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Zunächst zog die NaK-Diesel-Lok, Baujahr 1957, fünf der insgesamt neun beladenen Waggons in die Elbstadt. Foto: avl/nh
Zunächst zog die NaK-Diesel-Lok, Baujahr 1957, fünf der insgesamt neun beladenen Waggons in die Elbstadt. Foto: avl/nh

Splitt rollt per Bahn an die Elbe

Von Dennis Thomas

Lüneburg/Bleckede. Erstmals seit Jahren verkehrte jetzt ein kommerzieller Güterzug mit Wagenladung auf der Strecke der „Bleckeder Kleinbahn“ zwischen Lüneburg und Bleckede. 550 Tonnen Splitt wurden zunächst über die DB-Strecke von Hamburg nach Lüneburg gefahren. Dort hängten Mitarbeiter der Bleckeder Kleinbahn die neun Waggons mit dem Schüttgut hinter die eigene Diesel-Lok und fuhren mit der Ladung nach Bleckede.

Für die Kleinbahn der ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) könnte sich mit der schrittweisen Wiederbelebung des Güterverkehrs auf der ehemaligen OHE-Strecke nach Bleckede ein neues Standbein neben dem Museums- und Touristikbahnbetrieb ergeben. Dabei ist die AVL in guter Gesellschaft. Derzeit lässt auch das Land Niedersachsen die wirtschaftliche Nutzung weiterer, teils stillgelegter Strecken ausloten.

Letzter Zug kommerzieller fuhr 2004

Abgesehen von den Wartungsfahrten zum Eisenbahn-Ausbesserungswerk Bleckede verkehrte der letzte kommerzielle Güterzug in die Elbstadt im Jahr 2004. Noch bis ins Jahr 2010 wurden auf der Teilstrecke Lüneburg-Boltersen Holztransporte abgewickelt bis zur Stilllegung und späteren Streckenübernahme durch die AVL.

Über die pünktliche Splitt-Lieferung via Schiene in die Elbstadt freute sich jetzt Markus Hartmann, Chef der Elbe-Kiesförderung GmbH in Bleckede. Er sagt: „Abhängig von der Auftragslage können wir uns vorstellen, den Güterverkehr auf der Schiene auszuweiten.“ Die Testfahrt sollte nicht nur zeigen, ob die Strecke die Belastung aushält, sondern auch, wie die betrieblichen Abläufe vor Ort darauf abgestimmt werden können. Hartmann: „Die Zusammenarbeit mit der Kleinbahn hat hervorragend geklappt.“ Das 13 Mitarbeiter zählende Unternehmen „Elbe-Kiesförderung“ ist seit rund 60 Jahren im Erdbau und der Lieferung von Schüttgütern tätig für Deich- bis Straßenbaustellen. Der angelieferte Splitt werde beispielsweise für den Wegebau im Biosphärenreservat eingesetzt. Die Zugfahrt habe laut Hartmann rund 22 beladene Lkw-Fahrten erspart.

Züge fahren nur sporadisch

Auch Pero Schmidt, Betriebsleiter der Bleckeder Kleinbahn, zeigt sich nach der Testfahrt zufrieden: „Die Strecke hat das gut ausgehalten.“ Zur Schonung der Lokomotive wurde der Zug aber in Lüneburg vor der Weiterfahrt geteilt, die Diesel-Lok mit Baujahr 1957 zog erst fünf, dann weitere vier beladene Waggons nach Bleckede.

Schmidt sagt, bevor es Anwohner an der Strecke mit der Angst zu tun bekommen: „Die Güterzüge werden nur sporadisch fahren, vielleicht vier bis fünf Mal pro Jahr, und zu zivilen Zeiten.“ Gleichwohl sei es eine willkommene Einnahmequelle, damit die AVL die Bahnstrecke weiterhin auch für den Museums- und Touristikbahnbetrieb sanieren und erhalten kann.

Business-Plan für alte Strecken

„Wenn es der AVL gelingt, verstärkt Güter von der Straße auf die Schiene zu bekommen und die Strecke dies hergibt, finde ich das sehr begrüßenswert“, sagt Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt. Das sieht Jürgen Enkelmann von der Wirtschaftsförderung Lüneburg ähnlich: „Grundsätzlich begrüßen wir solche Verkehre, die eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene bedeuten, auch unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes.

Wenn es weitere Verlader gibt, die Interesse haben, verstärkt auf die Schiene zu setzen, stehen wir gern beratend zur Seite.“ Ebenso wie dem Gutachterbüro des Landes, das derzeit weitere Strecken auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht, die etwa die Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) aufgeben wollen. Wie berichtet, führen die OHE AG und das Land Niedersachsen Gespräche darüber, ob und welche Strecken des Unternehmens künftig in eine Niedersächsische Infrastrukturgesellschaft überführt werden könnten.

Sabine Schlemmer-Kaune, Sprecherin des Verkehrs- und Wirtschaftsministeriums, sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir haben zwei fachliche Expertisen in Auftrag gegeben. Die eine ist eine eisenbahnfachliche Expertise, beurteilt den Zustand der Strecken, ermittelt mögliche Investitionskosten für Erhalt, Instandsetzung und so weiter.“ Die andere Expertise konzentriere sich auf die ökonomischen Aspekte: Kosten und Nutzen oder die Frage, wie ein Business-Plan aussehen könnte. Schlemmer-Kaune: „Die Ergebnisse sollen Ende September, Anfang Oktober vorliegen.“

In diese Prüfung ist auch die Teilstrecke der Heidebahn zwischen Lüneburg und Hützel bei Bispingen miteinbezogen. Davon könnte an der Strecke beispielsweise genauso das Industriegebiet Lüneburg-Süd bei Embsen profitieren.