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Gemeinsam mit ihren beiden Enkelkindern aus der Schweiz, Leni (11) und Julius (7) genießen Klaus und Barbara Rosensbusch die Idylle am Pastorenteich in der Weseler Heide. Hier soll Heide-Pastor Wilhelm Bode viele seiner Predigten geschrieben haben. Foto: ul
Gemeinsam mit ihren beiden Enkelkindern aus der Schweiz, Leni (11) und Julius (7) genießen Klaus und Barbara Rosensbusch die Idylle am Pastorenteich in der Weseler Heide. Hier soll Heide-Pastor Wilhelm Bode viele seiner Predigten geschrieben haben. Foto: ul

Weseler Heide: Heideblüte in Ruhe genießen

Sommerzeit ist Reisezeit. Doch nicht jeder kann oder will sich einen Urlaub in der Ferne leisten. Für diejenigen, die in den Ferien zu Hause bleiben, hat sich die LZ umgesehen von der Elbe bis zur Heide. In der gleichnamigen Serie werden bekannte und weniger bekannte Ausflugsziele rund um Lüneburg vorgestellt. Im 12. Teil geht es in die Weseler Heide.
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ul Wesel. Heideblüte und Touristen gehören zusammen wie Sommer und Eis. Wenn im August Calluna Vulgaris ihr lila Blütenkleid überzieht, strömen die Gäste zu Tausenden in das Naturschutzgebiet ob zu Fuß, per Rad, auf dem Pferd oder in der Kutsche: Besonders zwischen Undeloh und dem Wilseder Berg kommen sich die Naturfreunde oft in die Quere. Aber es geht auch ruhiger.

Wer das betriebsame kleine Heidezen­trum hinter sich lässt und auf der Kreisstraße 27 weiter Richtung Handeloh fährt, erreicht nach wenigen Kilometern das idyllische Örtchen Wesel. Hier beginnt von einem kleinen Parkplatz aus, hinter einem Feld mit mannshohen Maispflanzen, ein kurzer Rundweg, der trotz seiner geringen Länge ein Vergnügen für die Sinne, darüber hinaus noch jede Menge Wissenswertes zur Entstehung, Erhaltung sowie zu den besonderen Charakteristika der Heide bietet.

Gleich am Ausgangspunkt der Tour stößt der Besucher auf der linken Seite auf einen historischen Schafstall, erbaut in einer außergewöhnlichen Nur-Dach-Form. 50 bis 70 Muttertiere umfassten die Herden damals. Sie dienten als Fleischlieferanten und ihre Ausscheidungen in Verbindung mit abgeplaggtem oder gemähtem Heidekraut der Düngerproduktion. Im Jahr 2000 wurde das Gebäude aufwändig renoviert. Es steht aufgrund seiner Einzigartigkeit unter Denkmalschutz.

Der Weg führt weiter über schmale, sandige Pfade und trifft schon bald auf einen malerisch gelegenen Fischteich. Ganz ruhig ist es hier, ganz still liegt der See, spiegelt Himmel und Bäume. Hier soll Heide-Pastor Wilhelm Bode, Begründer des Naturschutzparks, häufig gesessen haben, um in Gottes freier Natur seine Predigten vorzubereiten, so die Legende. Daher trägt das Gewässer auch den Namen Pastorenteich.

Zwischen Undeloh und Handeloh liegt der idylische Heideort Wesel mit angrender Heidefläche, dem Pastorenteich und einem dazugehörigen rund fünf Kilometer langen Rundweg. Grafik: greve
Zwischen Undeloh und Handeloh liegt der idylische Heideort Wesel mit angrender Heidefläche, dem Pastorenteich und einem dazugehörigen rund fünf Kilometer langen Rundweg. Grafik: greve

Heute sitzt kein Geistlicher auf der hölzernen Bank am Ufer stattdessen ein älteres Ehepaar. Sie beobachten ihre beiden Enkelkinder, die kleine Steine ins Nass werfen und dabei die sich ausbreitenden Kringel auf der Oberfläche mustern. „Herrlich ist das hier“, sagt Barbara Rosenbusch lachend, „so erholsam und idyllisch.“ Sie kämen öfter in die Heide, erzählt die Bremerin, führen meisten jedoch nach Undeloh. Das soll sich nun ändern. „Den Tipp für die Weseler Heide haben wir von einer Bekannten aus Lüneburg bekommen“, verrät ihr Mann Klaus, „und der ist Gold wert.“

Hinter dem kleinen See schlängelt sich der schmale Trampelpfad weiter durch die einsame Weite, bietet ständig neue Perspektiven. Er führt vorbei an vereinzelten Wacholderbüschen, vorbei an Bienenzäunen, durch Senken und auf Anhöhen. Einen wunderbaren Blick auf die üppig blühende Heidelandschaft kann man von hier aus genießen und das ganz in Ruhe.

Wer etwas Glück hat, kann auf seiner Wanderung sogar eine Heidschnuckenherde beobachten. Bei ihren täglichen Märschen durch die Landschaft fressen die für die Gegend so charakteristischen Tiere Schößlinge und Pflanzen rings um die Heide und geben der Calluna Vulgaris so genügend Luft zur Entwicklung und die soll in diesem Jahr besonders üppig ausfallen, prognostizieren die Fachleute: Der Wechsel aus Regen und Sonne in den vergangenen Monaten sei für die Pflanzen ideal gewesen, ein wahres lila Blütenmeer zu erwarten.

Naturwunder

Knapp fünf Kilometer lang ist die Rundtour „Kleinod Naturwunder Weseler Heide“. Ausgangspunkt ist der kleine Parkplatz am Ende der Straße „Am Höllehoff“ in dem Örtchen Wesel, das sich auf halber Strecke zwischen Undeloh und Handeloh befindet.

Gekennzeichnet ist der Weg durch Aufschriften auf Findlingen, teilweise verläuft er auch auf dem mehrfach ausgezeichneten Heidschnuckenweg (markiert durch ein auffälliges „H“ an exponierten Stellen), an den daher auch Anschlussmöglichkeiten bestehen.

Wer Interesse hat, kann seine Wanderung auch in der Weseler Ortsmitte starten: Hier steht das „Hexenhaus“, ein aus dem Jahr 1731 stammendes historisches Backhaus, das heute als schützenwertes Einzeldenkmal geführt wird. Das „Hexenhaus“ gilt als eindrucksvoller Zeuge örtlicher Wirtschafts- und Wohnverhältnisse der vergangenen Jahrhunderte.