Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Gespräche zur Alpha-E-Variante in Hannover
Zwei Gleise führen bereits durch Deutsch Evern, ein drittes soll kommen. Die Gespräche über die Umsetzung der in dem Ort heftig kritisierten Alpha-E-Variante sind in Hannover angelaufen. Foto: t&w
Zwei Gleise führen bereits durch Deutsch Evern, ein drittes soll kommen. Die Gespräche über die Umsetzung der in dem Ort heftig kritisierten Alpha-E-Variante sind in Hannover angelaufen. Foto: t&w

Gespräche zur Alpha-E-Variante in Hannover

ml/kre Deutsch Evern. Das Bundeskabinett hat vergangene Woche den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 abgesegnet, nun laufen in Hannover die Gespräche zur Umsetzung einzelner Projekte an — meist hinter verschlossenen Türen. Ein Schwerpunkt in dieser Woche war die umstrittene Alpha-E-Variante zum Ausbau des Schienennetzes in Norddeutschland. Dazu gehört auch der Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen.

Zunächst hatte Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), den Deutsche-Bahn-Vorstand Dirk Rompf und Vertreter des Projektbeirates Alpha-E zu Gast. Ein Ergebnis: Bund und Bahn haben sich darauf verständigt, „im Zuge der jetzt beginnenden Ausbauplanungen auch einen optimierten Lärmschutz zur Entlastung der Streckenanwohner zu betrachten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums in Hannover.

Einen Tag später reisten dann Deutsch Everns Bürgermeisterin Ulrike Walter (CDU) und Gemeindedirektorin Stephanie Buntrock zu einem Gespräch mit dem Minister in die Landeshauptstadt. Im Gepäck hatte das Duo jede Menge kritische Fragen und Anmerkungen. Seit Monaten stemmen sich die Einwohner Deutsch Everns gegen die Ausbaupläne der Bahn im Zuge der Alpha-E-Variante. Schon jetzt teilen die vorhandenen beiden Gleise das Dorf in zwei Teile. Käme wie geplant ein drittes Gleis hinzu, sei die Belastungsgrenze weit überschritten, argumentieren die Deutsch Everner. Daran ändert aus ihrer Sicht auch ein optimierter Lärmschutz nichts.

Verein „Anwohner gegen Ausbau — DE 21“ hat sich gegründet

Gegründet hat sich deshalb vor wenigen Monaten der Verein „Anwohner gegen Ausbau — DE 21“. Vorsitzender Michael Hansen hat die aktuelle Version des BVWPs am Wochenende durchgeackert und seine kritischen Überlegegungen zu dem rund 200 Seiten starken Papier Ulrike Walter mit auf den Weg nach Hannover gegeben. Vor allem die Formulierungen auf Seite 163 der Projektliste Schiene sind es, die bei Hansen die Alarmglocken schrillen lassen. Dort ist nicht mehr nur von Ausbau-, sondern auch von Neubaustrecken zwischen Hamburg und Hannover die Rede. „Entgegen dem Abschlussdokument des Dialogforums Schiene Nord, das die Alpha-E-Variante empfohlen hat“, moniert Hansen. Laut dem Papier solle es sich beim Alpha-E ausschließlich um Ausbaustrecken handeln. Die Formulierungen im BVWP schüren Hansens Verdacht, dass mit dem dritten durch die Hintertür auch gleich das vierte Gleis kommen soll.

Diesen Verdacht hält Verkehrsminister Lies laut Ulrike Walter jedoch für absolut unbegründet. „Ein viertes Gleis stehe überhaupt nicht zur Debatte, sagte der Minister in unserem Gespräch, es gäbe keinerlei Zusammenhang zwischen den Formulierungen im BVWP und derartigen Plänen“, berichtet Deutsch Everns Bürgermeisterin. Der Hinweis auf Neubaustrecken beziehe sich Lies zufolge auf die im Zuge des Streckenausbaus geplanten Ortsumfahrungen.

Bahn will mit den Betroffenen das Thema optimierter Lärmschutz diskutieren

Die Unterredung mit Lies hat laut Walter 90 Minuten gedauert und fand in „positiver Atmosphäre“ statt — und hatte „wenig Überraschendes“ zu bieten. Das von den Deutsch Evernern geforderte Raumordnungsverfahren hält Lies für nicht erforderlich, stattdessen will er sich auf den optimalen Lärmschutz für die Anwohner konzentrieren. „Doch der will bezahlt sein“, hält Walter dagegen, „und mir sind die Signale aus Berlin noch nicht deutlich genug.“ Allerdings habe der Minister versichert, in diesem Punkt mit Staatssekretär Ferlemann schon einen Schritt weiter zu sein.

Der Minister habe einen weiteren, engen Austausch zugesagt — auch vor Ort unter Einbeziehung des Vereins um Michael Hansen. Auch die Bahn will mit den Betroffenen das Thema optimierter Lärmschutz diskutieren. Die Grundlagen dafür sollen bei den Planungen ermittelt werden, um sie dann im Rahmen der von der Bahn organisierten Runden Tische zu diskutieren und Umsetzungsvorschläge zu erarbeiten, kündigte Bahn-Vorstand Rompf an. Für ihn ist damit der Startschuss für die „operative Planung der Alpha-E-Trasse“ gefallen.