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Kann die Insolvenz der Volkshochschule Lüneburg abgewendet werden? Stadt und Landkreis müssen als Gesellschafter wohl die Zuschüsse erhöhen. Foto: A/t&w
Kann die Insolvenz der Volkshochschule Lüneburg abgewendet werden? Stadt und Landkreis müssen als Gesellschafter wohl die Zuschüsse erhöhen. Foto: A/t&w

Volkshochschule droht die Zahlungsunfähigkeit

rast Lüneburg. Einkalkuliert war im Wirtschaftsplan für das Jahr 2015 für die Volkshochschule ein Minus von 100000 Euro, doch dem Ausschuss für Wirtschaft und städtische Beteiligungen wird in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch eine deutlich höhere Summe präsentiert: Der Jahresfehlbetrag beläuft sich auf 170871,61 Euro. Und im Wirtschaftsplan fürs laufende Jahr ist bereits ein Minus von 250000 Euro ausgewiesen. In der Vorlage zur Sitzung schreibt Martin Wiese, Geschäftsführer des VHS-Trägers Bildungs- und Kulturgesellschaft Hansestadt und Landkreis Lüneburg mbH (BuK), sogar: „Sollten die Gesellschafter ihr finanzielles Engagement nicht ausweiten, ist davon auszugehen, dass der Gesellschaft im Jahr 2017 die Zahlungsunfähigkeit droht.“

So weit aber wollen es Stadt und Kreis sie sind die BuK-Gesellschafter keinesfalls kommen lassen. Deren Sprecher Daniel Gritz und Hannes Wönig sagen unisono: „Wir wertschätzen die Arbeit der VHS, lassen sie nicht im Regen stehen. Die Etatplanungen für 2017 kommen erst noch. Sollten die Gesellschafter absehen, dass der Zuschuss perspektivisch nicht auskömmlich ist, werden sie über eine Neuanpassung des Zuschusses beraten. Eine Insolvenzsituation kann somit ausgeschlossen werden.“

Stadt und Kreis passen ihre Zuschüsse den VHS-Planungen nicht flexibel an, sondern gewähren jährlich einen festen Zuschuss in Höhe von 430000 Euro je Gesellschafter 215000 Euro. Hinzu kommt ein Zuschuss vom Land Niedersachsen, der betrug 2014 und 2015 je 646000 Euro, wobei BuK-Chef Wiese sagt: „Aktuell ist nicht absehbar, dass das Land sich entschließen wird, seine Zuschüsse deutlich zu erhöhen.“ In Richtung Stadt und Kreis formuliert er: „Zur Abwendung einer möglichen Insolvenz werden die Gesellschafter spätestens 2017 ihre Zuschüsse deutlich erhöhen müssen.“

Das Minus von rund 170000 Euro für 2015 konnte durch Entnahmen aus Gewinnrücklagen kompensiert werden. Daniel Gritz von der Stadt sagt: „Die VHS hat in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, dadurch konnte sie Gewinnrücklagen bilden.“ Die aktuelle Gewinnrücklage beziffert er mit 222258,63 Euro.

Den Grund für das deutlich höher liegende Minus erläutert Gritz so: „Die VHS hatte unerwartete Kostensteigerungen bei Personal und Mieten zu verzeichnen. So konnte sie bei Integrations- und Schulabschlusskursen nicht mehr auf Honorarkräfte setzen, sondern war verpflichtet, auf feste Arbeitsverhältnisse umzustellen. Das ist schon wegen der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung teurer. Auch mussten für zusätzliche Sprachkurse für Flüchtlinge auch zusätzliche Räume angemietet werden. Ebenso spielte die unklare Erlössituation bei den Deutschkursen eine gewichtige Rolle.“ Sein Kollege Wönig vom Landkreis ergänzt: „Die VHS ist mit Abstand der wichtigste Anbieter von Sprachkursen in der Region. 90 Prozent laufen über sie. Aber es gab 2015 ein Nebeneinander von Institutionen, die Sprachkurse finanzieren. Die Erstattung der Kurskosten war dabei uneinheitlich, so dass die VHS, um ihre Qualitätsstandards halten zu können, teilweise in Vorleistung treten musste. Hinzu kommt, dass das Land im Gegensatz zu Kreis und Stadt förderungsfähige Kurse immer erst zwei Jahre später bezuschusst. Auch hier muss die VHS somit zum Teil in Vorleistung treten.“

Rückläufig waren 2015 die Einnahmen aus den Entgelten der freien Kurse: Kamen 2013 und 2014 jeweils mehr als 1,35 Millionen Euro in die Kasse, waren es 2015 rund 40000 Euro weniger. Martin Wiese zieht daraus den Schluss: „Dies bedeutet, dass zum einen, um gleichbleibende Umsatzzahlen zu generieren, die Zahl der Unterrichtseinheiten gesteigert werden muss. Zum anderen, dass man stärker auf individuelle Wünsche der Kunden durch neue Angebote reagieren muss.“

One comment

  1. Wer sich so eine fürstliche Residenz in bester Innenstadtlage mit reichlich Personal gönnt, bekommt von mir kein Mitleid. Die Kurse sind nicht gerade günstig.