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Die Deutsche Rentenversicherung ist ausgezogen, im September sollen dafür Studenten in das Gebäude an der Lessingstraße einziehen. Das Studentenwerk OstNiedersachsen hat es langfristig angemietet. Foto: t&w
Die Deutsche Rentenversicherung ist ausgezogen, im September sollen dafür Studenten in das Gebäude an der Lessingstraße einziehen. Das Studentenwerk OstNiedersachsen hat es langfristig angemietet. Foto: t&w

Mehr Studenten in Lüneburg verursachen lange Wartelisten für Wohnheimplätze

ap Lüneburg. Die Vorfreude ist groß, wenn die Studienzulassung im Briefkasten liegt, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Doch preisgünstiger Wohnraum ist in Lüneburg Mangelware, vor allem, wenn die Studenten zum Semesterstart auf den Markt der Suchenden drängen. Das Studentenwerk OstNiedersachsen, das in Lüneburg fünf Wohnheime mit insgesamt 495 Plätzen betreibt, kommt schon längst nicht mehr gegen den Andrang an. Aktuell stehen 350 Bewerber auf der Warteliste für ein freies Zimmer. Ein wenig Entlastung ist in Sicht: Im September soll ein weiteres Wohnheim bezugsfertig sein.

25 Plätze, aufgeteilt in 7er- und 9er-Wohngemeinschaften, hat das neue Studentenwohnheim zu bieten, das an der Lessingstraße entsteht. Die Zimmer sind unmöbliert, neben Gemeinschaftsküchen und -duschen gibt es einen Trockenraum und einen Fahrradunterstand. „Ein Investor bot uns an, das Gebäude, in dem zuletzt die Deutsche Rentenversicherung beheimatet war, umzubauen, und fragte, ob wir an einer langfristigen Anmietung interessiert seien“, klärt Petra Syring, Pressesprecherin des Studentenwerks, auf. Am 9. September um 11.30 Uhr soll das neue Wohnheim feierlich eröffnet werden, dann könnten die ersten Mieter einziehen.

Neben der Bestandserweiterung kann das Studentenwerk zum Semesterstart auch auf 95 weitere Zimmer zurückgreifen. „Wir haben zwei Erstsemesterhäuser, in denen die Studienanfänger nur ein Jahr lang wohnen“, klärt die Sprecherin auf. Allein im Wohnheim an der Wichernstraße, das 2014 eröffnet wurde, werden 55 Zimmer frei. „40 weitere Plätze können wir an der William-Watt-Straße vergeben.“ Immerhin: Die Wohnsituation für Studenten in Lüneburg sei nicht so angespannt wie beispielsweise in Braunschweig.

Problematisch hinsichtlich der Wohnsituation seien aber die steigenden Studentenzahlen in Lüneburg in den vergangenen Jahren. Darin begründe sich auch die Zahl der Studenten, die auf ein freies Zimmer in den Wohnheimen hoffen. „Das darf die nächsten Jahre nicht immer so weiter gehen“, findet Petra Syring. Seit 2010 hätten sich die Zahlen stetig erhöht. Von 6982 Studenten im Wintersemester 2010/2011 sei die Zahl innerhalb eines Jahres auf 7323 angestiegen. „Im Wintersemester 2013/2014 waren es dann schon 8549, zuletzt sogar 9239 Studenten.“

Sie relativiert aber auch die Zahl der 350 Studenten auf der Warteliste, denn auf ein Zimmer könne man sich auch schon ohne Hochschulzulassung bewerben, die erst im September und Oktober versendet werden. Viele Studenten würden sich deshalb gleich an mehreren Standorten bewerben.

Die Entwicklung betrachtet der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) mit Sorge. Denn ein Ausweichen auf reguläre Wohnungen sei aufgrund der Durchschnitts-Miete von neun Euro pro Quadratmeter in Lüneburg keine leichte Sache, argumentiert Sprecherin Lisa Apking. Der Wohnungsbau werde an Profitinteressen der Investoren ausgerichtet, nicht am sozialen Bedarf der Bevölkerung, wertet sie. „Dabei bleiben vor allem Studenten und andere Menschen mit geringem Einkommen auf der Strecke.“

Studiengebühr durch die Hintertür

Der AStA moniert auch die hohen Studentenwerksbeiträge von 96 Euro pro Kopf. 2014 lag der Beitrag noch bei 59 Euro. Sprecherin Ronja Hesse kritisiert: „Diese enorm hohen Beiträge kommen einer Studiengebühr durch die Hintertür gleich. Das Land muss hier seine Pflicht wahrnehmen und der Förderung der Studentenwerke nachkommen, ansonsten sind die Studienbedingungen in Niedersachsen ungleich schlechter als in anderen Bundesländern.“

Die Beitragserhöhung begründet Petra Syring mit dem hohen Sanierungsaufwand der Wohnheime. „Das Land hat sämtliche Töpfe für Sanierungsmaßnahmen abgeschafft.“ Bei der Finanzierung der Wohnheime sei man davon ausgegangen, dass das Land die Sanierungskosten später anteilig übernehme. „Eine damals gängige Praxis“, sagt die Studentenwerks-Sprecherin. 2012 sei ein Sanierungsbedarf in Höhe von etwa 56 Millionen Euro ermittelt worden. Die Mieten seien dementsprechend niedrig kalkuliert worden. „Dann wurden alle Mittel gestrichen.“ Das Studentenwerk musste auf Darlehen zurückgreifen. „Dafür werden Zinsen fällig, die das Jahresergebnis zusätzlich belasten“, verdeutlicht Syring. Eine Anhebung des Semesterbeitrages sei daher „unumgänglich“ gewesen.

Kosten im Wohnheim

10 Quadratmeter, möbliert, Nebenkosten (Strom, Heizung, Wasser, Internet und Hausratsversicherung) inklusive: 176 Euro
25 Quadratmeter, unmöbliert, inkl. Nebenkosten: 304 Euro
40 Quadratmeter, möbliert, Nebenkosten inklusive: 415 Euro

2 Kommentare

  1. Hildegard Schuster

    Wer in Lüneburg noch an Studenten vermietet, ist selber schuld. Die Vermietungsoption der Wahl heißt Ferienwohnungen! http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/335789-neue-ferienwohnungen
    Vierfache Rendite für den Eigentümer und für die Stadt fällt auch noch Betten- und Gewerbesteuer ab. Eine win-win-Situation für alle. Sollen sich die Studenten doch ein Zimmer in Toasterglope oder Nieperfitz suchen. Da sind die Mieten günstig und Mutti braucht nichts zuzuschießen.

  2. Das die Mieten besonders günstig wären kann ich nicht erkennen. 10qm sind ein Loch in dem man nur atmen kann wenn permanent das Fenster geöffnet ist. Und dann nur Gemeinschaftsküche und -dusche, aber 176,00 Euro Miete. Macht immerhin 2.112 Euro p.a. . Na ja… Dafür wohnt meine Tochter in Hamburg in einer 2-er WG sogar in einem 18qm großen Zimmer in einem nicht schlechten Stadtteil. Vielleicht hat sie verdammtes Glück gehabt. aber der Gedanke lässt mich nicht los, dass es für das Studentenwerk hier in Lüneburg sicher kein schlechtes Geschäft ist. Das hat für mich einen faden Beigeschmack an der Organisation.