Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sara Simons bucht das StadtRad am Terminal. Kunden können aber auch mittels einer Smartphone-App ein Rad buchen. Foto: A/t&w
Sara Simons bucht das StadtRad am Terminal. Kunden können aber auch mittels einer Smartphone-App ein Rad buchen. Foto: A/t&w

Lüneburger StadtRad kann teuer werden

Von Carlo Eggeling

Lüneburg. Alles lief am Donnerstag im Rat so schön beim Thema Stadtrad, bis der Linke Michèl Pauly in die Speichen griff: Der Antrag der rot-grünen Mehrheitsgruppe sei weitgehend „subtanzlos“. Die Gruppe fordere die Verwaltung auf zu prüfen, wie man „StadtRad attraktiv erweitern“ könne, diese Formulierung sei ihm zu dünn prüfen bedeute wenig Inhalt. Zwar findet auch er das Leihmodell von StadtRad wunderbar, aber dass nun die Studenten, um den Ausbau zu finanzieren, erneut zur Kasse gebeten werden sollen, lehne er ab. Die müssten dann über höhere Studiengebühren noch mehr zahlen und würden ein zweites Mal wie alle anderen auch als Bürger blechen: „Die Stadt ist in der Pflicht.“

Sogar Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) pflichtete Pauly in Teilen bei. Was erstaunt: Ansonsten liefern die beiden sich Scharmützel, und vor allem wich Mädge damit von der Vorlage seiner eigenen Verwaltung ab.
Die Lage: 65 Räder können an sieben Stationen im Stadtgebiet ausgeliehen werden. Rote und Grüne wollen mehr Stationen und mehr Velos. Die Verwaltung hat nachgerechnet, was das mehr kosten könnte und eben auch empfohlen, die angehenden Akademiker anzuzapfen (siehe Infobox). Die Politik diskutierte und überwies den Antrag in den Verkehrsausschuss.

Erfolgsmodell oder nicht?

SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Salewski schwärmte von dem seit drei Jahren bestehenden Angebot als „Erfolgsmodell“, ebenso wie Verkehrsausschussvorsitzender Ulrich Löb (Grüne). Es gelte, neben den Studenten auch die anderen Lüneburger zum Umstieg in den Sattel zu bewegen, eben mit mehr Ausleihmöglichkeiten. Die Stadt möge Geldgeber finden, um den Haushalt zu schonen. Aber auch der Allgemeine Studierenden Ausschuss (AStA) sollte sich stärker als bisher an den Kosten beteiligen und einen höheren Anteil des Semesterbeitrags dafür geben. Eckhard Pols von der CDU lobte auch, findet aber, dass die Stadt schon jetzt einen hohen Beitrag zahle für ein System, bei dem überwiegend Studenten strampeln. Ergo: Sie sollen mehr beisteuern. Er wolle im Ausschuss konkretere Zahlen geliefert bekommen. Ähnlich die Liberale Birte Schellmann, auch sie sprach sich für eine moderate Erhöhung von 1,50 auf 1,80 Euro pro Semester beim Beitrag aus.

Pauly drehte am Ventil und ließ so Luft aus dem Reifen der Begeisterung. Besser als neue Stationen einzurichten, wäre, wenn man ähnlich wie angeblich in München überall Räder ausleihen könnte. Technisch sei das kein Problem, da die Velos mit GPS-Sendern versehen seien. Zudem sei die Stadt in der Pflicht, die Akzeptanz zu steigern. Sie gewinne schon jetzt ökonomisch, weil sie bei Zuschüssen für das Bussystem sparen könne.

OB Mädge argumentierte ähnlich und damit gegen die Einschätzung der Verwaltung. Als Stadt, die sich Klimaschutzzielen verpflichtet sehe, sei jede unterbliebene Autofahrt ein zusätzlicher Gewinn. Man solle bei dem Ausleihsystem nicht einzelne Gruppen monetär besonders fordern.
Pauly und Mädge, sonst im Umgang miteinander eher pieksig, fuhren ungewohnter Weise Tandem in eine Richtung.

One comment

  1. Warum gibt es eigentlich keine Entleihstationen in den beiden größten Stadtteilen, Kaltenmoor und Kreideberg? Für die Besserverdiener im Hanseviertel gibt es schließlich auch eine Station.