Aktuell
Home | Lokales | Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen!“
In Lüneburg wird reichlich gebaut wie hier im Speicherquartier. Daniel Fuhrhop hält das für den falschen Weg. Foto: t&w
In Lüneburg wird reichlich gebaut wie hier im Speicherquartier. Daniel Fuhrhop hält das für den falschen Weg. Foto: t&w

Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen!“

Von Carlo Eggeling
Lüneburg. Die Einwohnerzahl der Stadt steigt stetig, überall wird gebaut. Politik und Verwaltung schauen, wo sie neue Bauplätze ausweisen können. Mit Sozialquote, denn für manchen wird das Wohnen angesichts steigender Mieten zur Existenzfrage. Da wirkt es fast ketzerisch, wenn Daniel Fuhrhop fordert: „Verbietet das Bauen!“ Der Autor war auf Einladung der Grünen in die Gasthaus-Brauerei Nolte gekommen und verkündete seine Thesen vor rund 40 Zuhörern.

„Neubauten lösen die Probleme nicht“, sagt der Betriebswirt, der 15 Jahre lang einen Architekturverlag leitete. „Es werden keine günstigen Wohnungen gebaut, dazu steigt der Flächenverbrauch. Das ist weder sozial noch ökologisch sinnvoll.“ Nutze man den Bestand, um ihn entsprechend umzubauen, hätten Handwerker genug zu tun, auch Architekten seien gefordert, gute und ansehnliche Ansätze zu entwickeln.

Daniel Fuhrhop findet, es gibt genug Häuser in Deutschland. Neubauten sind nicht nötig, man kann den Raum besser nutzen. Foto: ca
Daniel Fuhrhop findet, es gibt genug Häuser in Deutschland. Neubauten sind nicht nötig, man kann den Raum besser nutzen. Foto: ca

Der Einzelne sei gefragt, sich auf andere Formen des Wohnens einzulassen. Etwa indem er sein Einfamilienhaus mit sechs Zimmern mit einer Einliegerwohnung ausstatte. Auch Formen der Untermiete seien denkbar. Dass es zu wenig Wohnungen gebe, hält Fuhrhop für ein Gerücht: In den vergangenen 20 Jahren sei der Bestand in Deutschland um sechs Millionen Einheiten auf 41 Millionen geklettert: „Bei einer nahezu gleichgebliebenen Einwohnerzahl.“

Dass Regionen wie Hamburg, Berlin oder München aufgrund ihrer wirtschaftlichen Kraft wie Magneten wirken, und es daneben Landstriche wie den Harz oder Vorpommern gibt, aus denen Menschen mangels Arbeit fortziehen, ficht Fuhrhop nicht an. „Wir müssen uns fragen, welche Art von Wirtschafts- und Stadtmarketing wir betreiben“, sagt der 48-Jährige. „Die regionale Ungleichheit besteht seit zehn, zwanzig Jahren.“ Hätten Menschen bis dahin gern auch vor der Stadt gelebt, habe sich der Trend damals umgekehrt. Also sollte man aus seiner Sicht nicht noch die ohnehin prosperierenden Bereiche fördern, sondern jene, die sich leeren.

Betrieben fehlt der Nachwuchs

Er nennt als Beispiel Görlitz. Die Stadt an der polnischen Grenze locke mit einem kostenlosen Probewohnen, um Menschen von der eigenen Attraktivität zu überzeugen. Der Ort in der Oberlausitz gilt vor allem als Seniorenresidenz. Fuhrhop sagt, Rentner könnten dort charmant leben, junge Leute aber auch. Denn längst sei es in manchen Regionen wie etwa auf Usedom und Rügen, aber auch in der Eifel und dem Sauerland so, dass Betrieben der Nachwuchs fehle. Es könne durchaus attraktiv sein, Arbeiten und Wohnen in schönen Landstrichen miteinander zu verbinden.

Angesichts des Zuzugs von Hunderttausenden Flüchtlingen und Asylbewerbern versteht Fuhrhop Vorgaben, die zu regulieren versuchen, wo jemand sein Zuhause nehmen soll. Als in den 80er- und 90er-Jahren viele Aussiedler in die Bundesrepublik kamen, galt für sie — mit Ausnahmen — eine Residenzpflicht. Das Modell sei erfolgreich gewesen, findet Fuhrhop, der mit seiner vierköpfigen Familie in Oldenburg in einem Einfamilienhaus zur Miete wohnt: „Zwei Drittel der Menschen haben nach zehn Jahren immer noch dort gelebt, wo sie hingeschickt wurden. Da haben sich Gemeinschaften gebildet.“

7 Kommentare

  1. Thorsten Schmidt

    Wer in einem Einfamilienhaus mit seiner vierköpfigen Familie wohnt und solche Thesen aufstellt, sollte sich mal fragen warum er nicht in das Gartenhaus zieht!!!!! Es fehlt bezahlbarer Wohnraum und gewisse Ecken in Deutschland veröden. Die Menschen müssen leider dahin wo Sie ihr Geld verdienen können.

  2. Was mir (besonders in unsere Nachbarschaft) auffällt …. es wohnen viele alleinstehende Sensioren in (sehr) großen Häusern. Ich weiß .. das ist ein ganz heißes Eisen. In unser Nachbarschaft wohnen 7 Senioren alleine in ihren Häusern. Jedes Haus hat ca. 150qm (+ Garten). Das sind dann über 1000qm für 7 Personen. Ich weiß das man gerne in seinem gewohnten Umfeld bleiben möchte. Das wird bei mir wahrscheinlich später ähnlich sein. 4 der 7 Senioren sind auf häusliche Hilfe/Pflege angewiesen. Da gehen die Pflegedienste ein und aus. Es muss doch Möglich sein da Angebote zuschaffen, wo ältere Menschen vernünftig Leben können und gut versorgt werden. Ich weiß … Alters- oder Pflegeheime. Aber die haben (finde ich) immer einen bitteren Beigeschmack. Da könnte/müsste man vielleicht mal Aufklärungsarbeit leisten.

    • Irgendwann ist aber der Ort so überfüllt, dass die Lebensqualität kippt. Keine Parkplätze, oder Kitaplätze sind noch das kleinere Übel. Wenn die Sicherheitslage kippt werden die normalen Leute wegziehen und der Platz wird mit sozialen Sprengstoff aufgefüllt.

  3. Ein Großteil des Problems wird doch nach wie vor durch Universitäten verursacht und die Massen an jungen Leuten die unbedingt studieren wollen.

    Wäre es nicht sinnvoller/einfacher sämtliche Universitäten zu ‚verschieben‘? Irgendwo aufs ‚flache Land‘? Und dann Studentenwohnheime (ähnlich wie in den USA) drum herum gebaut werden wo die Studenten wohnen?

    Dann können die dort Party machen so lang sie wollen ohne die arbeitende Bevölkerung zu stören, haben kurze Anfahrtswege zur Uni und der Wohnraumbedarf in den Universitätsstädten sinkt spürbar.

  4. Es gibt einfach zu viele Menschen in Deutschland. Das ist das grundsätzliche Problem. Wir können aufgrund von weiterer Automatisierung der Arbeitsplätze zukünftig nicht mehr alle Leute beschäftigen und bezahlen. Bis zu 40 % der Jobs könnten wegfallen. Die Wirtschaft wird auch nicht immer brummen. Was dann?

  5. oha, das boot soll mal wieder voll sein. wer ist seit kohl eigentlich alles gestorben? wie wäre es mit steuern auf maschinen? oder mal die arbeit so besteuern ,wie das kapital? komisch, wer verhindert eigentlich solche ideen? ach ja, die pfründe-besitzer.