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Detail-Besprechung vor dem Gebäude 40 der ehemaligen Schlieffenkaserne, wo die Kita im Oktober öffnen soll: (von links) Wiebke Krohn vom Arbeitgeberverband, Ilona Lindhorst von PädIn und Pia Steinrücke von der Stadt. Der Standort in unmittelbarer Nähe zum Gewerbegebiet Hafen sei ideal für dort beschäftigte Eltern. Foto: t&w
Detail-Besprechung vor dem Gebäude 40 der ehemaligen Schlieffenkaserne, wo die Kita im Oktober öffnen soll: (von links) Wiebke Krohn vom Arbeitgeberverband, Ilona Lindhorst von PädIn und Pia Steinrücke von der Stadt. Der Standort in unmittelbarer Nähe zum Gewerbegebiet Hafen sei ideal für dort beschäftigte Eltern. Foto: t&w

Chef sorgt für den Kita-Platz

Von Alexander Hempelmann
Lüneburg. Wenn Chefs neue Mitarbeiter suchen oder gute halten wollen, sind Bezahlung und Karriereperspektiven nicht alles. Wer Kinder hat, für den spielt bei der Wahl des Arbeitsplatzes auch eine große Rolle, wie er Job und Familie unter einen Hut bringen kann. Jetzt gibt es für Lüneburger Unternehmen die Möglichkeit, beim aktuellen und künftigen Personal in dieser Frage zu punkten: Sie können sich quasi in eine Kita einkaufen und dort Plätze für den Nachwuchs ihrer Mitarbeiter sichern. Die etwas andere Kita öffnet im Oktober.

Stadt sieht keinen Bedarf für eine 24-Stunden-Kita

Die Nachfrage nach Kita-Plätzen, die über vier Stunden Betreuungszeit pro Tag hinausgehen, ist groß in Lüneburg. Und wer im Schichtdienst arbeiten muss oder einen Acht-Stunden-Tag außerhalb Lüneburgs hat und jeweils An- und Abfahrtszeiten hinzuaddieren muss, ist bei der Kinderbetreuung in der Regel auf Unterstützung von Omas und Opas oder Freunde angewiesen. Gerade jene Eltern, die beide berufstätig sind. Das haben längst auch Unternehmen festgestellt. Bereits vor vier Jahren haben im Industriegebiet Hafen ansässige Betriebe deshalb gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband den Förderverein Hafenkids gegründet mit dem Ziel, den Kindern der Mitarbeiter einen verlässlichen ganzjährigen Betreuungsplatz mit flexiblen Betreuungszeiten zu bieten.

In Zusammenarbeit mit der Stadt scheint mit der neuen Kita im Hanseviertel nun ein entscheidender Schritt auf dem Weg dorthin getan. Lüneburgs Sozialdezernentin Pia Steinrücke sagt: „Wir haben bei der Planung eng mit dem Arbeitgeberverband zusammengearbeitet und die Bedarfe der Unternehmen abgefragt. Dabei hatten wir vor allem die Eltern im Blick, die voll berufstätig sind. Denn eine verlässliche Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal ist aus unserer Sicht besser als ein ständiger Wechsel der Bezugspersonen, wenn mal der Nachbar und mal die Tante einspringen muss. Für eine 24-Stunden-Kita aber sehen wir als Stadt — mal abgesehen von der pädagogischen Beurteilung — keinen Bedarf.“

Drei Krippengruppen für jeweils bis zu 15 unter Dreijährige

In der neuen Kita, die mit drei Krippengruppen für jeweils bis zu 15 unter Dreijährige und einer Regelgruppe für 23 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren starten soll, können Kinder bis zu zehn Stunden pro Tag betreut werden. Morgens öffnet die Einrichtung um 6.45 Uhr, abends schließt sie um 19.30 Uhr, die Bring- und Abholzeiten sind flexibler gestaltet als in den meisten anderen Einrichtungen. Bei entsprechendem Bedarf könnte die Öffnung sogar bis 22.15 Uhr ausgedehnt werden. Auch im Sommer wird die Einrichtung durchgängig geöffnet bleiben und nicht wie andere Kitas eine mehrwöchige Pause einlegen. Gerade hat die Pädagogische Initiative den Zuschlag als Träger bekommen, unter deren Regie bereits die Kita WigWam am Zeltberg läuft. Geschäftsführerin Ilona Lindhorst sagt: „Eine erfahrene Leiterin haben wir schon, wir suchen jetzt Personal.“ Alles im allem soll das Team 15 Mitarbeiter umfassen.

50 Prozent der Plätze sollen an Unternehmen vergeben werden, die so die Betreuung des Nachwuchses ihrer Mitarbeiter sicherstellen können, die andere Hälfte wird frei vergeben wie in den anderen städtischen Einrichtungen. Die ersten Betriebe haben sich bereits Plätze gesichert. „Familienfreundlichkeit ist für viele Arbeitgeber in Lüneburg zu einem Kernthema der Personalpolitik geworden“, weiß Wiebke Krohn vom Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen. Neben den fest gebuchten Belegplätzen ab Oktober hätten Unternehmen schon 33 Vormerkungen ab 2017 hinterlegt. Die Betriebe zahlen dafür einen noch zu taxierenden Betrag an die Stadt, der zum von den Eltern zu zahlenden Kita-Beitrag hinzukommt. Günstiger wird es für Eltern also nicht, sie haben lediglich die Sicherheit des Betreuungsplatzes, um den sie sich dann nicht selbst kümmern müssen.

2 Kommentare

  1. Stadt sieht keinen Bedarf für eine 24-Stunden-Kita
    die stadt lebt hinter dem mond? wenn es diese kita gibt, wird sie auch in anspruch genommen. die wirtschaft ist nun mal so gemein und nimmt gern den kindern ihre eltern weg.

    • Da muss ich Klaus mal Recht geben. Es besteht für jede Art von Kita Bedarf (besonders in LG). Viele Pendler nach Hamburg, das heißt früh aufstehen .. spät nach Hause…Schichtarbeit … Viele junge Familien. Und die Plätze in den Kitas sind sowieso sehr rar. Spreche da aus eigener Erfahrung. Da muss LG noch viel Hausaufgaben machen.