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Vor dem Zulassungstest muss sich jeder Bewerber anmelden, aufgeteilt nach Nachnamen erhalten sie ihre Antwortbögen. Foto: t&w
Vor dem Zulassungstest muss sich jeder Bewerber anmelden, aufgeteilt nach Nachnamen erhalten sie ihre Antwortbögen. Foto: t&w

Nur jeder Dritte darf hier studieren

ap Lüneburg. Zu Hunderten strömen die jungen Frauen und Männer aus den vier Hörsälen der Leuphana. Sie alle haben ein Ziel: einen Studienplatz in Lüneburg zu ergattern. Doch die Konkurrenz ist groß. 2420 Bewerber durchlaufen momentan an fünf verschiedenen Tagen den notwendigen Zulassungstest, einige müssen sich in Bewerbungsgesprächen und Präsentationen profilieren. Etwa jedem dritten Anwärter winkt am Ende ein Studium an der Leuphana.

Für Stefanie Lüdtke, Koordinatorin des Zulassungsverfahrens, startet eine stressige Woche. Schon am ersten Tag muss sie den Andrang von insgesamt 770 Bewerbern organisieren. „In der ersten Nacht hatten wir schon 65 Übernachtungsgäste“, erzählt die 29-Jährige, die seit vier Jahren für das Auswahlverfahren zuständig ist. Etwa 84 Gesprächsleiter und ebenso viele Tutoren unterstützen sie. „Die Bewerber kommen aus ganz Deutschland, vornehmlich aber aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen.“

Das Verfahren der Leuphana, über die Vergabe von Studienplätzen zu entscheiden, sei einzigartig. Nicht die Abiturnote allein, klärt Lüdtke auf, sondern auch außerschulische Leistungen und die Ergebnisse in dem Studierfähigkeitstest zählen. Zweieinhalb Stunden haben die Bewerber Zeit, Zusammenhänge zu analysieren, Strukturen zu erkennen und Sprache spezifisch zu verwenden. „Die Abschlussnote sollte nicht allein ausschlaggebend dafür sein, ob jemand studieren kann oder nicht“, sagt Lüdtke, um den Hintergrund des Tests, der in Lüneburg seit 2007 Praxis ist, zu erläutern.

Abi-Note werden in ein Punktesystem umgerechnet

In einer ersten Stufe werde die Abi-Note in ein Punktesystem umgerechnet, „30 Punkte für eine 1,0 und 25 Punkte für eine 1,5.“ Zusätzlich könnten weitere fünf beispielsweise durch einen Freiwilligendienst oder die Tätigkeit als Schulsprecher erzielt werden. „25 Prozent der Plätze werden dann direkt an die Punktbesten vergeben“, verdeutlicht die Koordinatorin.

Anschließend werden die Einladungen für den Test und auch für persönliche Gespräche verschickt. Denn eine faire Chance auf einen Studienplatz soll zumindest der Großteil derjenigen erhalten, der in der ersten Stufe nicht ausreichend punkten konnte. 24 weitere Zähler sind in dem zweiten Teil möglich. „Zu einem Gespräch werden Bewerber des Studiengangs Studium Individuale, Lehren und Lernen und Umweltwissenschaften eingeladen.“ Denn in diesen Gebieten sei es wichtig, sich ein Bild von den genauen Vorstellungen des Bewerbers zu machen. „Bei einem angehenden Lehrer ist es wichtig zu erfahren, ob sich jemand pädagogisch eignet“, erklärt Stefanie Lüdtke.

Gruppen- auf Einzelgespräche

Deshalb habe die Leuphana im Fachbereich Lehren und Lernen in diesem Jahr auch von Gruppen- auf Einzelgespräche umgestellt. Im Bereich Mathematik wird in diesem Jahr zudem erstmals ein fachspezifischer Test durchgeführt, der Wissen aus den Klassen 5 bis 10 abfragt. „Das betrifft das Grund-, Haupt- und Realschul-Lehramt und die Berufsbildenden Schulen.“ Hintergrund der neuen Entwicklung sind Projektgelder der Telekom-Stiftung, die es sich zum Ziel gemacht hat, die MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) weiterzuentwickeln.

Besonders großen Zulauf hat in diesem Jahr der Studiengang Psychologie (Grundlagen). Die Zahl der Bewerber sei etwa zwölfmal so hoch wie verfügbare Plätze. „In diesem Fach konnten wir leider nicht alle Bewerber einladen“, erklärt Stefanie Lüdtke. Ein größeres Interesse als im Vorjahr sei auch im Bereich der englischsprachigen Programme, also Digital Media und International Business Administration and Entrepreneurship (IBAE), zu verzeichnen. Eine Woche nach den jeweiligen Tests sind die Ergebnisse online abrufbar, dann werden auch die Zulassungen verschickt.