Aktuell
Home | Lokales | Bleckede | Ein Schlosspark für alle
7295498.jpg

Ein Schlosspark für alle

Von Ina Freiwald
Bleckede. Im weiten Grün des Bleckeder Elbschloss-Geländes standen Zelte mit bunt bemalten Schildern. Auch die Menschen waren bunt: Kinder verschiedenster Nationalitäten sprangen herum, Menschen aller Altersgruppen saßen auf Strohballen zusammen und plauderten, an den Tischen genossen sie die Köstlichkeiten aus der internationalen Küche.

„Unser Fest ist wirklich gut gelungen“, stellte Organisatorin Sabine Wölk-Rötzer zufrieden fest. Mit Nora Huenges, Sabine Eley und Maria Neumann übernahm sie den Hauptpart für die Vorbereitung der Veranstaltung „Come together“ der Willkommensinitiative Bleckede. „Wir wollten hier die Leute noch besser zusammenbringen, und das ist uns offensichtlich wunderbar geglückt.“ Am guten Gelingen waren aber auch zahlreiche freiwillige Helfer beteiligt. Sabine Wölk-Rötzer deutete auf das Essenszelt im Hintergrund. „Die Männer aus Afghanistan haben beispielsweise die ganze Nacht gekocht.“ Für eine kleine Spende wurden von ihnen alle Gäste mit Reis- und Nudelgerichten, Salaten und Mehlspeisen versorgt.

Mitreißende Auftritte

Von der Bühne her erklangen die sanften Klänge einer Tanpura, ein Trio zelebrierte syrisch-kurdische Volksweisen. Zur Eröffnung bedankten sich von dort aus mehrere Repräsentanten der in Bleckede vertretenen Länder Syrien, Irak und Iran für die herzliche Aufnahme in Deutschland. Bürgermeister Jens Böther hielt eine Willkommensrede, die von Freiwilligen übersetzt wurde. Im Anschluss sang der rund dreißigköpfige Chor der St.-Jacobi-Kirchengemeinde unter der Leitung von Jan Peter Heine die Lieder „African Halleluja“ und „Wenn du mich fragst, wohin geht die Reise“. Es folgten mitreißende Auftritte afrikanischer und bulgarischer Volkstänzer, bis iranische DJs mit Pop aus ihrer Heimat die Nacht einläuteten.

Das friedvolle Miteinander sollte jedoch auch genutzt werden, sich über die Situation der Flüchtlinge Gedanken zu machen. Denn derzeit planen Behörden bereits den Ernstfall, sollte das EU-Türkei-Abkommen scheitern. So bleibt auch die Notunterkunft des Landes in Sumte vorerst besetzt. Tiessomba Toure hat dort gelebt und im Rahmen des Projekts „Die deutsche Sprache — erste Schritte“ Mitbewohner unterrichtet. Mit dem Initiator der Multiplikatoren-Schulungen, Dieter Schmidt, sprach er auf dem Fest über seine weiteren Entwicklungsschritte. „Ich mache jetzt eine Ausbildung zum Metallbauer in Radegast“, verkündete er stolz.

So wie ihm soll möglichst vielen Flüchtlinge die Chance gegeben werden, Fuß zu fassen, Teil der Gesellschaft zu werden. Die Voraussetzungen dafür sind nicht immer leicht, werden auch geprägt vom Schicksal des jeweiligen Flüchtlings. So antwortet Ahmed Zaiden aus dem Iran auf die Frage, ob er allein in Deutschland sei: „Ja, leider, von meiner Familie lebt niemand mehr. Sie sind alle vom IS getötet worden.“ Auf seinem Handy zeigte er Fotos von Schachspielen aus Holz, die er selber fertigt. „Die kann ich auch hier verkaufen, denn Schach wird auf der ganzen Welt gespielt.“