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Wenn es nach dem Gutachter geht, ist die Zeit der reinen Einfamilienhaus-Siedlungen, wie hier Hofkoppeln I in Radbruch, vorbei. Foto: t&w
Wenn es nach dem Gutachter geht, ist die Zeit der reinen Einfamilienhaus-Siedlungen, wie hier Hofkoppeln I in Radbruch, vorbei. Foto: t&w

Strategie für neue Baugebiete gefordert

Von Dennis Thomas
Lüneburg. Der Traum vom Einfamilienhaus im Grünen in und um Lüneburg wird immer seltener Realität werden. „Das Einfamilienhaus soll nicht mehr das Maß aller Dinge sein“, sagte Felix Arnold vom Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung „Gewos“. Die Lüneburger Kreisverwaltung hatte das Institut beauftragt, eine Wohnraumanalyse zu erstellen, um den Wohnungsbau-Bedarf bis 2030 zu ermitteln (LZ berichtete). Um den Herausforderungen in der Zuzugsregion Lüneburg zu begegnen, müssen Kreis, Stadt und umliegende Kommunen bei der Planung neuer Baugebiete umdenken. Das wurde gestern bei der dritten Wohnraumkonferenz in der Ritterakademie deutlich.

Das Ziel bis 2030

„Die Neubaubedarfsprognose zeigt, dass bis 2030 rund 2100 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern in der Hansestadt und rund 2800 im übrigen Landkreis errichtet werden müssen“, sagte Landrat Manfred Nahrstedt vor rund 100 Teilnehmer aus Politik und Verwaltung von Stadt, Kreis und Kommunen. Der überwiegende Bedarf bestehe in der Stadt und ihren Nachbarkommunen, im Lüneburger Speckgürtel. Zudem müsste die Hälfte des bis 2030 ermittelten Neubaubedarfs bereits bis 2020 gebaut sein. Nahrstedt: „Das ist kaum möglich.“ Umso wichtiger sei es, dass die Kommunen als Inhaber der Planungshoheit an einem Strang ziehen.

Stadt und Kreis legen vor

Ein Instrument zur Schaffung von preisgünstigem Wohnraum sei eine verbindliche Quote. Das hat laut Oberbürgermeister Ulrich Mädge die Stadt Lüneburg bereits im Hanseviertel durchgesetzt und eine Quote von 20 Prozent festgelegt, die für den geförderten Wohnungsbau vorgesehen ist. Mädge: „Und wir werden künftig auf 30 Prozent hochgehen.“ Wie berichtet hat die Stadt dazu ihr eigenes Wohnungsbauprogramm „Zwanzig 21“ bereits gestartet. Auch der Kreis hat eine neue Förderrichtlinie formuliert, um Anreize für Investoren zu schaffen. Dafür stehen jährlich 500000 Euro bereit. Für die geplante Kreissiedlungsgesellschaft soll im Herbst der Entwurf des Gesellschaftervertrags vorgelegt werden.

Appell an Kommunen

Weil die Bereitsstellung von Bauflächen ein Hauptproblem sei, müssten sich die Gemeinden vom Bild des Einfamilienhauses im Grünen lösen, mehr auf Verdichtung im Sinne einer Lückenbebauung setzen sowie auf den Geschosswohnungsbau, sagte Gutachter Arnold. Mädge sagte: „Ein Mehrfamilienhaus mit Staffelgeschoss vertragen auch Gemeinden wie Wendisch Evern oder Adendorf, wenn man es richtig einpasst.“ Zudem müssten sich Stadt und Nachbargemeinden besser bei der Baugebiets-Ausweisung absprechen im Rahmen eines „zentralen Flächenmanagements“ (Nahrstedt).

Kritik kam von Brietlingens Bürgermeisterin Jutta Bauer. Sie hielt dem Kreis das eigene Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) vor: Dort werden die Kommunen angehalten, die Ausweisung von Bauland im Vergleich zu den Jahren 2002 bis 2009 zu reduzieren. Doch jetzt sollen sie mehr Wohnraum schaffen. Dazu Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer: „Das RROP wird demnächst fortgeschrieben.“ Der Prozess dürfte aber sechs bis sieben Jahre dauern. In der Zwischenzeit müsse der Kreis mit den Kommunen Einzelfall-Lösungen finden.

Fantasie trifft auf Realität

Unterdessen haben die Kommunen längst begonnen, neue Baugebiete zu planen und umzusetzen. Beispiele nannte Norbert Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide: So würde bei einem Bauprojekt einer Mehrfamilienwohnanlage nahe dem Barendorfer Edeka-Markt die vermeintlich neue Philosophie weg vom Einfamilienhaus bereits umgesetzt. Und auf einer Hofstelle im Ortskern ist bekanntlich eine Nachverdichtung mit 16 Wohneinheiten geplant.

Meyer appellierte an die Baubehörde beim Kreis: „Denken Sie bitte darüber nach, ob für jede Lückenbebauung eine Abrundungssatzung notwendig ist.“ Doch das sieht der Kreis anders. Auf LZ-Nachfrage sagte Erster Kreisrat Krumböhmer: „Es ist wünschenswert, wenn die Kommunen dafür Bebauungspläne aufstellen.“ Ansonsten müsste der Kreis nach Paragraph 34 Baugesetzbuch entscheiden. Demnach müssen sich Neubauten „in die Eigenarten der näheren Umgebung einfügen“. Doch oft würden Nachbarn dagegen klagen. Mit B-Plänen könnten Kommunen dem Kreis die Genehmigung von Neubauten erleichtern.

Soziales Gefüge entscheidend

Laut Westergellersens Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk käme es bei Baugebieten darauf an, dass eine Kommune die Neubürger ins soziale Gefüge des Dorfes integrieren kann. Und: „Mit der Förderung von sozialem Wohnungsbau allein ist es nicht getan. Wir brauchen auch bessere Anbindungen an den ÖPNV.“ Das sah Radbruchs Bürgermeister Achim Gründel ähnlich. Zwar könne Radbruch von der Fläche her theoretisch alle Siedlungsprobleme des Kreises lösen, allerdings sei dem Wachstum eine andere Grenze gesetzt: Die orientiere sich am sozialen Gefüge und der Infrastruktur wie Krippe und Grundschule. Derzeit entwickelt Radbruch mit Hofkoppeln II ein Baugebiet mit 62 Wohnhäusern, darunter ein Mehrparteienhaus. Es sei zunächst das letzte größere Baugebiet der Kommune. Mit derzeit 2100 Einwohnern sei eine gute Größe erreicht, „sonst kippt die Dorfgemeinschaft“, so Gründel.

One comment

  1. es darf gelacht werden. wie war das noch mit dem verdichten nach innen? dichter und denker in der lokalpolitik? dchter stimmt. es kommt eben nicht von ganz dicht. schmunzel.