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Tiefbauamts­chefin Uta Hesebeck erläutert Anwohnern am Ochtmisser Kirchsteig, wie die Straße umgebaut wird. Schon heute gilt dort Tempo 20 und eine Gewichtsbegrenzung von 3,5 Tonnen. Foto: be
Tiefbauamts­chefin Uta Hesebeck erläutert Anwohnern am Ochtmisser Kirchsteig, wie die Straße umgebaut wird. Schon heute gilt dort Tempo 20 und eine Gewichtsbegrenzung von 3,5 Tonnen. Foto: be

Am Ochtmisser Kirchsteig sollen Autos noch langsamer fahren

ca Lüneburg. Wer im unteren Teil des Ochtmisser Kirchsteigs wohnt, ist gebeutelt. Zwischen Herderschule und Kreisel an Mönchsgarten gibt die Erde nach. Häuser stellen sich schief und müssen vor dem Auseinanderreißen mit Ankern gesichert werden. Die Nachbarn sind sich sicher, neben den Senkungen des Bodens verschärfen durch den Verkehr verursachte Erschütterungen die Schäden noch. Es hat gedauert, doch am Freitag kam Oberbürgermeister Ulrich Mädge mit der Spitze von Bauverwaltung, Ordnungsbehörden und Polizei zum Ortstermin. Gut eine Stunde riegelte die Verwaltung die Straße ab.

Höhen-Sperre für Lastwagen

Mancher der rund 30 Anwohner musste sich Luft machen, einfach, weil er sich hilflos fühlt gegen die Gewalt der Natur und die Stadt, die aus Sicht von Hausbesitzern zu wenig tut. Nun scheinen erste Schritte möglich. Zwar sperrt das Rathaus den Abschnitt aus rechtlichen Gründen und um den Verkehr nicht in andere Straßen zu drängen nicht komplett, aber der Verkehr soll ausgebremst werden. Aufatmen bei den Bürgern: Sie werden für die geplanten Maßnahmen nicht zur Kasse gebeten.

Verkehrsdezernent Markus Moßmann erläuterte, dass in Höhe Kreisel und Schule zwei Höhenbegrenzer installiert werden. Durchfahrtshöhe maximal 3,10 Meter, Krankenwagen schlüpfen darunter durch, Laster nicht. Die „Stopper“ können zur Seite geräumt werden, um etwa Tanker mit Heizöl passieren zu lassen. Der Schlüssel wird bei einem Nachbarn oder bei der Abwassergesellschaft deponiert. Mädge sagte: „Es ist ein Experiment.“ Denn man wisse nicht, wie oft die Begrenzungen abgefahren würden.

Uta Hesebeck vom Tiefbauamt erklärte, dass die Straße quasi tapeziert wird: Der rote Fahrradstreifen werde mit relativ feinem Gerät erschütterungsarm abgefräst, dann streiche man eine Mischung aus Bitumen und Splitt auf die Straße. So sollen Risse und Unebenheiten, so gut es geht, ausgeglichen werden. Dadurch sickere auch weniger Wasser in den Untergrund. Zudem soll in einem zweiten Schritt an drei Stellen der Asphalt gegen ein Betonpflaster ausgetauscht werden. Dann könne man Schäden und Absackungen schneller beheben.

Diskussionen um den Radstreifen

Diskussionen gab es um den Radstreifen. Anwohner finden ihn problematisch, weil Radfahrer Autos rechts überholten, Motorrollerfahrer ihn nutzten. Immer wieder komme es zu kritischen Situationen. Die Stadt hielt gegen: Eltern der Herderschule erachten die Piktogramme und den Schutzstreifen für nötig, damit Schüler sicher fahren können. Über das Thema will die Stadt mit Schule und Nachbarn noch einmal sprechen, um einen Kompromiss zu finden.

Vier Verkehrsinseln gibt es, sie sollen wie Bremsen wirken. Die Nachbarn monieren: Sie sind schlecht zu erkennen, zu schmal und verrückbar. Autos seien dagegen gefahren, auch für Radler seien sie gefährlich. Nachbarn boten an, die Ovale zu bepflanzen. Die Stadt überlegt, die Inseln breiter zu machen, sodass sie tatsächlich eine halbe Fahrbahnbreite überdecken. Überdies sollen vier neue Inseln kommen, die dann schon in Höhe des Sportplatzes liegen, auch sie sollen wir Bremsklötze wirken.

Vertreter von Abwassergesellschaft, Energie- und Wasserversorger sowie von der Müllabfuhr erklärten, auch sie hätten reagiert. Gas- und Wasserleitungen würden alle halbe Jahr kontrolliert, nun werde es viermal pro Jahr sein. Man überlege zudem, bei der Müllabfuhr kleinere, leichtere Fahrzeuge einzusetzen. Mit den Unternehmen, die den Gelben Sack und das Altpapier abfahren, wolle man sprechen.

Mit den vorbereitenden Arbeiten kann laut Uta Hesebeck voraussichtlich schon Ende des Monats begonnen werden.

Der Boden gibt nach, aber etwas langsamer

Die Erde senkt sich weiter am Ochtmisser Kirchsteig, um die 20 Zentimeter pro Jahr. Doch das Tempo war schon höher, es scheint sich im Moment etwas abzuschwächen. Diese Botschaft brachte Thorsten Trapp mit. Der Geologe beobachtet die Veränderungen in dem Gebiet seit Jahren für die Stadt. Nachdem sich überraschend kürzlich in einem Garten nahe eines Wohnhauses ein tiefer Krater aufgetan hatte, hatte Trapp das Gelände mit einem Bodenradar absuchen lassen. Das kann bis in sieben Meter Tiefe „schauen“. Ergebnis: keine weiteren Hohlräume zu erkennen. Das schließe aber nicht aus, dass sich der Boden erneut auftue. Die Senkungen sind besonders stark in einem Zentrum, das zwischen Straße und Michaelis-Friedhof liegt.

Stadtbaurätin Heike Gundermann hatte eine Idee von Trapp aufgegriffen. Man könne zur Sicherheit Netze in den Boden einbringen. Das sei aber aufwändig und je nach Auswahl teuer für die Anwohner. Die sollten überlegen, ob sie das möchten.

Da fünf bis sechs Grundstücke betroffen seien, könne es sinnvoll sein, dass sich die Anlieger zusammentun. Denn man müsse den Boden aufgraben, die Netze, damit sie halten, mit Schotter beschweren. Sie empfahl, dass sich die Nachbarn absprechen, um sich dann mit der Stadt zusammenzusetzen. ca

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3 Kommentare

  1. Am Ochtmisser Kirchsteig sollen Autos noch langsamer fahren.
    wer sein wagen liebt, der schiebt.

  2. Ich verstehe nicht, warum es nicht einfach eine reine Anliegerstraße werden kann. Und die Stadt müsste konsequent kontrollieren- bringt Geld ins Säckel. Es gibt sehr einfache Ausweichmöglichkeiten.
    Wenn die Straße irgendwann ins Nichts absackt, ist da schließlich auch Ende mit Durchfahrt.

    Die Stadt handelt hier meines Erachtens deutlich zu wenig und zu inkonsequent.

    • Wenn die Gefahr so groß ist, das etwas ins Nichts absackt, sollte man die Anwohner evakuieren und abreißen.. (Siehe Frommestrasse).