Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Joline Heitmann aus Bienenbüttel versetzt derzeit die Modelwelt in Aufruhr. Privat ist sie ein ganz normales Mädchen, von Starallüren und Magerwahn keine Spur. Neben meinem Bett steht ein Glas Nutella, sagt die 16-jährige Sportlerin. Foto: phs/MGM Models
Joline Heitmann aus Bienenbüttel versetzt derzeit die Modelwelt in Aufruhr. Privat ist sie ein ganz normales Mädchen, von Starallüren und Magerwahn keine Spur. Neben meinem Bett steht ein Glas Nutella, sagt die 16-jährige Sportlerin. Foto: phs/MGM Models

Von der Dorfstraße auf den Catwalk

Von Emilia Püschel
Bienenbüttel. Die Geschichte beginnt an einem kalten Januarnachmittag in der Hamburger Fußgängerzone. Joline Heitmann und ihre Mutter Gabi schlendern gerade zur Schauspielschule, wenige Meter vor dem Eingang werden sie von einem Mann angesprochen. „Er war eigentlich schon an uns vorbeigelaufen, dann drehte er sich noch einmal um und kam zu uns zurück“, erzählt die 16-Jährige. Eine Stunde später steht die Schülerin mit klopfendem Herzen in einem großen Agenturgebäude. Gleich wird sie ihr erstes Probeshooting haben, „MGM“-Chef Marco Sinervo hat sie als Model entdeckt.

Ein halbes Jahr später im heimischen Garten in Bienenbüttel. Joline Heitmann — Brille, grauer Strickpullover, die Haare lose im Nacken zusammengebunden — sitzt auf einem Stuhl am Goldfischteich und lächelt für den LZ-Fotografen in die Kamera. „Stören die Schuhe nicht?“, fragt ihre Mutter. Die 16-Jährige wirft einen Blick auf ihre ausgebeulten, braunen Birkenstock-Schlappen, dann zuckt sie mit den Achseln, lächelt wieder. Der Fotograf knipst weiter.

Viele junge Mädchen träumen von einer Modelkarriere, Joline Heitmann verschwendete früher keinen Gedanken daran. „Ich habe immer auf dem Dorf gewohnt, da war das nie Thema“, sagt sie. Inzwischen hat die frisch gebackene Realschulabsolventin auf der Terrasse vor dem Haus Platz genommen, auf dem Tisch vor ihr liegen aufgeschlagene Magazine. Die Seiten zeigen Fotos einer hübschen Blondine im schwarzen Bikini.

Traummaßen 84-59-89

„Als ich mich zum ersten Mal selbst in einer Zeitschrift sah, war das schon komisch“, sagt Joline Heitmann. An ihrem Körper hat die Bienenbüttelerin nichts auszusetzen: Bei einer Körpergröße von 1,77 Metern kann sie mit den Traummaßen 84-59-89 aufwarten. Die junge Frau machte sich vielmehr Gedanken um die Reaktionen auf die Fotos: „Es sind ja nicht unbedingt wenige Leute, die diese Bilder sehen.“

Selbst ihren Freundinnen erzählte die gebürtige Uelzenerin erst einmal nichts von dem Probeshooting — zu groß war die „Angst vor Trara“. Erst durch die Veröffentlichung der Bilder in einem Magazin erfuhren die Mädels davon. Doch die befürchteten, neidischen Kommentare blieben aus — bis heute. „Meine Freundinnen finden das ganz toll“, sagt Joline Heitmann. Und auch sie selbst findet immer mehr Spaß am Modeln. „Man hat immer was zu Lachen, alle sind lustig drauf und nett zu mir.“

An rund 20 Castings in Miami, New York und Hamburg hat die junge Frau seit Januar teilgenommen, acht Mal wurden ihre Fotos bislang schon in Print und Fernsehen veröffentlicht. Sogar das legendäre Dessous-Label „Victorias Secret“ hat bereits ein Probeshooting mit ihr gemacht. Joline Heitmann wird von vielen eine große Karriere vorausgesagt, doch sie selbst bleibt am Boden. Mit dem Geld, das sie durch ihre Model-Aufträge verdient, möchte sich die Bienenbüttelerin vor allem ihre dreijährige Ausbildung zur Physiotherapeutin finanzieren.

Wie es danach weitergehen soll, weiß sie noch nicht. „Ich finde, mit 16 ist es ganz schön schwer, sich festzulegen“, sagt sie. Aber Ideen und Talente hat Joline Heitmann genug. Seit einem Jahr besucht sie die Schauspielschule in Hamburg, kann sich vorstellen, Sportmedizin oder Physiotherapie zu studieren. Und natürlich bleibt auch das Modeln eine Option. „Ich gucke mal, was kommt“, sagt die junge Frau. „Wenn man sich Ziele setzt und sie nicht erreichen kann, ist man enttäuscht. Wenn man unerwartet etwas schafft, freut man sich umso mehr.“