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Brigitte Mertz aus Neetze ist Spitzenkandidatin der SPD sowohl bei der Samtgemeindewahl als auch bei der Kreistagswahl. Die von ihr angegebene und auf den Stimmzetteln abgedruckte Berufsbezeichnung wissenschaftliche Mitarbeiterin sorgt jetzt für Irritationen und Ärger. Foto: be
Brigitte Mertz aus Neetze ist Spitzenkandidatin der SPD sowohl bei der Samtgemeindewahl als auch bei der Kreistagswahl. Die von ihr angegebene und auf den Stimmzetteln abgedruckte Berufsbezeichnung wissenschaftliche Mitarbeiterin sorgt jetzt für Irritationen und Ärger. Foto: be

„Wählertäuschung“ aufgrund einer falscher Berufsangabe?

Von Klaus Reschke
Barendorf. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, das klingt nach Hochschule, nach akademischen Weihen. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, das steht als Berufsbezeichnung auf den Stimmzetteln für die Samtgemeindewahl in der Ostheide und für den Kreistag neben dem Namen der SPD-Kandidatin Brigitte Mertz. Doch die Sozialdemokratin hat nicht studiert, und das könnte ihr jetzt einigen Ärger bescheren. Frank Maruhn vom Unabhängigen Bündnis Ostheide spricht von „Wählertäuschung“ aufgrund einer falscher Berufsangabe und hat den stellvertretenden Samtgemeindewahlleiter Dennis Neumann um Klärung der Angelegenheit gebeten.

Dass Kandidaten zuweilen versuchen, mit geschönten Lebensläufen ihre Wahlchancen zu verbessern, ist nicht neu. Jüngstes Beispiel ist die zurückgetretene SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz aus Nordrhein-Westfalen. Sie hatte weite Teile ihres Lebenslaufs frei erfunden. „Die Berufsausbildung der zur Wahl stehenden Kandidaten kann für die Wähler eine wichtige Rolle bei der Wahlentscheidung spielen“, glaubt Maruhn und setzt nach: „Falsche Berufsangaben stellen somit eine Unregelmäßigkeit bei der Wahl, also einen Wahlfehler, dar.“

Ob der Begriff „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ eine geschützte Berufsbezeichnung ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Ich habe bei meinen Recherchen nichts gefunden, was darauf hinweist“, sagt Dennis Neumann. Fest stehe allerdings: Für die Position eines wissenschaftlichen Mitarbeiters wird ein Studienabschluss benötigt — den Brigitte Mertz, wie sie selbst einräumt, nicht besitzt.

Die Neu Neetzerin arbeitet im Büro der Lüneburger SPD-Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers, ist unter anderem für die Büroorganisation und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihrer Chefin zuständig. Im Schriftverkehr und in E-Mails zeichnet sie selbst als „Mitarbeiterin Wahlkreisbüro“.

Privatleben zum Thema gemacht

Warum aus der „Mitarbeiterin“ eine „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ auf dem Stimmzettel für die Kommunalwahl am 11. September wurde? Erklärungsversuche: „In den vergangenen Jahren hatte ich Hausfrau als Berufsbezeichnung angegeben.“ Jetzt aber arbeite sie wieder, sagt die dreifache Mutter und gebürtige Österreicherin. Im Büro von Andrea Schröder-Ehlers verrichte sie die gleichen Arbeiten wie ihre Kollegin. Aber nur als „Mitarbeiterin“ auf dem Wahlzettel zu firmieren, „das erschien mir auch komisch“, sagt Mertz auf LZ-Anfrage: „Ich hätte mich vielleicht besser Parlamentarische Mitarbeiterin nennen sollen, eine Berufsbezeichnung, wie sie in Österreich üblich ist.“

Dass der politische Gegner ihr Privatleben zum Thema mache, findet Brigitte Mertz nicht gut, hakt das aber als Wahlkampf ab. Dass der Wahlleiter die Angelegenheit prüft, bereite ihr keine Sorgen: „Im Gegenteil.“

Ausgestanden aber ist die Sache wohl noch nicht. Innerhalb von 14 Tagen nach dem Urnengang kann die Wahl angefochten werden, „wenn Unregelmäßigkeiten vermutet werden“, sagt Neumann. Dann müsste der Einspruch rechtlich geprüft werden, „und der noch amtierende Samtgemeinderat entscheiden, wie man mit dem Einspruch umgehen soll“, erläutert Neumann das mögliche Procedere. Es bleibt also auch über den Wahltag hinaus spannend in der Ostheide.

45 Kommentare

  1. Hans-Dieter Tietze

    Mehr Genauigkeit von Kandidaten ist hier von Nöten. Es bleibt auch die Frage wann sich die LZ genauer mit den Aussagen auf den Wahlplakaten beschäftigt. Da fehlt mir Beispielweise der Biss bei der AFD nachzufragen wohin die anderen Parteien genau sollen, nachdem diese doch „weg können“.

    • Mehr Genauigkeit?

      Herr Tietze, hier lügt die Büroassistentin der Lüneburger SPD-Landtagsabgeordneten, Frau Schröder-Ehlers, die für den Kreistag an der Spitze kandidiert.

      Das ist Wahlbetrug, von der Mitarbeiterin von Frau Schröder-Ehlers.

      Das Mindeste wäre es, wenn die SPD-Kreispartei den Lüneburger / Neetzer Wahlberechtigten erklärt, wie sie mit ihrer SPD-Kandidatin umzugehen gedenkt, die sich eines Studiums offiziell bezeichnet, was jedoch eine Lüge und absichtliche Wählertäuschung darstellt.

      Und es IST RELEVANT FÜR MEINE WAHLENTSCHEIDUNG, ob jemand bereits politisch aktiv ist, beruflich unabhängig oder eben wissenschaftlich denkend.

      Oder dreist lügt.

      Was hat die AfD damit zu tun?
      Die SPD liefert ihr mit solchem Personal nur Wählerstimmen – und das aus gutem bzw. schlechtem Grund, nämlich Verlogenheit in eigenen Reihen, und Schweigen, wo es Probleme zuzugeben gäbe.

      Na ja, der SPD-Parteichef widerspricht sich ja innerhalb eines Jahres gleich mehrfach um 180-Grad, was sollen da Basismitglieder keine „Ungenauigkeiten“ begehen…?

      Der Fisch stinkt vom Kopf her.

      • Was hat die AfD damit zu tun?

        Die stinkt auch vom Kopf her.

        Petri Heil !

        • fundierter Beitrag zum Thema Wählertäuschung…

          Aber da Sie tapfer den Lüneburger Status-quo verteidigen:
          bitten Sie doch Andrea Schröder-Ehlers um eine Stellungnahme, was Sie als Vorgesetzte und Landtagsabgeordnete davon hält, wenn Ihre Mitarbeiterin aus ihrer Partei, der sie als Kreisvorsitzende vorsteht, falsche Berufsangaben macht zur Wahl und damit gegen das Wahlrecht handelt.

          Damit würden Sie der SPD mehr Stimmen und der AfD weniger Stimmen bringen als mit Ihrem blabla-Kommentar.

          Schade um die Zeit.

  2. Büroassistentin – ein Ausbildungsberuf, der viel abverlangt. Und eine korrekte, ehrliche und ehrenhafte Berufsbezeichnung!

    Mancher Chef wäre nichts ohne seine Assistenten…

    Aber wer SPD-Mitglied ist, und Österreicher lieben Titel, wie jede Frau Geheimrätin verrät, braucht eben mehr als schnöde Haupt- oder Realschule, auch wenn es nicht gleich wie bei den bürgerlichen Parteien ein gekaufter Doktortitel sein muss.

    Was an Frau Schröder-Ehlers Abgeordnetentätigkeit wissenschaftlich ist, sollte diese uns erklären.

    So oder so – ein Täuschungsversuch, der tief in die Wertschätzung normaler Berufe und Bürger blicken lässt.

    • Mehr Schein als sein, scheint die Devise hier zu sein. Was wäre daran so schlimm, wenn man sich als Mitarbeiterin einer Landtagsabgeordneten geroutet hätte.
      Politikverdrossen ist das Volk nicht, jedoch Politikerverdrossen,was an der Unehrlichkeit der handelnden Personen liegt.
      Wer es mit der eigenen Vita nicht so genau nimmt, dessen Politik verliert auch an Glaubwürdigkeit.
      Sie sollte überlegen, ob ie im Falle einer Wahl nicht besser auf das Mandat verzichtet….

  3. Georg Wüstenhagen

    Brigitte Mertz? Das ist doch die sympathische Dame, die vorigen Sommer in der Milchbergsiedlung vorzeitig zu Unsterblichkeit gelangte, als sie von unsinnigen Straßenbaumaßnahmen betroffenen und andersmeinenden Bürgern den Hauptpunkt ihres politisches Denkens zukeifte: „Demokratie heißt, dass ihr alle fünf Jahre wählen geht, den Rest überlasst ihr uns“, hatte die Sozialdemokratin beim ,,Frühschoppen“ zum Besten gegeben.
    (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/239958-anwohner-der-milchbergsiedlung-in-neu-neetze-laden-spd-politiker-ein)

    • Genau die ist es. Ein ehrlicher und sich berufen fühlenden Politiker sieht für mich anders aus. Die ganze Partei wird mit in den Abgrund gesogen.

    • Ach die nette Dame war das!
      Schade das ich dort nicht wohne – um diese Frau nicht zu wählen.
      Wer solch ein Verständnis von Demokratie aufweist, hat in der Politik m.E. nichts zu suchen.

    • Friedrich-Wilhelm Heinze

      Na, ich weis auf alle fälle, welche Partei ich bei der Kommunalwahl NICHT wähle. Aber bei den Milchbergaussagen pp. war mir das von vornherein klar!

  4. Glückwunsch und Umarmung, Petra Hinz (SPD)!

    Als einfache Bundestagsabgeordnete aus Essen sind Sie auch in Neetze für viele Menschen zum Vorbild geworden. Sie haben allen Unterprivilegierten gezeigt, daß man in der Partei der kleinen Leute mit den großen Ambitionen auch ohne Abitur und akademischen Abschluß eine glänzende Karriere hinlegen kann. Daß man kein juristisch gebildeter CDU-/CSU-Abgeordneter sein muß, um seine Mitarbeiter nach Herzenslust und Gutsherrenart zu schurigeln. Und daß man, wenn die grandiose Köpenickiade dann leider aufgeflogen ist, die albernen Ultimaten von irgendwelchen SPD-Granden zum sofortigen Mandatsverzicht selbstverständlich folgenlos verstreichen lassen kann, wenn man nur die innere Größe besitzt, diese Herren so lächerlich aussehen zu lassen, wie sie es nun einmal sind.

    Uns wundert nur, Frau Hinz, daß Sie sich trotz dieser enormen Lebensleistungen so bescheiden gegeben haben. Abtauchen, die monatlichen Diäten weiterkassieren und einfach nichts von sich hören lassen? Also eigentlich wie ein ganz normales SPD-MdB!

    Wie ein solches hätten Sie jedoch auch bis 2017 durchhalten können, finden wir, zumindest wenn Sie weiterhin keinen Mucks von sich gegeben hätten. Aber denken Sie dran: Spätestens zum Ende der Legislaturperiode hätten die Wähler dann doch ein Lebenszeichen erwartet, irgendein lautstarkes Bekenntnis zu den drei ehernen sozialdemokratischen Prinzipien Opportunismus, Klassenverrat und ganz besonders große Dämlichkeit.

    In dieser Hinsicht vollends zufrieden mit Ihnen, wie natürlich auch mit Brigitte Mertz und ihrer Mitarbeiterin Andrea Schröder-Ehlers: die kleinen Leute von Barium aus der Ostheide

    • „die kleinen Leute von Barium aus der Ostheide“

      Hier hat das „Rechtschreibprogramm“ meines Computers wieder dazwischen gefunkt. Wer gestern den Tatort gesehen hat, weiß, worüber ich rede. Gemeint waren selbstverständlich ich und meine Freunde und Bekannten, also: „die kleinen Leute aus Barendorf in der Ostheide“.

      Interessant, daß Brigitte Mertz noch gar nicht auf den eleganten Schachzug gekommen ist, den Korrekturautomatismus ihrer Schreibsoftware für die abstoßende Hochstapelei auf ihren Wahlplakaten verantwortlich zu machen.

  5. wieso glaubt man eigentlich immer noch, dass alles, was sich bei den sozialdemokraten so rumtummelt auch sozialdemokraten sind? bei den grünen sind auch nicht alle grün. bei der cdu sind auch nicht alle mit christlicher einstellung unterwegs, bei der fdp weiß man grundsätzlich nur eines, es geht um das geld was man behalten will, bei den linken ,gibt es ganz linke, bei der afd ganz rechte usw. parteien eben. ha, die afd hat recht. parteien können verschwinden, sie gleich mit. schmunzel.

  6. wenn die sonne scheint in der nacht, hat es die cdu vollbracht, gibt es regen oder schnee, dann war es die spd.

    • Klaus Bruns,

      waren Sie nicht auch einmal „wissenschaftliche Assistentin“? Unter Frau Hauch? Anfang letzten Jahres hatten Sie öffentlich bekannt gegeben, Sie würden 2016 bei den Kommunalwahlen in Tripelspitze zusammen mit Ihrer resoluten Freundin Anikó und Herrn Manfred (Urgestein) Illmer die Gellersener Freidemokraten mit ziemlicher Sicherheit zu einer neuen Macht im Samtgemeinderat am Oberlauf des Kranken Heinrich machen. Warum ist daraus nichts geworden? Wurde Ihnen wie Frau Mertz arglistige Wählertäuschung vorgeworfen, als sich herausstellte, dass Sie nie Rosenkönigin in Lüneburg gewesen sind?

      • meine lieben Hinz und Kunz, es gab einmal die gebrüder grimm, die haben wie ihr beide(schmunzel) auch märchen für erwachsene verbreitet. sie waren aber erfolgreicher als ihr(beide). ich hatte zwar mal ein kurzes gespräch mit den beiden fdp-protagonisten. mit dem einen war es ganz nett, mit dem anderen weniger. und deswegen wurde ich auch nicht zur rosenkönigin gewählt. schmunzel. ähnliche gespräche hatte ich übrigens auch mit der cdu und den grünen. keiner hatte mich lieb. und das ist auch gut so. schmunzel

  7. Wählertäuschung

    (1) Wer durch Täuschung bewirkt, daß jemand bei der Stimmabgabe über den Inhalt seiner Erklärung irrt oder gegen seinen Willen nicht oder ungültig wählt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Der Versuch ist strafbar.

    Quelle: Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland in der Fassung der Bekanntmachung vom 13.11.1998 (BGBl. I S. 3322) zuletzt geändert durch Gesetz vom 03.12.2015 (BGBl. I S. 2177) m.W.v. 10.12.2015, Besonderer Teil (§§ 80 – 358), 4. Abschnitt – Straftaten gegen Verfassungsorgane sowie bei Wahlen und Abstimmungen (§§ 105 – 108e), hier § 108a

    • Neetzer Wählerin

      Sollte dann Strafanzeige gestellt werden? Oder, ist es wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen? Ich weiß es nicht. Eigentlich ist Frau Mertz viel zu unwichtig um die Justiz damit zu belangen. Auf der anderen Seite scheint sie ein großes Macht- und Geltungsbedürfnis zu haben. Auf jeden Fall ist für mich klar, dass vorgetäuschte Bildungsabschlüsse und falsche Angaben über Qualifikationen eine krasse Art von Wählertäuschung sind. Frau Schröder Ehlers und Frau Lotze sollten sich m.M. nach einmal dazu äußern. Frau Mertz muss ,freiwillig oder gezwungenermaßen ,zurücktreten.

      • manchmal stehe ich auf unfug. wer nimmt eigentlich die verantwortung über ber, phiharmonie , stuttgardt 21, leuphana usw.? ,,zurücktreten,, sollte der wähler, aber bei den richtigen und sogenannten wichtigen. und was macht er, er wählt aus gewohnheit.

        • @Antwort Klaus Bruns

          selbstverständlich sollte der Wähler überlegen, sein Kreuz auch mal woanders zu setzen und nicht gewohnheitsmäßig zu wählen. Trotzdem bleibt der Tatbestand der Täuschung und des Betrugs bestehen. Sollte Frau Mertz es zuerst auch unwissentlich getan haben, so ist sie jetzt davon in Kenntnis gesetzt. Trotzdem verteilt sie noch Flyer mit der Bezeichnung „Brigitte Mertz, wissenschaftlich Mitarbeiterin“ Dies ist ein vorsätzlicher Betrug. Einsicht hat sie leider nicht gezeigt.

  8. Balthus Doktormann

    Mir unbegreiflich, wie man derart von Ehrgeiz, Machtgier und Geltungsdrang zerfressen sein kann, dass man an, auf oder sogar über die Grenze zum Betrügen, Fälschen und Plagiieren gerät.

    • Das glaub ich Ihnen gern.

    • Mich würde mal interessieren, wie so etwas von lauernd lungernden Möchtegern-MP-Kandidaten mit Erfahrungen bei der Sicherung von Qualitätsstandards in Schule und Hochschule gesehen wird.

      • Bernd
        garnicht. sie sind selbst dabei. der club der eitelkeiten sieht es nicht so eng. entrüstung kommt immer nur dann auf, wen jemand dabei erwischt wird. in der politik sollte man auch das von sich ablenken beherrschen, wenn es ansteht. auf sich aufmerksam machen, kann fast jeder automatisch.

  9. Neetzer Wählerin

    Von Reue, keine Spur
    Es kommen immer noch Wahlflyer mit der Berufsbezeichnung „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ in die Neetzer Haushalte. Hat diese Dame kein Gewissen und kein Schuldbewusstsein?

    • @ Neetzer Wählerin

      Demokratie heißt, dass Du alle fünf Jahre Brigitte Mertz aus Neetze wählen gehst, den Rest überlässt Du gegfälligst ihr!

      Andreas Schehler-Röder

      • Demokratie heißt: sich selbst engagieren. weder klugscheißen, noch sich vor verantwortung drücken hilft weiter.nur weil die kirche es macht, ist es nicht richtig.

    • Das sehe ich genauso. Kein Wort der Entschuldigung. Jetzt ist es nicht nur ein „Versehen“ sondern realer Vorsatz!
      Die Wahl wird ungültig sein – wo bleiben die Kommentare ihrer Vorgesetzten?

  10. Zwei Tage? Eine Woche? Wie lange hält wohl das Hass-Reservoir von ein paar tausend Männern, die sich beleidigt fühlen, weil die Hauptrollen einer Hollywood-Komödie komplett mit Frauen besetzt wurden? Seit dieser Woche weiß man: deutlich länger. Am Mittwoch, also mehr als einen Monat nach dem frauenfeindlich-rassistischen Shitstorm gegen Leslie Jones, die Hauptdarstellerin von „Ghostbusters“, haben Hacker private Fotos und Daten der Schauspielerin ins Netz gestellt. Darunter eine Kopie ihres Führerscheins und ihre Handynummer.

    Die Mobbingattacke auf Jones ist leider kein Einzelfall, wie die Kommentare zum LZ-Artikel über Brigitte Mertz hier zeigen. Solche Angriffe lassen sich einreihen in ein halbes Dutzend anderer gezielt sexistischer Ausfälle gegen prominente Frauen in den vergangenen Monaten. Die anderen Opfer sind zum Beispiel Hillary Clinton, die neue britische Premierministerin Theresa May oder die ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann. Über jede von ihnen ist ein Mob aus männlichen Trollen im Netz hergezogen – mit Hass, frauenfeindlichen Sprüchen oder Theorien über eine feministische Großverschwörung – und zwar allein deshalb, weil sie Frauen sind und in einem Gebiet erfolgreich, in dem die Männer bisher größtenteils unter sich waren.

    Von der Filmindustrie über die Politik bis zum Sportjournalismus und nun auch im Kommunalwahlkampf in Neetze: Dank des jahrzehntelangen Kampfes für Gleichberechtigung kommen mehr und mehr Frauen in gesellschaftlich einflussreiche Positionen. Die Häufung der gezielten Angriffe im Netz zeigt aber, dass ein bestimmter Typ Mann damit offenbar nicht klarkommt. Der Hass auf Alpha-Frauen entspringt einer neuen männlichen Angst: der Sorge, vom Feminismus überrannt zu werden.

    Die Modernisierung der Welt, so erklären es Soziologen, hat vielen Teilen der Gesellschaft viel gebracht – einer bestimmten Gruppe aber besonders wenig: Gering qualifizierten Männern aus den Industrieländern. Gleichberechtigung oder politische Korrektheit, die liberalen Konsensthemen der letzten Jahre, begreifen einige dieser Männer nicht als Fort-, sondern als Rückschritt. Weil sie nicht davon profitieren. Was in Wahrheit der Abbau von männlichen Privilegien ist – also gesellschaftlich gesehen längst überfällig -, fühlt sich für sie an wie Diskriminierung. Und schon ist jede Frau, die öffentlich eine frühere Männerdomäne betritt, eine weitere Demütigung.

    Muss man mit diesen Männern deshalb Mitgefühl haben? Muss man nicht. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die wachsenden autoritären Strömungen – von der AfD über FPÖ und Front National bis zu den Trump-Republikanern – diese neuen Ängste bewusst thematisieren und nicht zuletzt dadurch großen Zulauf haben. Man muss den Hass auf erfolgreiche Frauen im Netz deshalb auch als Zeichen dafür lesen, dass der liberale Diskurs eine gar nicht mal so kleine Gruppe der Gesellschaft längst nicht mehr erreicht.

    • Hallo „Lüneburgerin“
      sollten Sie die sein, die hier öfter zu Recht so kritisiert wird, dann beweisen Sie einmal mehr, dass Sie es mit der Wahrheit nicht genau nehmen: dann wären Sie Neetzerin!
      Abgesehen davon sind mindestens genauso viele Kommentare über dieses Fehlverhalten von Frauen wie von Männern, was also mit Sexismus und Mobbing leider nicht zu erklären ist!
      Jeder normale Mensch würde nach solchem negativem Verhalten – es ist ja nicht das erste Mal – Konsequenzen ziehen: die Guten freiwillig, und die Anderen irgendwann gezwungener Maßen!
      Ich wähle Menschen, die etwas Gutes vertreten oder/und darstellen!

  11. Liebe Brigitte Mertz aus Neetze

    Ärgern Sie sich bitte nicht und seien Sie bloß nicht traurig, falls Sie, die Spitzenkandidatin der SPD, unter anderem wegen Ihrer kleinen Flunkerei einfach nicht wieder gewählt werden — weder in den Kreistag noch in den Samtgemeinderat.

    Auch Andrea Schröder-Ehlers blitzt mal bei Votierenden ab: «Das passiert jedem. Berühmt zu sein macht dich nicht anders», sagte die 44-Jährige der britischen Ausgabe des französischen Magazins «Marie Claire».

    Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/aus-aller-welt/357040-auch-britney-spears-blitzt-mal-bei-maennern-ab

  12. Liebe Frau Brigitte Mertz aus Neetze

    Astrophysikerin, Betriebsökonomin, Direktorin, Finanz-Sachverständige, Medienberaterin, Systemanalytikerin, Volkswirtin und – wie Ihnen Frau Hauch aus Reppenstedt bestätigen wird – Wirtschaftsjuristin sind alles ungeschützte Berufsbezeichnungen. Vielleicht informieren Sie den Verwaltungsfachangestellten und Allgemeinen Vertreter Dennis Neumann darüber, der auf der 17. öffentlichen Sitzung des Rates der Samtgemeinde Ostheide am Dienstag, dem 29. 09. 2015, im Schützenhaus in Wendisch Evern, Birkenweg 6, anlässlich der Kommunalwahlen am 11. 09. 2016 neben dem Samtgemeindebürgermeister und bestellten Samtgemeindewahlleiter Herrn Norbert Meyer als stellvertretender Samtgemeindewahlleiter bestellt wurde (bei welchem Ereignis Sie anwesend waren und u. a. eine Erklärung zum Umgang mit den Flüchtlingen in der Samtgemeinde Ostheide abgaben).

    LG, Ihr Jürgen Berger

  13. Mein Gott, ist das alles entsetzlich peinlich !

  14. @Lüneburgerin

    Liegt es an mir (männlich), dass ich nicht verstehe, was jetzt „Frauen als Opfer“ mit der Tatsache zu tun hat, dass bis heute Frau Schröder-Ehlers als Vorgesetzte, SPD-Kreisvorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete dazu zu sagen hat, dass Frau Mertz es als „Privatsache“ ansieht, wenn sie Studium vortäuscht, was eine wahlrechtlich strafbewährte bewusste Wählertäuschung bedeutet?

    Wenn das alles Männer wären – ich würde ebenso fordern, dass dazu VOR DIESER WAHL von dem MdL und Kreisvorsitzenden eine öffentliche Stellungnahme käme.

    Dieses Frauen – Männer – Gerede, wo es einfach nur ablenkt, nervt – und schadet damit Frauen viel mehr, als sie sich offensichtlich vorstellen können…

    Denken Sie mal nach, treten Sie einen Schritt zurück vom gefestigten Feindbild, wie mir scheint.

    • mein lieber
      Luenebuerger
      ich glaube, sie übersehen da etwas. in unserer gesellschaft ist mehr scheinen als sein normal. und weil das so ist, wird gern gemogelt. steuerhinterzieher betrachten ihr verhalten zum beispiel als sport. und warum? gemogelt wird bis ins kleinste. ob versicherungsbetrug oder ähnliches. was ich damit sagen will, die gesellschaft ist dekadent und korrupt und darin sehr konsequent. es wird sich erst aufgeregt, wenn es bekannt wird. das geschlecht ist da uninteressant. der mensch ist so wie er ist. man kann ihn sich anders wünschen. im kapitalismus wird er sich aber nicht ändern. es würde zu weit führen, es hier zu erläutern.

      • Das ist sehr fatalistisch – lesen Sie meine Antwort auf Ferdi hier im Forum.

        Ich halte unsere „Gesellschaft“ nicht für sehr korrupt – und das sage ich, nachdem ich wahrlich korrupte Gesellschaften erlebt habe. Bei uns zahlt die überwiegende Mehrzahl korrekt Steuern, auch Strafzettel, wir wissen um die Vorteile öffentlicher Ordnung.

        Heute sprach die EU-Parlamentarierin Rebecca Harms (Die Grünen) in Lüneburg, und sie sprach darüber, wie elementar in Krisenregionen überhaupt die Organisation einer Gesellschaft ist, um für die Menschen bessere Lebensverhältnisse zu erreichen.

        Das erwähne ich, da bei uns in Deutschland Organisation nach wie vor recht gut funktioniert – aber warum? Weil die Mehrzahl der Bürger eben nicht nur dekadent und korrupt sind.

        Überdenken Sie dies einmal. Sie urteilen über alle härter, als die meisten Menschen es verdient haben!

        Aber natürlich sind wir alle, der Mensch, vor Versuchungen nicht gefeit. Wer widerstünde immer und jederzeit? Dennoch glaube ich, weltweit sind die normalen Bürger – so sie die Möglichkeit zu Bildung und eigener freier Persönlichkeitsentwicklung erhalten – weitaus friedlicher und sozialer, als ich es bei Ihnen lese.

        Entscheidend ist natürlich, wie sich die Eliten, und in einer Demokratie die gewählten Volksvertreter, verhalten. Und damit kommen wir auch auf Frau Mertz zurück, bei der das eher auf eine persönliche Schwäche hinweist, die nicht gleich den Landkreis oder die Gemeinde Neetze untergehen lässt.

        Und ich stimme Ihnen zu: „der Kapitalismus“, der als -Ismus eine Ideologie bedeutet, in der das Geld und Kapital alles bestimmen, erlaubt keine persönliche Integrität – denn diese hätte sich „der Sache“ unterzuordnen. Darum bin ich auch kein Kapitalist.

        Aber jeder Mensch lebt in Haushalten, dem Naturhaushalt, dem eigenen Haushalt, seiner Volkswirtschaft, seiner Firma, seinem Staatshaushalt. Und da halte ich eine soziale Marktwirtschaft für vernünftig. Weil diese eben integre Akteure zulässt und dieser bedarf.

        Was ich sagen will: warum resignieren Sie? Verwechseln Sie nicht Kapitalismus und Marktwirtschaft, sondern kämpfen Sie (weiter) für eine Marktwirtschaft.

        Und da gilt es, unfaires Verhalten als solches zu benennen, ohne gleich in Endzeitstimmung zu verfallen.

        Auch Neetze würde es überleben, wenn Frau Mertz nun doch in einer Woche wiedergewählt würde. Aber das muss ja nicht sein.

        Und in fünf Jahren kandidieren ohnehin die Nächsten. Sollen die von Beginn an aufgeben, weil alle Menschen korrupt und unehrlich sind?

        Allez hopp!

        • Deutsche kriegen ihr Fett weg

          Deutschland schneidet bei dem renommierten Korruptionstest solide ab und belegt in diesem Jahr Rang 13, im vergangenen Jahr war es Rang 14. Geschlagen geben muss sich die Bundesrepublik vor allem den skandinavischen Ländern – Dänemark, Finnland und Schweden belegen die Plätze eins, zwei und vier. Direkt hinter Deutschland folgen Hong Kong und der Karibikstaat Barbados.
          Rangliste der Länder

          Besonders stolz kann Deutschland auf diese Platzierung nicht sein. Die Korruptionswächter sind mit der deutschen Politik höchst unzufrieden. „Für eine bessere Platzierung Deutschlands steht das Ausbleiben wichtiger Reformen im Bereich der Abgeordnetenbestechung und der Transparenz der Nebeneinkünfte von Abgeordneten im Weg“, teilt Transparency International mit. Edda Müller, die Vorsitzende von Transparency Deutschland, bringt das auf die Palme: „Das Aussitzen wichtiger Reformen zur Korruptionsprävention durch die Mehrheit des Deutschen Bundestages muss ein Ende haben“, schimpft sie.

          Die Mehrheit des Deutschen Bundestages verzögere weiterhin die Verschärfung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung. Diese sei aber Voraussetzung dafür, dass die UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) ratifiziert werden kann, die bereits vor neun Jahren von der damaligen Bundesregierung unterzeichnet wurde.

  15. Engagierte Lüneburgerin

    Lieber Herr Rainer Boye (Anke Boyes Ehemann aus dem Lüneburger SPD Büro),
    zu Ihrem heutigen Leserbrief in der LZ.
    Gut dass wir in einer Zeit leben, in der öffentliche Transparenz und Aufklärung einfacher geworden ist. Die betrügerischen Qualitäten gehören offensichtlich zu den von Ihnen angesprochenen, mit denen Fr. Mertz die ersten Plätze erhalten hat; anders kann ich mir das nicht erklären.
    Ihre Chefin Fr. Schröder-Ehlers könnte das Ganze einfach auflösen, indem sie der Öffentlichkeit die Passage zur Berufsbezeichnung aus ihrem Arbeitsvertrag zur Verteidigung ihrer Mitarbeiterin zur Verfügung stellt.
    Es ist traurig, dass Fr. Mertz nicht einmal von ihrer Chefin verteidigt wird. Soviel über Solidarität zwischen Frauen.
    Eine weitere Qualität der „Politikerin“ Mertz ist – wie die ganze skandalöse Vertuscherei zeigt – ihr fatales Unterschätzen der Intelligenz der WählerInnen.
    Gut dass Fr. Mertz nicht für Lüneburg kandidiert; das Problem hat die Ostheide.

  16. In der Deutschen Sprache fehlte bisher ein Verb, das die sprachliche Grau-Zone zwischen lügen, beschönigen, die Wahrheit nicht sagen, Not-wendig-zu-Sagendes verschweigen und drohen präzise zum Ausdruck bringt. Das ist seit Dezember 2011 anders. Dem einmal amtierenden Bundespräsidenten aus Niedersachsen (geboren in Osnabrück) sei es gedankt. Er hat es in seiner souveränen Art kreiert, staatstragend präsentiert und durch sein Vorbild selbst für die Verbreitung gesorgt. Mit „wulffen“ lässt sich ein für manchen Politiker und viele Spekulanten zum professionellen Alltagsbetrieb gehörendes Denk- und Sprach-Verhalten nun präziser bezeichnen. Wer einen anderen willentlich im Unklaren lässt, der wulfft ihn. „Wulffen“ (abwertend) ist „taktischer“/politischer Umgang mit Informationen; sich aus etwas heraus reden, ohne die ganze Wahrheit zu sagen.

    Ob es das „Mertzen“ vielleicht auch einmal in den Duden schafft? (Die Entfernung von Osnabrück nach Neetze über die A1 beträgt 2 Std. 23 Minuten oder 258,6 km.)

    Für „betrügen“ gibt es eine ganze Reihe von Synonymen: täuschen, verschaukeln, lügen, ein X für ein U vormachen, hochstapeln, Bären aufbinden, desinformieren, falschmünzen, weismachen, neppen, einseifen, Sand in die Augen streuen, flunkern, vormachen, hintergehen, aufs Kreuz legen, linken, bescheißen, schmuen, sich verstellen, lackmeiern, schauspielern, geschichtsklittern, aufs Glatteis führen, abkochen, simulieren, behumpsen, mit gezinkten Karten spielen, mogeln, entstellen, falsches Bild geben, schummeln, hereinlegen, türken, hinters Licht führen, lackieren, ausgeben als, leimen, prellen, anlügen, anmeiern, heucheln, beschönigen, übertreiben, falsch darstellen, anschmieren, fabulieren, ausbeuten, begaunern, aus der Luft greifen, erdichten, beschupsen, verkohlen, beschwindeln, betakeln, betuppen, blenden, verarschen, fuddeln, verladen, tricksen, zum Narren halten, defraudieren, verschaukeln, übers Ohr hauen, übertölpeln, ausnehmen, ausnützen, ausplündern, ausrauben, ausräubern, aussaugen, ausschlachten, erleichtern, exploitieren, plündern, ruinieren, missbrauchen, narren, erdichten, erfinden, verdrehen, verfälschen, nicht die Wahrheit sagen, Lügen auftischen, unaufrichtig sein, irreführen, fingieren, heucheln, bluffen, beeinflussen, bereden, beschwatzen, mit zwei Zungen reden, breitschlagen, erweichen, foppen, einwickeln, bearbeiten, falsch wiedergeben, gezielt lenken, indoktrinieren, korrumpieren, suggerieren, es mit der Wahrheit nicht genau nehmen, verdrehen, verfälschen, verführen, verhetzen, verkehren, manipulieren, vernebeln, abkarten, Recht beugen, blauen Dunst vormachen, einen Vorteil erschleichen …

    • Wie soll ich schreiben…?

      Mensch, Ferdi!

      Das passt am besten) Meinen Respekt – ich hätte Stunden gebraucht, um alle diese nuancierten Ausdrucksmöglichkeiten unserer Sprache zusammenzutragen, wie Sie es nun getan haben!

      Es ist amüsant, wie eine – eigentlich – Petitesse in der Kommunalwahl im Lüneburger Landkreis jetzt doch in diesem Forum Fahrt aufnimmt. Denn natürlich haben Sie recht – genau darum geht es: um Integrität!

      Wir brauchen Integrität, es ist DIE Voraussetzung dafür, dass eine Demokratie auch ein besseres Organisationssystem zur Vergabe von Macht ist, als es das Clan-Führer-Prinzip ist. Das meines Erachtens die Menschheit dominiert – auch dieser Tage. Speziell, wenn wir uns all die Grossmächte ansehen…

      Wir reden also über Grundsätzliches. Und das berührt Frau Mertz. Ob sie will, oder nicht. Sie hat versucht, sich so darzustellen, wie sie es für erfolgversprechender hält, als es die objektive, nüchterne Beschreibung aus ihrer persönlichen Sicht täte.

      Darüber können die Wähler in Neetze entscheiden. Wünschen wir Frau Mertz, dass sie mit sich auch als „normale Mitarbeiterin“ einer Landtagsabgeordneten zufrieden wäre…

      Es gibt da noch einen Aspekt, der speziell die SPD als extrem im Beamtentum und öffentlichen Dienst inzwischen vernetzter Partei betrifft. Und da gilt für mich: wer Transparenz so hoch hält, offiziell, muss sich zuallererst daran selbst messen. Und da sagt das Schweigen von Andrea Schröder-Ehlers mehr, als würde sie erklären, warum dies ein Fehler war und ist.

      Das Verschweigen ist das Problem.

      So wie es dies auch bei Herrn Wulff war.

      Somit kommen wir zur Moral der Geschichte: Sie haben das Wort aufgeführt, es geht um das Narren. Und da gilt: es gibt einen, der narrt, und einen, der genarrt werden soll. Die einzige Frage aber ist doch – ob wir uns als Bürger narren lassen?

      Es liegt immer an uns – wie Herr Bruns richtig schreibt, sind die Menschen, wie sie sind. Und so wird es immer den Versuch geben, es gibt ihn permanent, dass genarrt wird. Die Armenien-Resolution und das Medienspiel unserer eigenen Regierung in den letzten beiden Tagen war so ein Beispiel – mit dem Verneinen im Nebensatz das zu liefern, was die türkische Regierung verlangte, ist zwar durchaus sophistisch und intelligent konstruiert – aber morgen wird die Reaktion der Wähler kommen, und alle werden aufschreien, obwohl doch viele Bürger einfach nur ausdrücken wollen: Hört auf, uns für Narren zu halten!

      Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob diejenige, die sich aktuell zum Sprachrohr des Verdrusses machen, nicht selbst zu narren beginnen.

      Es ist ein endloses Ringen – aber genau darum geht es: nicht dauerhaft einfach genarrt zu werden.

      Und ich persönlich kann dazu nur sagen: die Demokratie hat in sich angelegt, Mehrheiten über Verführung zu gewinnen, aber nachhaltig ist das nie. Und genau darin hat die Demokratie ihre Stärke: wer genarrt hat, wird immer eingeholt. Früher oder später, offensichtlicher oder erst nach mühseliger Recherche.

      Das Schöne an der Demokratie ist: wer es mit der Narretei überzieht, muss entweder zum Diktator werden, oder wird vorher entkleidet.

      Es liegt an uns, ob wir Ihre Ausdrücke so stehen lassen, oder ob sie uns motivieren, es immer wieder besser zu machen.

      Glauben wir an uns. Nicht naiv, sondern aktiv.

  17. Es gab Zeiten, da war „Arbeiter“ ein Ehrentitel bei den Sozialdemokraten. Das ist wohl Vergangenheit, „Mitarbeiterin“ reicht nicht mehr aus, es muss ein schicker Zusatz davor gestellt werden, um die Tätigkeit aufzuwerten. Was ist so schrecklich daran, für andere Kaffee zu kochen, Kopierpapier aufzufüllen und die Chefin an Termine zu erinnern? Ein nicht unerheblicher Teil der Wähler macht das auch. Dazu kann man stehen. Gerade als SPD-Kandidatin. Was hat also Frau Mertz dazu getrieben sich selber aufzupeppen? Haben der Ingenieur, der Rektor und die Lehrerin, die mit ihr auf dem Wahlplakat posieren, sie dazu gedrängt? Oder ist das naserümpfende Geringschätzen der einfachen Arbeiterschaft in der SPD mittlerweile so allgegenwärtig, dass es keiner ausdrücklichen Aufforderung bedurfte? Dass sie schlichtweg gelogen hat, räumt sie ja ein, aber mehr auch nicht. Da hätte ich mir mehr Offenheit gewünscht. Ihr diffuser Erklärungsversuch über das Warum wirft ein schales Bild auf den inneren Zustand der Kreis-SPD.

  18. Aus meiner Sicht geht es nicht um das Geschlecht, sondern um die politische Kultur.
    Da entdecke ich für meine Person Defizite bei Frau Mertz, aber auch zum Beispiel beim Samtgemeinde Wahlleiter Norbert Meyer. Obwohl das niedersächsische Kommunalwahlgesetz explizit auf Neutralität und Objektivität besteht, ist er in der Bildmitte von SPD Wahlplakaten für die Ostheide zu sehen; was ihn aber nicht daran hindert, an anderer Stelle ausdrücklich auf seine Verpflichtung zur politischen Neutralität zu verweisen. Warum machen Menschen sowas? Vermutlich weil es bei Politik eben auch um Macht und Einfluss geht. Vielleicht hat die SPD auch das Gefühl, dass es eng werden könnte hinsichtlich des Ergebnisses bei der Kommunalwahl in der Ostheide. Da wird dann schon mal gerne mit etwas härteren Bandagen gekämpft. Schließlich hat man etwas zu verlieren. Ob das etwas mit dem politischen System/wirtschaftlichen System der Bundesrepublik zu tun hat, das weiß ich nicht. Als mündige/r Bürger/in sollte man sich so ein Verhalten aber nicht bieten lassen, egal von welcher Partei es kommt!

  19. Wenn Brigitte Mertz sich in der kommenden Woche nicht von der kommunalpolitischen Bühne zurückzieht, kann Andrea Schröder-Ehlers ihre Wiederwahl als MdL im Frühjahr 2018 vergessen. Sie weiß das und wird handeln.

    • Wartet sie zu lang, geht´s aus wie bei Schillers Fiesco: »Nun, wenn die Brigitte fällt, muss auch die Andrea nach!«