Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Kleingärtnerverein Am Zeltberg feiert 70. Geburtstag
Drei Generationen im Kleingarten: Horst Stange mit seinen Töchtern Gabriele Waßmann (l.) und Ulrike Stange-Waßmann sowie Enkel Ingmar (13). Foto: t&w
Drei Generationen im Kleingarten: Horst Stange mit seinen Töchtern Gabriele Waßmann (l.) und Ulrike Stange-Waßmann sowie Enkel Ingmar (13). Foto: t&w

Kleingärtnerverein Am Zeltberg feiert 70. Geburtstag

Von Alexander Hempelmann
Lüneburg. Im Urlaub gabs keine Experimente: Camping auf Fehmarn, das war für Horst Stange dreißig Jahre lang gesetzt. Mit der Familie im Wohnwagen an der Ostsee — viel mehr brauchte es nicht zum Glücklichsein. Doch irgendwann waren die Kinder groß, die Fehmarn-Zeit war vorbei. Da holte sich Stange das Camping-Glück quasi nach Lüneburg, mit einem eigenen Kleingarten direkt vor der Haustür. Laube statt Wohnwagen, Lüneburg statt Fehmarn lautet die Formel zum Glücklichsein in den nächsten dreißig Jahren. Jetzt steht wieder eine Zäsur an: Horst Stange wird den Garten aufgeben, schweren Herzens, denn die Arbeit wird einfach zu beschwerlich für den nunmehr 82-Jährigen. Wenn die Kolonie Am Zeltberg am 3. September ihren 70. Geburtstag feiert, ist es für ihn auch ein Abschiedsfest vom Kleingärtnerleben.

Die Hälfte der Ernte wird verschenkt

Der Garten 41 direkt am Eingang der Anlage ist in tadellosem Zustand. Prächtig blüht ein weißer Rhododendronbusch neben gelben Margeriten. „Die Blumen sind mir das Wichtigste“, sagt der Vater zweier Töchter. Dabei sei es eigentlich seine Frau Rosemarie, die sich in erster Linie um die Blumen kümmert, er selbst sei für das Gemüse zuständig. Sträucher mit Dutzenden reifen Tomaten gedeihen in trauter Nachbarschaft zum Apfelbaum, auch Pflaumen, Kirschen, Bohnen, Zucchini, Wurzeln, Kartoffeln und noch vieles mehr wirft die Parzelle ab. „Wir können gar nicht alles selbst essen, die Hälfte verschenken wir an Bekannte“, erzählt der Hobbygärtner. „Manchmal kriegen wir dann für die Äpfel ein paar Flaschen Apfelsaft als Gegenleistung.“

Wie groß der Garten genau ist, kann er nicht sagen. Vielleicht 350 Quadratmeter, vielleicht auch mehr. Egal, das war ihm nie wichtig. Wichtig ist die frische Luft, wichtig ist das Ambiente. Im Sommer ist er jeden Tag hier, von der Wohnung an der Elbinger Straße ist es nur ein Katzensprung. Und in der Laube hat er eh fast alles: Fernseher, Radio, Küchenzeile, Sofa und Tisch, dazu vor der Tür eine Terrasse mit Markise als Sonnenschutz — wie ein kleines Eigenheim. Das bisschen Luxus neben all der Arbeit war ihm immer wichtig, ansonsten wäre er einst auch in der Kolonie Moldenweg gelandet, da war was frei. „Aber die hatten keinen Strom. Und ich wollte mich ja nicht verschlechtern“, erinnert sich der ehemalige Camper.

Um ein Haar hätte er den kleinen Luxus nicht mehr lange genießen können. Etwa 18 Jahre ist es her, dass ein Brandstifter in der Kolonie sein Unwesen trieb und in seiner Laube Feuer legte. Damals hatte Stange oft im Garten übernachtet, nur zufällig war er in der Brandnacht doch noch nach Hause gegangen. „Sonst säße ich heute nicht hier“, sagt er nachdenklich. Alles war verloren, dennoch hatte er großes Glück., dass er mit dem Leben davonkam. Der Feuerteufel wurde nie gefasst. Stange räumte mit Hilfe seiner Vereinskameraden die verkohlten Reste weg, baute eine neue Laube, ein schmuckes Exemplar, verklinkert sogar. Geschlafen aber habe er seither nicht mehr im Kleingarten.

Mit 82 Jahren ist jetzt Schluss

Rasen mähen, Hecken schneiden, Blumen gießen, säen und ernten, wenn man die 80 überschritten hat, fällt das nicht mehr so leicht. Noch dazu, wenn einem das Asthma manchmal kaum Luft zum Atmen lässt. Und auch die Töchter, drei Enkel und Urenkel können nicht permanent einspringen. Deshalb hat Stange eine Entscheidung getroffen. Er gibt den Garten, sein zweites Zuhause, auf. Er blickt traurig zu Boden, als seine Tochter erzählt, dass die Familie einen neuen Pächter suche, der einen angemessenen Abstand für die Laube zahlt. „Es geht eben nicht mehr“, sagt er.