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Beim geplanten Baugebiet am Wienebütteler Weg vermisst Andreas Meihsies eine klare Position bei den Lüneburger Grünen  für ihn einer der Gründe, der Partei jetzt den Rücken zu kehren. Foto: t&w
Beim geplanten Baugebiet am Wienebütteler Weg vermisst Andreas Meihsies eine klare Position bei den Lüneburger Grünen für ihn einer der Gründe, der Partei jetzt den Rücken zu kehren. Foto: t&w

Andreas Meihsies erklärt seinen Austritt bei den Grünen

Von Antje Schäfer
Lüneburg. 33 Jahre hat Andreas Meihsies für grüne Politik gefochten. Fast 20 Jahre war er — mit Unterbrechungen — Fraktionschef der Grünen im Rat. Dort und in anderen Gremien setzte er Themen — bisweilen recht scharfzüngig. Nun kehrt Meih­sies den Grünen den Rücken: Er hat sein Parteibuch zurückgegeben. Mit der Haltung seiner Fraktion bei bestimmten Themen sei er nicht einverstanden, nennt er als Hauptgrund. „Das Markenzeichen der Grünen war immer klare Kante zeigen.“

Unter seiner Regie hatten die Stadt-Grünen bei den jüngsten Kommunalwahlen beachtliche Erfolge eingefahren: 2006 waren es 18,1 Prozent, 2011 sogar 29,3 Prozent. Damit war die Partei zweitstärkste Fraktion im Rat, wurde Partner der SPD. Im Februar, bei der Listenaufstellung für die Kommunalwahl 2016, musste Meihsies dann eine herbe Niederlage einstecken. Gesetzt auf Listenplatz 1 im Wahlbereich II im Vorschlagsverfahren, fiel er durch. Vier Tage später gab er den Fraktionsvorsitz an Ulrich Blanck ab.

Ist sein Austritt Replik da­rauf? Meihsies weist das zurück. „Das sind die klassischen Unterstellungen. Es gab schon seit längerem einen inneren Ablösungsprozess.“ Professionalität und klare Standortbestimmung vermisst er bei den Grünen, wenn es um für ihn zentrale Themen geht: Natur- und Umweltschutz sowie Stadtentwicklung. Im fehle eine konsequente Haltung gegenüber dem Gruppenpartner bei der Baulandausweisung.

An einem Schlagabtausch nicht mehr interessiert

Bekanntlich will die Stadt ein Wohnungsbauprogramm auf den Weg bringen. Die Grünen hatten erklärt, sie gingen in drei Punkten nicht mit: bei den Neubaugebieten Sandbergen, Ebensberg und Gut Wienebüttel. Bei letzterem hatte die Fraktion große Bedenken geäußert wegen des geplanten Grüngürtels West. Den Begriff habe er Anfang der 90er-Jahre geprägt, reklamiert Meihsies. „Aufgrund der Notwendigkeit, dass Wohnraum geschaffen werden muss, war die grüne Fraktion jedoch bereit, dort Wohnungsbau zu akzeptieren. Aber nicht in der Größenordnung von 260 Wohneinheiten, wie Oberbürgermeister Mädge und die SPD das vorhaben.“

Deshalb habe er im Frühjahr einen Antrag zum grünen Wahlprogramm eingebracht: maximale Bebauung 150 Wohneinheiten. Das finde sich dort aber nicht wieder. Stattdessen heißt es lediglich: Sicherung der Frischluftschneise im Bereich Gut Wienebüttel. Hinzu komme, dass es in der Fraktion eine Verabredung gegeben habe, eine eigenständige grüne Position zur Stadtentwicklung zu beziehen, sagt Meihsies: „Stattdessen gibt es jetzt einen Kuschelkurs nach dem Olympia-Motto Hauptsache dabei sein.“ Die Haltung beziehungsweise die Enthaltung der Grünen in Stadt und Kreis zum Projekt Arena ist für ihn ein weiteres Beispiel, dass keine klare Position bezogen wird.

An einem Schlagabtausch sei er nicht mehr interessiert. Alles in allem habe er eine gute, spannende politische Zeit gehabt. „Ich habe die Chance genutzt, mich als Autodidakt in Themen einzuarbeiten. Jetzt beende ich meine parteipolitische Zeit. Was in fünf Jahren ist, weiß man nicht.“

7 Kommentare

  1. An einem Schlagabtausch nicht mehr interessiert,
    mein lieber andreas, man lebt mit dieser einstellung länger, ob glücklicher ist dahin gestellt. jede medaille hat eben zwei seiten.die grünen werden ohne dich noch schneller schwarz. du warst ja schon auf diesen weg. bei deeeer spd kann ich es verstehen.

  2. Die Post wird sich freuen. Sie kann jetzt ihre Zusteller wieder besser und zuverlässiger einplanen.

  3. Sich zurückziehen wie eine beleidigte Leberwurst! Das war schon immer das Vorgehen von Politikern die sich etabliert gefühlt haben und dann von ihrer Partei abgeschossen worden. Alleine die Tatsache, dass für ihn die Bezüge für Ehrenamtliche Bürgermeister, nachdem er aus dem Landtag geflogen war, so stark angehoben wurden, dass er davon leben konnte ist ein Skandal. Ein bisschen Filz weniger in Lüneburg. Es wird unserer Stadt nicht schaden – im Gegenteil. Und ich gehe auch nicht davon aus dass der feine Herr in Zukunft wieder Post austragen wird. Irgendwo wird er schon in sein gesponnenes Netz von Freunden und Spezies fallen können. Herr Pauly arbeitet ja auch für Herrn Manzke…

    • „Ein bisschen Filz weniger in Lüneburg.“ Glauben Sie das wirklich „WHM“? Die Filzläuse werden sehr schnell einen anderen, neuen oder alt erweiterbaren Nährboden finden. Dafür wird in dem altehrwürdigen Gebäude am Markt/Ochsenmarkt schon gesorgt und genügend gedüngt.

    • Sehr schön! Endlich traut sich jemand die Wahrheit zu sagen!!!

  4. Glückwunsch Herr Meihsies,
    für Ihre mutige Entscheidung. Ich war Ihnen doch ein paar Monate zuvor gekommen.
    Mir ist die Doppelzüngigkeit der Grünen ebenso zuwieder wie das starke Desinteresse an der autochthonen Bevölkerung und deren Interessen. Eine Frau Roth, die hinter Transparenten mit der Parole „Deutschland, Du mieses Stück Sch***** “ herlief , war dann erheblich zuviel gewesen.

    Zuviel Lug, Doppelzüngigkeit und zuviel Realitätsferne. Die Früheren absolut unannehmbaren Dinge, wie ein Herr Fischer mit seiner fragwürdigen Karriere, ein Daniel Cohn-Bendit waren mir ebenso zuwieder, wie ein Otto Schily, der lediglich durch Gewalt und Unbelehrbarkeit auffiel.

  5. Respekt, Andreas!
    Sei stolz auf das, was Du geleistet hast. Ohne Dich wären die Lüneburger Grünen nie dorthin gekommen, wo sie sind. Wenn parteipolitische Interessen wichtiger werden als sachgerechte Politik für Menschen und Umwelt, ist es Zeit zu gehen. Schade, dass gerade Ulrich sich dafür benutzen lässt.