann beeinflussbar, wenn wirklich juristische, volkswirtschaftliche, internationale Humanisten sich an die Arbeit machen und Pläne ausarbeiten, für mehr Gerechtigkeit in der Welt. Insofern ist „Schuldenschnitt“ ein Schlagwort, das nicht ausreicht um eine Änderung wirklich adäquat abzubilden, bzw. zu prognostizieren.

  2. Ulrich Matthias

    Ganz so aussichtslos ist der Wahlkampf wohl nicht, denn es gibt bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen keine 5 %-Hürde. Schon knapp 1.000 Wähler, die ihre drei Stimmen der Eine-Welt-Partei (EINE WELT) geben, würden für einen Sitz im Kreistag genügen.

  3. „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“

    Kurt Tucholsky