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Ein Passbild von Kurt-Werner W.: Der Gärtner soll Birgit Meier getötet haben. Repro/Foto: ca/nh
Ein Passbild von Kurt-Werner W.: Der Gärtner soll Birgit Meier getötet haben. Repro/Foto: ca/nh

Spurensuche in alten Gräbern

ca Lüneburg. Die Polizei ist sich sicher, den Mordfall Birgit Meier nach 27 Jahren geklärt zu haben — trotzdem, die letzte Gewissheit fehlt. Die Beamten warten noch auf ausstehende Tests aus der Gerichtsmedizin. Eine neu eingesetzte Ermittlungsgruppe hatte sechs alte Gräber exhumieren lassen und bekanntlich Überreste der Toten für DNA-Tests nach Hamburg geschickt. „Noch liegen nicht alle Ergebnisse vor“, sagt Polizeisprecherin Wiebke Hennig. „Unter den bisherigen Proben war kein Treffer.“

Wie berichtet, hatte Polizeipräsident Robert Kruse den alten Fall erneut aufrollen lassen. Birgit Meier war im August 1989 in Brietlingen-Moorburg verschwunden. Ihren Ausweis fand man später in Hamburg, doch von der damals 41-Jährigen fehlte jede Spur. Robert Kruse holte den Chef der Mord- und Brandermittler in Rotenburg/Wümme, Richard Kaufmann, nach Lüneburg. Der ging gemeinsam mit Kollegen in der EG Iterum, das lateinische Wort bedeut in etwa zum zweiten Mal, alten Spuren nach, wertete Akten aus und kam auf Kurt-Werner W..

Der Friedhofsgärtner war bereits 1989 ins Visier der Ermittler geraten: Er hatte auf dem Nachbargrundstück Birgit Meiers gearbeitet und diese damals kennengelernt. Kaufmann ist überzeugt, dass W. sein Opfer tötete und dann bei einer Beerdigung quasi als zweite, geheime Leiche verschwinden ließ. Die EG nahm Bestattungen aus der Zeit in den Blick und überprüfte, ob es eine Verbindung zu W. geben könnte. Die fand man beispielsweise bei Beisetzungen in Heiligenthal und Bardowick.

Konkrete Spuren gibt es nicht

Kurt-Werner W. ist allerdings nicht mehr greifbar. Er saß wegen anderer Delikte im Knast und nahm sich dort 1993 das Leben. So vernichtete die Polizei später auch Asservate, die heute Aufschluss über andere Straftaten geben könnten. Die Hamburger Morgenpost hatte W. in Verbindung mit weiteren Morden gebracht, darunter Ilse Gehrkens, die 1968 beim Radfahren im Tiergarten erschossen wurde. Und auch die Göhrde-Morde, bei denen im Sommer 1989 zwei Paare im Forst bei Röthen starben, könnten nach Meinung der Hamburger Journalisten auf das Konto von W. gehen.

Für die Ermittler sind das Spekulationen, konkrete Spuren gibt es nicht. Eine zweite Gruppe, die bei der Polizei­inspektion Auf der Hude eingesetzt wurde, rollt die Göhrde-Morde wieder auf. Sie soll noch keine belastbaren Indizien gefunden haben, die auf Kurt-Werner W. als Täter weisen.

Bis alle DNA-Ergebnisse im Fall Birgit Meier vorliegen, können noch einige Wochen vergehen. Die Ungewissheit über ihr Schicksal bleibt.