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Stefan Domanske (l.) und Hendrik Lampe präsentieren das neue Open Data Portal des Landkreises Lüneburg. Foto: t&w
Stefan Domanske (l.) und Hendrik Lampe präsentieren das neue Open Data Portal des Landkreises Lüneburg. Foto: t&w

Auf dem Weg zu mehr Transparenz mit dem Open Data Portal

pet Lüneburg. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat es schon, die Deutsche Bahn, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Stadt Köln und das Land Berlin auch. Sie alle bieten ein „Open Data Portal“ an, auf dem öffentliche Daten privaten Nutzern zur weiteren Verwendung zugänglich gemacht werden. Unter den deutschen Landkreisen ist Lüneburg einer der wenigen Vorreiter: In der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses des Landkreises stellte Projektleiter Hendrik Lampe das „Open Data Portal“ vor.

Mittlerweile sind es 104 Datensätze aus Bereichen wie Bauen, Bevölkerung, Bildung, Soziales, Umwelt und Politik, die der Landkreis Lüneburg unter der Internetadresse http://www.landkreis-lueneburg.de/offenedaten Nutzern zur Verfügung stellt. Zu finden sind da etwa Bebauungspläne, Angaben über im Landkreis zugelassene Kraftfahrzeuge, sortiert nach Kraftstoffart oder Farbe, Übersichten über Jagdbezirke, Wahlergebnisse oder Messwerte über die Qualität von Badegewässern.

Das Besondere an den Daten: Den Interessierten erwarten keine bunten Törtchen- oder Balkengrafiken, keine ausgearbeiteten Tabellen oder Pläne, wie es sie jetzt schon viele auf der Homepage des Landkreises gibt, sondern „Rohdaten“, meist in Tabellenform. Stefan Domanske, Leiter IT-Service beim Landkreis Lüneburg: „Wir liefern die Grundlage, die Nutzer können sie nach ihren Vorstellungen verarbeiten.“

Und so liefert das „Open Data Portal“ keine Informationen im „pdf-„Format, sondern etwa im maschinenlesbaren Format „csv“, das dann entsprechend weiterverarbeitet werden kann, etwa in Form von Webseiten oder Apps. „Open Data“ heißt auch: Die Daten sind frei verwendbar, sie sind kostenfrei, weil sie indirekt schon durch den Steuerzahler bezahlt sind, und sie sind leicht zugänglich — eine Registrierung des Nutzers findet nicht statt. Aber nicht alle Daten der Verwaltung werden über „Open Data“ zur Verfügung gestellt: Informationen dürfen nicht urheberrechtlich geschützt, sicherheitsrelevant oder personenbezogen sein.

Was aus den Daten, die der Landkreis zur Verfügung stellt, wird, das müssen jetzt mögliche Nutzer klären, ob Start-up-Unternehmer, die zeitnah Informationen über Badegewässer auf eine App legen, Politiklehrer, die mit ihren Schülern Wahlergebnisse analysieren wollen, oder Naturschutzverbände, die sich mit den Auswirkungen der Jagd beschäftigen. Wichtig nur: Die Datenquelle jeglicher Information muss bei Veröffentlichung klar kenntlich gemacht werden.

Eine Vision, die Stefan Domanske und Hendrik Lampe haben und die aus Daten des „Open Data Portals“ gespeist werden könnte: Ein Angebot für Autofahrer — von wem auch immer erstellt, gespeist aus Daten des Landkreises, später auch von Bund, Land und Kommunen, die den Verkehrsteilnehmern brandak­tuell alle Informationen über Straßensperrungen, Baustellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder deren Veränderungen liefert. Domanske: „Die Daten dafür haben wir.“

Das Datenangebot im neuen Portal des Landkreises soll in der Zukunft noch erweitert werden. Auch Bürger können dazu Vorschläge machen — unter der Internetadresse opendata@lklg.de.

Ein Gewinn für die Allgemeinheit

„Open Data“, so besagt eine der vielen Definitionen für den Begriff, „steht für die Idee, Daten frei zugänglich und nutzbar zu machen und so Entwicklungen zu unterstützen, die einen Gewinn für die Allgemeinheit darstellen können.“

Die Einführung des Open Data Portals des Landkreises geht zurück auf einen Antrag, den die Gruppe FDP/Die Unabhängigen im Sommer 2014 gestellt hatte. Einstimmig sprach sich der Kreistag dann in seiner Sitzung am 14. Oktober des gleichen Jahres für den Antrag aus. Im Beschluss heißt es: „Der Kreistag bekennt sich zur politischen Leitstrategie des sogenannten „Open Government“, das auf mehr Transparenz für Bürgerinnen und Bürger, die Bereitstellung offener Daten („Open Data“) und neue Formen der politischen Mitwirkung gerichtet ist.“

Während der Landkreis Lüneburg weit voraus agiert, hinkt das Land Niedersachsen hinterher. Zwar hat die Landesregierung schon am 9. April 2013 beschlossen, unter Federführung des Justizministeriums ein „Informationsfreiheits- und Transparenzgesetz“ zu erarbeiten, das Gesetz gibt es aber — im Gegensatz zu anderen Bundesländern — immer noch nicht. Warten auf das, was aus Hannover noch kommt, wollten die Verantwortlichen des Landkreises dann aber nicht.