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Helga Langer glaubt an eine Energie, die alles miteinander verbindet. Sie spürt und hört sie draußen in der Natur, zum Beispiel beim Meditieren in ihrem Gifkendorfer Garten. Foto: t&w
Helga Langer glaubt an eine Energie, die alles miteinander verbindet. Sie spürt und hört sie draußen in der Natur, zum Beispiel beim Meditieren in ihrem Gifkendorfer Garten. Foto: t&w

Frau aus Gifkendorf will die Weisheit alter Frauen in die Welt tragen

emi Gifkendorf. Die letzten Patienten sind nach Hause gegangen, vor dem Fenster wird es allmählich dunkel, in dem alten Haus in Gifkendorf kehrt Ruhe ein. Helga Langer sitzt auf dem Sofa, hängt ihren Gedanken nach — und plötzlich ist die Traurigkeit da. So deutlich wie nie zuvor spürt die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin die Leere in ihrem Inneren. „Ich habe meine Familie, ich habe meinen Beruf, ich könnte glücklich sein. Und doch fehlt etwas“, denkt sich die vierfache Mutter. Sie beginnt, diesem Gefühl nachzuspüren. Und findet neue Kraft.

„Ich habe entdeckt, dass es eine Energie gibt, die jenseits alles Materiellen ist. Die in uns, um uns herum, immer und ewig ist.“ An jenem Abend vor 20 Jahren erwacht Langers Spiritualität. Die Frage nach dem Woher und Wohin führt sie vor drei Jahren zu den 13 indigenen Großmüttern. Inspiriert von diesen weisen, alten Frauen gründet Helga Langer im September 2015 mit Gleichgesinnten den Rat der Europäischen Großmütter. In ihm widmen sich 18 Frauen aus 15 verschiedenen Ländern dem Wissen um die Verbundenheit allen Lebens. Vom 15. bis 18. September lädt die Gifkendorferin zum zweiten Treffen des Rates nach Altenmedingen ein.

Die Sinnfrage schlummert schon lange in Helga Langer. An jenem schicksalhaften Abend vor 20 Jahren drängt sie mit Macht ins Bewusstsein zurück. Auf der Suche nach Antworten reist die Psychologin fortan durch die Welt und tauscht sich mit Menschen unterschiedlicher Kulturen aus. Die Naturverbundenheit und Lebensweise der indigenen Völker hinterlässt bei ihr bleibenden Eindruck.

„Die meisten Menschen haben verloren, die Kraft der Elemente in sich zu spüren. Wir sind ganz in unserem Kopf und versuchen, alles zu erklären und zu bewerten“, sagt sie. „In diesem Moment sind wir getrennt: von anderen Menschen und von unserer Intuition. Indigene Völker haben dagegen noch diese Verbindung zu allem, was ist, zur Natur, zu den eigenen Wurzeln.“

Vor drei Jahren sieht die Frau mit den langen, schneeweißen Locken einen Film über die 13 indigenen Großmütter. Sie beschließt, sich auf deren Spuren zu begeben, gelangt über eine Maya-Priesterin zu einem Großmütterkreis in Deutschland und ist schließlich bei der Gründungsveranstaltung der europäischen Entsprechung mit dabei. Sinn dieses Rates ist der Austausch von Kulturen und Ideen. Langer selbst hat fünf Enkelkinder, das Großmutterdasein steht in dem Kreis aber nicht im Vordergrund.

„Großmutter ist für mich einfach eine alte Frau mit Lebenserfahrung, die sich vielleicht schon langsam aufs Sterben vorbereitet, sich mit Leben und Tod beschäftigt“, sagt Helga Langer. „Bei diesen weisen, alten Frauen liegt ein ganz großes Potenzial. Ich wünsche mir, dass dieser große Schatz wieder mehr gewürdigt wird und einen Platz bekommt in unserer Gesellschaft. Denn die weibliche Kraft fehlt in dieser Welt.“

Treffen in Altenmedingen dient dem Austausch

Auch das Treffen in Altenmedingen dient dem Austausch. „Wir werden weiter daran arbeiten, uns einig zu werden, worum es uns geht und was wir in die Welt bringen wollen“, erklärt die Gifkendorferin. Die 71-Jährige wünscht sich, dass aus der Zusammenkunft konkrete Projekte entstehen, zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe oder im Naturschutz: „Ich möchte Menschen ermutigen, in Kontakt zu gehen, damit überall Kreise entstehen. Künftig möchte ich noch viel mehr mit Menschen aus anderen Ländern ins Gespräch kommen.“ Denn sie ist überzeugt: „Wenn wir uns kennenlernen, lösen sich Konflikte.“

Ihren inneren Konflikt hat sie längst überwunden. Wenn Helga Langer in ihrem Garten sitzt, den Wind auf der Haut und das Gras unter den Füßen spürt, fühlt sie sich eins mit der Welt und mit sich selbst.

2 Kommentare

  1. S. Haufferkamp

    Zu Risiken und Nebenwirkung fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

  2. Ein Sommerloch! Der arme Reporter musste sich den ganzen Nachmittag das esoterische Gesülze anhören.