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Der Landkreis ist für mögliche Katastrophenfälle gut gerüstet, sagt Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. In der Vergangenheit habe man gezeigt, dass man Tausende Hilfskräfte anwerben und über Tage führen könne, wie hier beim Sandsack-Füllen während des Elbehochwassers 2013. Foto: A/be
Der Landkreis ist für mögliche Katastrophenfälle gut gerüstet, sagt Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. In der Vergangenheit habe man gezeigt, dass man Tausende Hilfskräfte anwerben und über Tage führen könne, wie hier beim Sandsack-Füllen während des Elbehochwassers 2013. Foto: A/be

Erster Kreisrat lehnt das Hamstern ab

Von Klaus Reschke

Lüneburg. Welches Katastrophen-Szenario wäre denkbar, das eine Bevorratung mit Lebensmitteln und Trinkwasser für zehn Tage notwendig machen könnte? Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer denkt lange nach, bevor er antwortet: „Ich persönlich kann mir kein Ereignis vorstellen, bei dem das wirklich Sinn machen würde!“ Gestern stellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière offiziell die Fortschreibung des Zivilschutzkonzeptes vor, das seit Tagen bereits kontrovers in der Bevölkerung diskutiert wird, speziell die Aufforderung, sich mit Lebensmitteln für den Ernstfall einzudecken (LZ berichtete). Da stellt sich die Frage: Wie sieht es mit dem Katastrophen- und Zivilschutz vor Ort aus? Ist der Landkreis schon jetzt für alle Eventualitäten gewappnet oder war die Überarbeitung des Konzeptes dringend notwendig?

Die zurückliegenden „Jahrhundert-Hochwasser“ an der Elbe richteten große Schäden an, hatten aber rückblickend auch ihr Gutes: „Denn dadurch haben wir unser Katastrophen- und Einsatzkonzept ständig optimieren müssen“, sagt Krumböhmer. Feuerwehren, THW, die Rettungsdienste DRK und ASB und bei Bedarf auch die Bundeswehr arbeiteten seinen Worten zufolge gut zusammen. Und die Hochwasser-Ereignisse hätten gezeigt: „Wenn es die Lage erfordert, schaffen wir es, etliche 1000 gut ausgebildete Hilfskräfte auf die Beine zu stellen und zu führen“, sagt Krumböhmer.

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer sieht keinen Grund zum Hamstern, also einen Notvorrat für sich und seine Familie zu bunkern. Foto: A/t&w
Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer sieht keinen Grund zum Hamstern, also einen Notvorrat für sich und seine Familie zu bunkern. Foto: A/t&w

Wenn es die Lage erfordert…! Für den Ersten Kreisrat ist es das entscheidende Stichwort. Er kann sich kaum vorstellen, dass die Bevölkerung in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland über Tage und Wochen von jedweder Versorgung abgeschnitten wäre. „Dann müssten das schon nationale oder globale Katastrophen sein!“ Und in einem solchen Fall würde wohl auch kaum noch der zehntägige Notvorrat weiterhelfen.

Und was sagt das Innenministerium? „Es geht nicht darum, die Bevölkerung zu verunsichern oder auf konkrete Bedrohungen einzustimmen. Aber bei behördlichen Vorbereitungen müssen wir gründlich und ursachenunabhängig planen, wie wir zum Beispiel mit großflächigen Stromausfällen, langanhaltenden Hochwassern oder Starkregenereignissen umgehen. Dazu gehört eben auch die Überlegung, wie wir mit kriegsbedingten Gefahren und schwersten inneren Notständen umgehen würden“, sagt Pressesprecherin Lisa Häger auf LZ-Anfrage. Das Ministerium halte daher das Anlegen von Vorräten für vernünftig.

Krumböhmer sagt: „Ich glaube nicht, dass diese Diskussion klug ist.“ Der stellvertretende Kreisverwaltungschef fürchtet, dass dadurch die diffuse Angst in der Bevölkerung vor IS-Terror und Anschlägen noch weiter geschürt werde. Eine konkrete Bedrohungslage für sich und seine Familie kann der Erste Kreisrat jedenfalls nicht erkennen, sagt deshalb: „Natürlich kann jeder einen Notvorrat anlegen, wenn das seinem Sicherheitsgefühl dient ich werde das aber nicht tun!“
Jürgen Krumböhmer vertraut dem Katastrophenschutzkonzept des Landkreises: „Wir sind gut gerüstet“. Und eine hundertprozentige Garantie gebe es sowieso nicht.

3 Kommentare

  1. Wer glaubt, immer nur darauf vertrauen zu können, dass der Staat schon alles richten werde, wird irgend wann sein blaues Wunder erleben. Was spricht denn dagegen, wenn die Haushalte ein paar Flaschen Wasser, ein paar Konserven und ein paar Kerzen und Batterien für alle Fälle zurücklegen? Das hat doch nichts mit „Panikmache“ zu tun. Schon ein längerer Stromausfall. bei dem die Tiefkühltruhe auftaut und abends keine Lampen mehr funktionieren, kann eine entsprechende Vorsorge rechtfertigen. Das SPD-Mitglied Krumböhmer täte gut daran, den Empfehlungen des Bundesinnenministeriums nicht aus durchsichtigen politischen Erwägungen entgegen zu treten.

  2. Lüneburg. Knapp 500 Patienten, Ärzte und Pfleger hätten dort 14 Tage lang autark und atombombensicher überleben können, doch das ehemalige Hilfskrankenhaus unter dem Schulzentrum Oedeme im Westen Lüneburgs hat ausgedient. Jetzt sucht der Landkreis nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für die 4000 unterirdischen Quadratmeter.
    Katastrophenschutz Landkreis?
    Sie sollten der Bevölkerung im Notfall Hilfe bieten!
    Zwischen 1965 und 1990 ließ die Regierung in der damaligen Bundesrepublik die sogenannten Hilfskrankenhäuser einrichten – oberirdisch und unterirdisch. Sie sollten im Falles eines Angriffs mit Atom-, Bio- oder Chemiewaffen zum Einsatz kommen oder wenn die normalen Krankenhäuser im Katastrophenfall überlastet wären. Von etwa 160 Behelfskliniken bundesweit entstanden 22 komplett unter der Erde, in Niedersachsen neben Dissen in Syke, Lüneburg, Bad Bederkesa, Zeven, Bad Bentheim, Walsrode, Stade und Oldenburg.

    Was macht Ihr Eigentum Herr J.K.?

    Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entschied die Bundesregierung, dass die unterirdischen Hilfskrankenhäuser nicht mehr gebraucht würden. Sie wurden deshalb in zivile Schutzräume umgewandelt und mithilfe von Zuschüssen aus Bundesmitteln weiter unterhalten. 2004 entschied das Parlament schließlich, die Wartung der Hilfskrankenhäuser einzustellen – 2007 wurde auch das Schutzraumkonzept aufgegeben und die finanzielle Unterstützung gekappt. Seitdem sind die Kommunen, der Landkreis oder private Träger für die Reliquien des Kalten Kriegs zuständig.

  3. wenn das volk glaubt, es kann sich bei einem krieg in die bunker retten, kann der krieg beginnen. das erwachen wird meistens dann sehr schwierig werden.