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Vor vier Jahren haben sich die Kontrolleure mit Klemmbrettern im Hintergrund postiert und genau hingeschaut, wie viel Bier beim Zillertaler Abend beim Lüneburger Oktoberfest über den Tresen geht. Foto: A/t&w
Vor vier Jahren haben sich die Kontrolleure mit Klemmbrettern im Hintergrund postiert und genau hingeschaut, wie viel Bier beim Zillertaler Abend beim Lüneburger Oktoberfest über den Tresen geht. Foto: A/t&w

Oktoberfest im Visier der Steuerfahndung

Von Carlo Eggeling

Lüneburg. Politiker aus Stadt und Kreis haben Post von der Steuerfahndung erhalten. Sie mögen in der „Dienststelle vorsprechen“ und Unterlagen mitbringen: „Fotos (analog oder als Datei), von Ihren Besuchen bei den Oktoberfesten in Lüneburg von 2004 bis 2012 sowie weitere Unterlagen, Belege, Aufzeichnungen, die zur Klärung der Frage, wie gut die Oktoberfeste vom Publikum besucht worden sind, beitragen können.“ Bekanntlich läuft ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Lüneburger Schausteller wegen des Verdachts, Abgaben nicht korrekt abgeführt zu haben.

Ist der Fall bereits abgeschlossen?

Einer der beiden ist allerdings verwundert, in Absprache mit seinem Anwalt heißt es in einer Erklärung, die der LZ vorliegt: „Das Besteuerungsverfahren für den betreffenden Zeitraum ist seit einem dreiviertel Jahr abgeschlossen. Im Besteuerungsverfahren ist durch das Finanzamt eine Steuerhinterziehung nicht festgestellt worden. Die einvernehmliche Regelung im Besteuerungsverfahren enthält dementsprechend keinerlei Aspekte, die im Zusammenhang mit einer Steuerhinterziehung stehen. Der im Besteuerungsverfahren zuständige Sachgebietsleiter hat für seinen Bereich kein strafrechtlich relevantes Verhalten Ihrerseits gesehen.“ Ihm ist es ein Rätsel, warum die Steuerfahndung anders agiert als die anderen Finanzbehörden. Das Ganze dauere nun schon vier Jahre: „Ich dachte, wir sind durch.“

Es geht bekanntlich um dem Abend vor dem Start des Oktoberfestes, den Zillertaler Abend der Sparkasse. Die hatte im vergangenen Herbst erklärt, sie nutze die Gastronomie als Dienstleister, die Wirte seien dafür zuständig. Die Steuerfahndung selber hatte damals erklärt, man gehe von einem Anfangsverdacht aus. Zu Details wolle man nichts sagen. 2012 waren die Steuerfahnder im Festzelt zu Gast, hatten mit Block und Stift notiert, was passiert, Lieferscheine, Kühlwagen und Kassen kontrolliert.

Fotos der Feier sollen als Anhaltspunkte dienen

Doch offenbar reicht den Fahndern nicht, was sie unter anderem bei mehreren Durchsuchungen zusammengetragen haben. Nun wollen sie durch die Vernehmung von Politikern und das Auswerten von Bildern neue Erkenntnisse gewinnen. Wie das gehen soll, bleibt allerdings selbst Mitarbeitern der Finanzverwaltung, die nicht genannt werden wollen, schleierhaft. Denn wie will man durch Fotos konkret ableiten, wie viel Bier und Brause durch die Kehlen der Gäste floss? Die Menschen können eine oder fünf Maß getrunken haben.

Der Chef des Lüneburger Finanzamtes, Hans-Gunter Thunecke, will den Fall nicht kommentieren: „Steuergeheimnis.“ Er sagt generell lediglich, dass die Steuerfahndung Anhaltspunkte habe, wenn sie ermittle. Der Chef der Steuerfahndung, Jörg Schmidt-Hohensee, hat auf eine Anfrage der LZ nicht geantwortet.
So bleibt abzuwarten, ob die Fahnder wieder im Festzelt vorbeikommen: Das Oktoberfest beginnt am 9. September, einen Tag vorher feiert die Sparkasse.

One comment

  1. das hört sich für mich an wie stattliche Erpressung – stehen demnächst BRD – Stasi Leute auf jeden Fest herum und kontrollieren jeden wer was getrunken hat ??
    Was ist mit den persönlichkeits Rechten wenn Fotos ausgewertet werden ?
    darf ich noch zu Lüneburger Festen gehen oder komme ich gleich auf die Liste?