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Fahrrad-Diebstahl
Im Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof greifen immer wieder Diebe zu. Foto: A/t&w

Mit Schleusen gegen Fahrrad-Diebstahl

ca Lüneburg. Erst am vorigen Mittwoch hat wieder jemand versucht, ein Fahrrad zu stehlen. Auch im Polizeibericht vom vorvergangenen Wochenende tauchen zwei Diebstahlsmeldungen auf. Die beiden Rad-Parkhäuser am Bahnhof scheinen für manche offenbar wie Selbstbedienungsläden zu wirken. In den vergangenen Monaten kamen immer wieder Fahrräder weg. Und nicht alle, denen das Velo gestohlen wurde, melden sich bei der Polizei, wissen der Betreiber des Radgeschäfts, Malte Meyners, und seine Mitarbeiter. Nun will die Stadt handeln. Verkehrsdezernent Markus Moßmann erklärte beim Ortstermin, dass die Verwaltung neue Zugangssysteme einbauen lassen möchte, die den Dieben das Handwerk zumindest sehr erschweren. Er sagt aber auch: „Absolute Sicherheit gibt es nicht.“

Konzeption ist in Arbeit

Moßmann, Meyners und Manfred Koplin von der städtischen Gebäudewirtschaft arbeiten an einer Konzeption. Ziel: Wer in das Parkhaus geht, kann eben nur mit einem Rad hinein- und wieder hinausgehen. Ein Vorbild für solche Schleusen gibt es in Kiel. Der Radler gelangt durch ein Drehkreuz in den gesicherten Bereich, seinen Drahtesel schiebt er durch eine Tür. Hinaus geht es ähnlich. Das Problem liegt auf der Hand: Wenn morgens Dutzende auf einmal ihren Zug erreichen wollen, dürfte es zu Staus an den Eingängen kommen. Dann sollen die Kunden Schranken nutzen. Die wiederum liegen im Blick von Mitarbeitern, sodass es eine Kontrolle gibt.

Die neuen Zugänge sollen im alten Rad-Speicher im unteren und oberen Geschoss eingebaut werden. Die Nutzer, die Monats- und Jahreskarten kaufen, bekommen wahrscheinlich Chips, die wie ein Schlüssel funktionieren. Auch Tagestickets soll es geben. Zudem will die Stadt die noch offenen Seiten des Gebäudes mit Gittern sichern, am Ende wird die Radstation zu einem großen Käfig.

Keine Erhöhung der Parkgebühren

Die Verwaltung veranschlagt die Kosten mit rund 290.000 Euro. „Wir wollen das Vorhaben in den Haushalt für 2017 einstellen“, sagt Moßmann. Ob es so kommt, entscheidet der Rat. Allerdings hofft man im Rathaus, dass die Rechnung für die Stadt geringer ausfällt. Moßmann: „Wir beantragen Zuschüsse beim Landkreis, bei der Landesnahverkehrsgesellschaft und der Metropolregion Hamburg.“ Derzeit sei es nicht geplant, die Gebühren für die Nutzer zu erhöhen. Für die soll es eine weitere Neuerung geben: Von der ersten Etage soll eine Brücke zum Bahnsteig 1 geschlagen werden für den schnelleren Weg zum Zug. Geschätzte Kosten: 60000 Euro.

Der Ausbau soll zunächst nur für das gebührenpflichtige Parkhaus erfolgen. Bekanntlich können Pendler die Doppelstockstellfläche am Westbahnhof kostenlos nutzen. Hier möchte die Stadt im kommenden Jahr eine Rampe bauen, damit die obere Etage einfacher zu erreichen ist. Dafür will man sich mit der Bahn abstimmen, die das Areal am Westbahnhof umgestalten will.

Fahrrad-Diebstahl nimmt zu

Der Hintergrund für die Pläne ist der zunehmende Fahrrad-Diebstahl. Im Frühjahr waren offenbar organisierte Täter in der Nacht in das Gebäude eingedrungen und hatten mehrere Räder gestohlen. Videoaufnahmen zeigen, wie die Männer Schlösser mit einer Handflex in Sekunden öffnen. Im Mai hatte dann eine Streife der Bundespolizei zwei Männer und eine Frau gestellt, die aus dem Parkhaus zehn Räder in einen Kleintransporter geschleppt hatten. Die Polizei legt den drei bei Bleckede lebenden Rumänen rund 30 Raddiebstähle zur Last. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

Abstellen und entsorgen

Die Fahrradparkhäuser sind für einige auch eine große Müllhalde. Rund 250 „Fahrradleichen“ haben die Mitarbeiter des Ladens vergangenes Jahr aus dem Speicher gesammelt. Die Räder standen monatelang herum, ohne dass sie jemand bewegte. Sie nehmen denen den Platz weg, die mit ihrem Rad zum Bahnhof fahren, um mit dem Zug zur Arbeit nach Hamburg zu gelangen.

Aber auch Studenten, die aus der Metropole an die Ilmenau kommen, nutzen die Fahrrad-Parkhäuser gern: Sie lassen ein Rad in Lüneburg, um zur Uni zu fahren. 800 bis 1000 angehende Akademiker pro Semester stellen ihre Zweiräder laut Meyners dort unter. Das Angebot ist für sie kostenlos, es wird über die Semestergebühren abgegolten.

Die „Fahrradleichen“ landen übrigens nicht auf dem Sperrmüll: Malte Meyners und seine Mitarbeiter geben sie an die Fahrradwerkstatt Konrad auf dem Campus, dort werden sie aufgepäppelt und an Flüchtlinge verteilt.

One comment

  1. Es geht aus dem Artikel nicht so ganz hervor: Davon ist aber nur das (kostenpflichtige) Parkhaus auf der Ostseite betroffen, oder?