Aktuell
Home | Lokales | Tankstellenräuber legt Teilgeständnis ab
Tankstellenräuber
Prozessauftakt vor der 2. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Volker Heintzmann. Hinter dem Angeklagten (mit Akteneinband) steht sein Verteidiger Christian Wigger. Foto: be

Tankstellenräuber legt Teilgeständnis ab

rast Lüneburg. Er sorgte für eine der aufwendigsten Fahndungen der vergangenen Jahre in der Region, gestern legte der 39 Jahre alte Gifhorner zum Prozessauftakt vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg ein Teilgeständnis ab. Über seinen Verteidiger Christian Wigger räumte der Mann zwei Überfälle auf Tankstellen in Soltau und einen Raub in einer Tankstelle in Celle ein. Sieben weitere Taten, alle in Lüneburg begangen, will er noch gestehen. Ihn erwartet nach einem Rechtsgespräch zwischen Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidiger bei einem glaubhaften Geständnis eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb- bis achteinhalb Jahren.

Geld und Zigaretten

Der Gifhorner hatte bei den zehn Taten rund 5500 Euro sowie Zigaretten im Wert von fast 1000 Euro erbeutet. Laut der Staatsanwältin kam er immer abends an die Tatorte, bedrohte mit einer silbernen Pistole, „deren Ladevorgang nicht bekannt ist, die aber wie eine scharfe Waffe aussah“, die Angestellten und forderte Geld und Zigaretten. Maskiert war er in einigen Fällen mit einem Schal oder einer Mütze und einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. Die Beute ließ er sich vom Personal in einen mitgebrachten hellen Leinenbeutel oder eine Tüte stecken. Zur Funktionstüchtigkeit der Waffe äußerte sich der Gifhorner gestern nicht, die habe er nach dem letzten Überfall weggeworfen.

Die Überfall-Serie begann am 20. November 2015 gegen 18 Uhr in einer Tankstelle an der Dahlenburger Landstraße, wo der Täter 350 Euro mitgehen ließ. Es folgten weitere Raubdelikte in Lüneburg an der Bleckeder Landstraße, der Uelzener Straße und Vor dem Neuen Tore.

Bisher keine Vorstrafen

Der Vorsitzende Richter Volker Heintzmann hielt dem Angeklagten bei Präsentation des Kammervorschlags für das Urteil zugute, dass er bis dato keine Vorstrafen hat und die Mitarbeiter der Tankstellen „keine körperlich schweren Verletzungen“ erlitten hatten. Mitarbeiter erzählten dem Gericht gestern allerdings von psychischen Prob­lemen. Am 23. Februar 2016 überfiel der Gifhorner eine Tankstelle in Soltau, der Mitarbeiter erinnerte sich: „Er kam reingelaufen, sagte Geld her, dies ist ein Überfall, dabei hielt er eine Pistole in der Hand. Ich stand unter Schock.“ Und „wohl unter diesem Schock“ habe er den Räuber angelogen: „Ich sagte, ich könne die Kasse nicht öffnen. Er drehte um und lief raus.“

Von dem Geschehen träumte der Mitarbeiter laut seiner Aussage noch ein paar Mal: „Aber ich habe es irgendwie verdrängt, Gott sei dank.“ Noch am selben Abend gab es den Raub in Celle, der Kassierer einer Tankstelle dort schilderte: „Als ich aus dem Pausenraum kam, stand auf einmal der Täter mit einer Schusswaffe vor mir und forderte Geld. Ich war so nervös, mir fielen 50-Euro-Scheine runter. Er nahm sich selbst Geld aus der Kasse.“ Der Maskierte verschwand, der Kassierer drückte den Alarmknopf, gleichzeitig rief ein Ehepaar, das gerade getankt hatte, die Polizei an und konnte ihr das Kennzeichen des Fluchtfahrzeugs nennen wenig später nahm ein Mobiles Einsatzkommando den 39-Jährigen in Gifhorn fest. Der Angeklagte entschuldigte sich gestern bei den beiden Kassierern.

Die Anklage war zunächst von 14 Taten ausgegangen, wird bei einem Geständnis aber vier Vorwürfe einstellen. Da­runter auch die Überfälle auf die HEM-Tankstelle in Lüneburg und eine Star-Tankstelle in Winsen, bei denen ein zweiter, bislang unbekannter Räuber beteiligt gewesen sein soll.
Der Prozess wird am 18. August fortgesetzt.

Mehr zum Thema:

Tankstellenräuber: Wer kennt diesen Mann?
Tankstellenüberfälle: Tatverdächtiger festgenommen
Erneut Raubüberfall auf Tankstelle in Lüneburg – Serientäter am Werk?