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Die Linke hebt den Wohnpark am Wasserturm aufs Wahlplakat und fordert Sozialwohnungen statt Luxusbauten. Foto: t&w
Die Linke hebt den Wohnpark am Wasserturm aufs Wahlplakat und fordert Sozialwohnungen statt Luxusbauten. Foto: t&w

Wahlkampf gegen den eigenen Chef

as Lüneburg. Preisgünstigen Wohnraum in Lüneburg zu schaffen, ist seit Monaten ein wichtiges Thema für Verwaltung und Politik. Auch im Wahlkampf findet das seinen Niederschlag. Für Geprächsstoff sorgt nun ein Wahlplakat der Partei die Linke, mit dem die Partei einen Mietspiegel sowie eine Mietpreisbremse für Stadt und Kreis fordert. „Sozialwohnungen statt Luxusbauten!“, heißt es da mit Blick auf den abgebildeten Wohnpark am Wasserturm. Und dass gerade dieses Objekt ausgewählt wurde, ist nicht ohne Pikanterie.

Das Wohnprojekt wird, nachdem nun auch das angrenzende Parkhaus renoviert und erweitert wurde, am Freitag, 5. August, ab 16 Uhr mit einer kleinen Feier im Parkhaus eingeweiht. Die Wohnungen wurden bekanntlich anstelle der maroden Nordlandhalle errichtet und zwar von der Wohnpark am Wasserturm GmbH. Die Bauherren: Felix-Benjamin und Eberhard Manzke. Bei der Unternehmensgruppe Manzke mit Hauptsitz in Volkstorf ist seit einiger Zeit im Bereich Verwaltung auch Michèl Pauly als Assistenz der Geschäftsführung in Brot und Lohn. Pauly sitzt seit dieser Wahlperiode als Fraktionschef der Linken im Rat, ist bei der Kommunalwahl 2016 erneut Spitzenkandidat im Wahlbereich 3 für seine Partei. Dass diese nun das Wohnprojekt seines Arbeitgebers als Luxusbau aufs Schild hebt, dürfte bei manchem Lüneburger mindestens für Verwunderung sorgen.

„Natürlich sind wir nicht begeistert, den Wohnpark am Wasserturm in diesem Kontext als Wahlkampfthema zu sehen. Das hat das Projekt auch nicht verdient“, sagt Felix-Benjamin Manzke. „Das Gelände an der ehemaligen Nordlandhalle und des Parkhauses war schon viele Jahre in unserem Teil-Eigentum und bekanntermaßen auch bereits mit der Nordlandhalle bebaut, so dass grundsätzlich einer Neubebauung nichts im Wege stand. Die Forderung nach sozialem Wohnungsbau ist grundsätzlich richtig, aber gehört dorthin, wo es machbar und wirtschaftlich ist. Das ist bei einem Gebäude mit neuen Eigentumswohnungen auf privatem Grund hier nicht der Fall. Wir waren in jeder Phase des Projekts in Abstimmung mit der Stadt. Der neue Baukörper fügt sich gut in die Umgebung ein. Das hören wir von vielen Seiten.“

Manzke habe neben diesem, das Stadtbild prägenden Wohnpark am Wasserturm auch schon Sozialwohnungen gebaut. „Was hier aber nicht gefragt ist, sondern inwiefern Herr Pauly persönlich für das Plakat verantwortlich ist. Das muss Herr Pauly selbst erklären. Sicher ist aber, dass ein anderes Motiv, etwa von einem neuen Baugebiet, sehr viel besser auf das Plakat gepasst hätte.“

Michèl Pauly selbst hüllt sich derweil in Schweigen. Um eine Stellungnahme gebeten, erklärte er gegenüber der LZ: „Ich bitte um Verständnis, dass ich mich dazu heute ausnahmsweise nicht äußern will.“