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Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.) und Klinik-Geschäftsführer Dr. Michael Moormann (r.) zeigen DGB-Chef Hartmut Tölle die Baustelle für den Ausbau des Hauses an der Bögelstraße. Foto: t&w
Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.) und Klinik-Geschäftsführer Dr. Michael Moormann (r.) zeigen DGB-Chef Hartmut Tölle die Baustelle für den Ausbau des Hauses an der Bögelstraße. Foto: t&w

DGB-Chef schwärmt für Lüneburg

Von Carlo Eggeling
Lüneburg. Die Stadt kenne er, sagt Hartmut Tölle, doch gefehlt habe ihm ein „interner Einblick: Warum entwickelt sich die Stadt so, wie sie sich entwickelt?“. Da boten sich dem niedersächsischen DGB-Chef gestern prominente Stadtführer an — unter anderem Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Und wie das so ist bei Stadtführungen, man lernt vor allem die schönen Seiten einer Stadt kennen. Der Gewerkschaftsboss schwärmte dann vom Modell Lüneburg, das zukunftsweisend sei und sich für den Bürger rechnet. Tölle meinte damit den Konzern Stadt: Das Rathaus ist über Tochtergesellschaften gut aufgestellt, zum Beispiel durch eine überwiegend kommunale Wohnungsgesellschaft und die Gesundheitsholding, zu der das Klinikum, die Psychiatrische Klinik und das SaLü gehören.

Land und Bund sollen Kommunen mehr Geld geben

In einem Besprechungsraum des Klinikums saßen bei Pflaumenkuchen und belegten Brötchen noch weitere Herren, die Tölle ihren Lüneburg-Part erläutert hatten: der Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum, Prof. Dr. Torsten Kucharzik, sein kaufmännischer Kollege Dr. Michael Moormann und Klaus-Dieter Salewski, SPD-Fraktionschef im Rat und als Gewerkschafter Vertreter der Versicherten im Verwaltungsrat der Krankenkasse AOK. Da sitzt auch Tölle.

Dass Kommunalwahlkampf herrscht, ist natürlich Zufall. Der Besuch sei schon lange vorher vereinbart worden, sagte der Oberbürgermeister, der als Verwaltungschef allerdings nicht zur Wahl steht. Ein wenig offen blieb, was Tölle eigentlich an der Ilmenau wollte, außer sich zu informieren. Beim anschließenden Pressegespräch bewies der 63-Jährige vor allem den Schulterschluss mit Mädge: Das Land, vor allem aber der Bund müssten mehr Geld an die Kommunen durchreichen, gerade in Sachen Flüchtlinge.

Pauschale pro Flüchtling sei zu gering

„Zentralismus hat seine Grenzen, vor Ort weiß man am besten, was zu machen ist“, stimmte Tölle ein Stück an, dessen Refrain Lüneburgs Oberbürgermeister immer wieder im Rat oder auch im Präsidium des Niedersächsischen Städtetages singt. Mädge lieferte die Melodie: Die Pauschale pro Flüchtling sei zu gering, es gebe anders als in Bayern und Nordrhein-Westfalen keine zusätzlichen Mittel für Schule, Krippen- und Kitaplätze, das vielfältige Angebot der Sprachkurse sei nicht klar genug. All das sei notwendig für die Integration der Neubürger.

Nun ist es immer schwierig, wenn man in die Kassen von anderen greifen möchte. Land und Bund haben immer Schwierigkeiten mit dem Gehör, wenn die Provinz stärker in das Konzert eingebunden und an den Einnahmen beteiligt werden möchte. Da sind Dissonanzen zu erwarten.

Tölle glaubt, es gehe auch ohne. In Gesprächen in Hannover mit Ministerpräsident Stephan Weil möchte er für kommunale Forderungen trommeln. Der Gewerkschafter will klarmachen, dass man den eigenen Mitgliedern empfehlen kann, was aus gewerkschaftlicher Sicht dienlich ist: „2018 sind Landtagswahlen.“

So hat sich die gewerkschaftlich-kommunale Sightseeingtour für den Taktiker Mädge gelohnt: Der DGB und die Städte haben gemeinsame Interessen.