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Von der Wilhelm-Raabe-Schule an die Herderschule: Thorsten Schnell (48) ist neuer Direktor des Gymnasiums.
Von der Wilhelm-Raabe-Schule an die Herderschule: Thorsten Schnell (48) ist neuer Direktor des Gymnasiums mit 100 Kollegen und etwa 1150 Schülern. Trotz schwieriger Startbedingungen freut er sich auf seine Aufgabe am Ochtmisser Kirchsteig. Foto: t&w

Herderschule hat wieder einen Direktor

ahe Lüneburg. Es gibt leichtere Startbedingungen für einen neuen Job als jene, mit denen sich Thorsten Schnell bei seinem Dienstantritt als Direktor der Herderschule auseinandersetzen muss. Über Monate war er unfreiwillig in die Schlagzeilen geraten, weil ein Mitbewerber denselben Job haben wollte und dafür den Rechtsweg bestritt, auf dem der Konkurrent letztlich scheiterte. Politik, Eltern und Schüler hatten sich für eben jenen Kontrahenten, Hans-Christian Höhne, starkgemacht, der zuletzt komissarischer Schulleiter war und nun sein Stellvertreter ist, sein Büro auf der anderen Seite des Sekretariats hat. „Erfreut hat mich die ganze Situation natürlich nicht“, sagt Schnell, der schon in der vergangenen Woche die Ruhe vor dem Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien genutzt hat, um sich in seiner neuen Schule umzusehen und zurechtzufinden.

Der Frage, ob er angesichts der langen öffentlichen Debatte um die Personalentscheidung mit einem mulmigen Gefühl an den Ochtmisser Kirchsteig gewechselt ist, weicht er etwas aus. „Ich habe mir klargemacht, dass sich der Einsatz der Eltern und Schüler für Herrn Höhne nicht gegen mich gerichtet hat.“ Jetzt will er das langwierige Verfahren möglichst schnell hinter sich lassen und nach vorne blicken. Die ersten Tage mit den neuen Kollegen stimmen ihn zuversichtlich. „Ich bin hier sehr offen und freundlich empfangen worden, niemand gibt mir das Gefühl, unwillkommen zu sein“, versichert er glaubhaft. Auch einer professionellen und konstruktiven Zusammenarbeit mit Höhne stehe aus seiner Sicht nichts im Wege ganz im Sinne des Schulmottos: „Fair miteinander umgehen, sich wohlfühlen und etwas leisten“.

Schnell bringt Erfahrungen in der Schulleitung mit, war seit 2012 Konrektor an der Lüneburger Wilhelm-Raabe-Schule. Am Gymnasium an der Feldstraße hatte er seit 2001 unterrichtet, teilweise parallel zu seiner Unterrichtsverpflichtung an der damaligen Orientierungsstufe Stadtmitte. Als Feuerwehrlehrer war er nach seinem Studium in Kiel und seinem Referendariat in Flensburg zunächst in Brake tätig. Englisch und Russisch sind seine beiden Fächer, „wobei ich Russisch eigentlich seit meinem Referendariat nicht mehr unterrichtet habe“. Ursprünglich hatte er nach seinem Wehrdienst ein Maschinenbaustudium begonnen, doch dann schwenkte er um auf die Schule.

Abläufe in der Schule noch besser kennenlernen

Der Lehrer-Job hat den gebürtigen Lübecker, seit vier Jahren passionierter Tennisspieler, schließlich nach Lüneburg verschlagen, wo er längst heimisch geworden ist und eine Familie gegründet hat. „Lübeck — Lüneburg, das passt doch“, sagt Schnell, seit zwei Wochen 48 Jahre alt. Seine Tochter (11) und sein Sohn (14) lernen am Gymnasium Oedeme, seine Frau ist an der Universität tätig, in Reppenstedt ist das Quartett zu Hause.

Seine neue Aufgabe empfindet er als spannende Herausforderung, die Herderschule sei attraktiv, deshalb wollte er deren Zukunft entscheidend mitgestalten. Aber nicht, indem er ein fertiges Konzept mitbringt und sagt: „Das machen wir jetzt so“. Das würde nicht funktioniert, ist er sich sicher.

„Natürlich habe ich meine Vorstellungen, aber ich möchte mir zunächst einen genauen Überblick verschaffen, die Abläufe in der Schule noch besser kennenlernen und sie dann gemeinsam mit dem Kollegium weiterentwickeln.“ Er setze auf den Dialog. „Viele Dinge, die hier passieren, finde ich gut“, sagt der Pädagoge und nennt als Beispiele das umfangreiche Wahlpflichtangebot, das andere Schulen in der Form nicht zu bieten hätten, und die Tablet-Klasse, die seit einem Jahr verstärkt und fächerübergreifend mit den kleinen Computern arbeitet. Auch dass das Gymnasium Ganztagsschule sei, gefällt ihm, an der Raabe-Schule sei er dafür federführend verantworlich gewesen.

Nicht überraschend ist für ihn, dass in der Herderschule insgesamt Räume fehlen, der 9. Jahrgang ist seit Jahren in der Außenstelle am Ostpreußenring untergebracht. Dass die Unterrichtsversorgung zum Start des neuen Schuljahres „gerade so in Ordnung“ ist, dass es einen Mangel an Kunstlehrern gibt und dass eigentlich seit 15 Jahren immer gebaut wird — aktuell im Sanitärbereich der Gymnastikhalle, soweit reicht der Überblick schon.

One comment

  1. Dann viel Glück!!!