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Auch für die Klarinettistinnen Karen Stallbaum (vorn) und Ilka Rademacher sind die Proben und Auftritte mit dem Symphonischen Blasorchester Lüneburg eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Foto: ada
Auch für die Klarinettistinnen Karen Stallbaum (vorn) und Ilka Rademacher sind die Proben und Auftritte mit dem Symphonischen Blasorchester Lüneburg eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Foto: ada

Sinfonisches Blasorchester Lüneburg probt für großes Herbstkonzert

Von Anke Dankers
Lüneburg. Quietschende Schuhsohlen, tobende Kinder, mahnende Lehrer — das sind die Geräusche, die man gemeinhin in einer Sporthalle erwarten würde. Sinfonische Blasmusik gehört nicht dazu. Und doch, einmal im Monat hört man sie, die Trompeter, Klarinettisten und Querflöter, die die Sporthalle Oedeme für einen Tag zur Bühne machen. Zwischen Stufenbarren und Basketballkorb proben die rund 60 Musiker des Sinfonischen Blasorchesters Lüneburg hier Stücke aus dem Musical Elisabeth oder der Filmmusik von James Bond.

„Blasorchester kennt man landläufig im Sinne von Humtata-Musik. Aber wir sind ein sinfonisches Blasorchester. Der große Unterschied ist, dass wir ganz viele Instrumente besetzt haben, die in einem normalen Blasorchester nicht vorkommen“, erklärt Dirigent Jens Illemann. Neben den klassischen Blasinstrumenten gehören auch Cello, Schlagzeug oder Xylophon zum Ensemble.

Und noch etwas ist anders: die Musikauswahl. Anspruchsvolle und klangvolle Stücke zu spielen, das motivierte Rolf Brockhöft und seine Mitstreiter 2007, das Sinfonische Blasorchester zu gründen. „Was wir spielen, ist sehr schwer, das kann man nur mit richtig guten Leuten machen. Es gibt viele sehr gute Musiker, die in Dorforchestern spielen, aber dort unzufrieden sind, weil sie nur ein schönes Stück spielen und zwanzig doofe andere. Wir machen nur die Musik, die uns Spaß macht“, sagt Brockhöft, der inzwischen erster Vorsitzender des Orchesters ist.

Als kleiner Junge habe er schon Saxophon gespielt, damals in einem Dorforchester in Amelinghausen. Mit den Jahren seien unterschiedliche Ensembles gekommen und gegangen. „Das ist jetzt das achte Orchester in meinem Leben“, sagt Brockhöft und ergänzt, mit ein bisschen Stolz, „ich habe es eigentlich immer geschafft, in Orchester zu wechseln, in denen das Niveau höher war als im vorigen.“

Wer einmal im sinfonischen Blasorchester Lüneburg spielt, so scheint es, kommt so schnell nicht davon los. Inzwischen sind manche Musiker umgezogen, nach Frankfurt oder an den Bodensee. Zu den monatlichen Proben kommen sie trotzdem so oft wie möglich.

Jens Illemann hält den Dirigentenstab hoch in die Luft. Es ist still in der Turnhalle. Eine kleine Handbewegung, ein kurzer Blick — dann beginnen die Flöter ihr leises Spiel. Sie bleiben nicht lange allein. Sekunden später sind die Trompeter zu hören, die Saxophonisten, die Trommler. Sie spielen, als wären sie in einem der großen Konzertsäle dieser Welt, nicht in einer Turnhalle.

Unter ihnen ist auch Ilka Rademacher. Die Klarinettistin aus Hamburg mag das Sinfonische Blasorchester Lüneburg vor allem wegen seiner Größe. Und weil das Musizieren für die 32-Jährige eine willkommene Abwechslung zu ihrem Alltag ist: „Wenn ich im Orchester spiele, vergesse ich alles um mich he­rum, das, was mich sonst so beschäftigt.“

Dann gilt die volle Aufmerksamkeit dem Dirigenten, den Noten und dem Instrument. Denn wer meint, sich mit kleinen Fehlern in der Masse der Musiker verstecken zu können, liegt falsch. „Wenn nur einer verkehrt spielt, kann das manchmal den ganzen Klang durcheinander bringen, auch, wenn alle anderen ihre Töne getroffen haben“, weiß Ilka Rademacher.

Das Stück ist zu Ende. „Wenn Sie heute nicht hier wären, gäbe es jetzt Ärger“, flüstert ein Musiker der Reporterin zu. Was sich für den Laien anhörte wie ein musikalisches Feuerwerk, verbreitet beim Ensemble schlechte Stimmung. Hier ein Fehler, dort eine Note nicht getroffen, heißt es. Spätestens jetzt ist klar: Jeder hier ist ein Perfektionist.

All die verschiedenen Musiker mit ihren Vorstellungen und Wünschen zu leiten, darin sieht Jens Illemann seine Herausforderung. „Ich muss den Mittelweg finden zwischen dem, was meiner Vorstellung von Musik entspricht, und dem, was meine Musiker wollen. Die Gratwanderung zwischen Geben und Nehmen ist für mich ganz spannend“, sagt der 29-Jährige. Seit April 2014 leitet er das Orchester. Drei bis vier Mal stehen sie jährlich auf der Bühne.

Das nächste Mal wird es am 18. September so weit sein. Dann spielt das Sinfonische Blasorchester Lüneburg ab 12 Uhr im Konzertsaal des ehemaligen Landeskrankenhauses im Wienebütteler Weg 1.

„Für dieses Konzert haben wir uns ein Dreivierteljahr vorbereitet, was sehr viel ist“, sagt Illemann. Es seien besonders anspruchsvolle Stücke, für die Musiker schwer und gleichzeitig schön zu spielen. „Und für die Zuschauer sehr schön zu hören, weil es Klänge sind, die man so selten hört.“

Schlagzeuger gesucht

Das Sinfonische Blasorchester Lüneburg sucht kurzfristig einen erfahrenen Schlagzeuger, der das fünfköpfige Schlagzeug­register am Drum-Set verstärken soll. Wer Lust hat, mitzumachen und notenfest ist, kann sich online unter www.sbl-lueneburg.de beim Ensemble melden.