Aktuell
Home | Lokales | An den Rosen hängt kein welkes Blatt
Die Hauptdarsteller der 13. Rote Rosen-Staffel werden den Geburtstag intern nicht großartig feiern, da für das kommende Jahr zur 2500. abgedrehten Folge eine Riesenparty geplant ist. Von der ersten Folge an dabei sind Brigitte Antonius als Johanna (vorne, l.) und Gerry Hungbauer als Thomas (2. Reihe, 2.v.r.). Die Serie ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz, im Baltikum und in Belgien, dort mit flämischen Untertiteln, zu sehen. Foto: ARD
Die Hauptdarsteller der 13. Rote Rosen-Staffel werden den Geburtstag intern nicht großartig feiern, da für das kommende Jahr zur 2500. abgedrehten Folge eine Riesenparty geplant ist. Von der ersten Folge an dabei sind Brigitte Antonius als Johanna (vorne, l.) und Gerry Hungbauer als Thomas (2. Reihe, 2.v.r.). Die Serie ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz, im Baltikum und in Belgien, dort mit flämischen Untertiteln, zu sehen. Foto: ARD

An den Rosen hängt kein welkes Blatt

Von Rainer Schubert
Lüneburg. Dass sich die „Roten Rosen“ zu einer derartigen Erfolgsstory entwickeln, damit hätte am Anfang niemand gerechnet, selbst die Produzenten waren skeptisch. Sie ließen die Hauptdarsteller zunächst nur Verträge für 100 Folgen ihrer neuartigen Telenovela unterschreiben — mit der Option auf mögliche weitere 100 Folgen. Doch die Geschichten, die sich um eine Frau im besten Alter ranken, schlugen beim Publikum ein. Nun feiert die ARD-Erfolgsserie ihren zehnten Geburtstag. Eine Serie, die täglich bis zu zwei Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockt und mit den herrlichen Lüneburg-Bildern bei den Außendrehs der Hansestadt eine unbezahlbare Werbung beschert, die Wirtschaftskraft gestärkt hat.

Am 6. November 2006 um 14.10 Uhr erklang erstmals die Titelmelodie „This is my life“ von Joanna Zimmer in der ARD. Die Zuschauer litten mit, als Petra Jansen Wind vom Seitensprung ihres Mannes Thomas bekam. Angela Roy war die erste Haupt-Rose. Seit Freitag ist sie wieder in Lüneburg, schlüpft eine Woche lang für die Jubiläumsfolgen, die im November ausgestrahlt werden, erneut in die Petra-Rolle. Auch Kim-Sarah Brandts kehrt für ein paar Tage als Jule Jansen zurück — zusammen mit Gerry Hungbauer als Thomas und Brigitte Antonius als Johanna Jansen ist die Rosen-Familie der ersten Stunde wieder komplett. LZ-Leser hatten damals übrigens das Privileg, eine Preview bereits Tage vor der Premiere im Scala-Kino sehen zu dürfen.

An den Roten Rosen hängt kein welkes Blatt, und die Studio Hamburg Serienwerft Lüneburg sieht kein Ende der in den ehemaligen Konica-Hallen an der Lilienthalstraße und an Außendrehorten in der Stadt hergestellten Serie. Produzent Emmo Lempert zum aktuellen Stand: „Gesichert ist der Dreh in unseren Lüneburger Studios bis November 2017. Die Gespräche über 400 weitere Folgen — also bis Folge 2800 bis ins Jahr 2019 — laufen bereits.“ Dass die ARD zusagen wird, scheint nur noch eine Formalität. Und Lempert, der ein Gespür für Finanzen hat, geht von einem Weiterlaufen aus: „Wir haben die Studios im Industriegebiet Hafen bis 2021 gemietet.“

Auf deutlich mehr als 100 Millionen Euro Gesamtbudget beläuft sich die Produktion seit Start. Lempert: „Ein Anteil von einem Viertel bis zu einem Drittel bleibt in der Region Lüneburg. Wir geben permanent Geld in die Produktion, haben erst kürzlich das neue Studio 4 eingerichtet.“ Ständig sind 150 Mitarbeiter beschäftigt, von den Schauspielern bis hin zum Kabelträger, dabei fanden hier auch viele Lüneburger einen neuen Job. Und die Mitarbeiter arbeiten nicht nur in der Hansestadt. Sie kaufen hier auch ein. Lempert: „Und Schauspieler haben sich hier niedergelassen, zahlen hier ihre Steuern.

Gerry Hungbauer hat sich ein Haus gekauft, seine Kinder spielen hier im Fußballverein, seine Frau, ein Ärztin, arbeitet als Beraterin für uns. Auch Anja Franke lebt hier, ihre Tochter geht hier zur Schule. Für viele Schauspieler haben wir Wohnungen angemietet, einige schlafen in Hotels.“ Und natürlich profierten Hotellerie und Gastronomie von den Touristen, die von den Rosen nach Lüneburg gezogen werden.

Den Erfolg der Serie begründet der Produzent so: „Es ist eine ungewöhnliche Serie, sie basiert nicht auf dem üblichen Jugendwahn mit jungen, schönen Darstellern. Unsere Hauptfigur ist eine Frau in den besten Jahren, die Idealbesetzung ist 47 bis 50 Jahre alt. Während die Nachrichten von Krawallen berichten, einem die Welt um die Ohren fliegt, dann bieten wir mit den Rosen eine Ablenkung. Das Drama ist nicht unser Metier, wir bieten warme, sympathische, echte Figuren, die in der Nachbarschaft der Zuschauer wohnen könnten.“

Dass genau das vom Publikum gewünscht werde, habe die zwölfte Staffel mit Hauptdarstellerin Anne Moll gezeigt: „Die Geschichten um das Zeugenschutzprogramm waren zu Krimilastig, die Quote sackte ein wenig ab.“ Die klettert mit den aktuellen Storys um Hotelfrau Sydney und Feuerwehrmann Mathis allerdings wieder gut nach oben — und ist weiterer Beweis dafür: Die Erfolgsstory für die Serienwerft, die ARD und für Lüneburg läuft weiter.

Die Serie in Zahlen

Sendeminuten: Bis Freitag — zur 2259. Folge — wurden 109562 Minuten der Rosen ausgestrahlt, die Produktion liefert an jedem Wochentag 48 Minuten und 30 Sekunden sendefertiges Material ab. Bislang waren 1826 Stunden zu sehen. Wer alle Folgen an einem Stück sehen will, müsste sich 76 Tage lang nonstop vor den Fernseher setzen.
Schauspieler: In den bislang 13 Staffeln wurden 136 Schauspieler in Hauptrollen eingesetzt, hinzu kommen 336 Episodenrollen.

Statisten: Die Komparsenkartei der Serienwerft umfasst aktuell 2000 Namen.

Catering: In der Kantine werden täglich rund 150 Mittagessen ausgegeben, hinzu kommen viel Obst und viele Süßigkeiten.

Sendezeiten: Die Erstausstrahlung ist wochentags um 14.10 Uhr. Die Wiederholungen laufen tags drauf um 6.20 Uhr im rbb, um 7.15 Uhr im MDR, um 7.20 Uhr im NDR, um 9.05 Uhr im Ersten und um 11.25 Uhr im Hessischen Rundfunk.

Quoten: Am ersten Sendetag schalteten 1,4 Millionen Zuschauer ein, das entsprach einem Marktanteil von 14 Prozent. Die gesamte erste Staffel brachte es allerdings nur auf durchschnittlich 1,19 Millionen Zuschauer bei einer Quote von 9,4 Prozent. Die zehnte Staffel mit Hauptdarstellerin Maike Bollow war mit 1,66 Millionen Zuschauern bei 17,3 Prozent die erfolgreichste. Der absolute Höchstwert an einem Tag mit 2 Millionen Zuschauern und 21,3 Prozent Marktanteil brachte die Folge in Staffel 11, als Jenny Jürgens vor einem Tornado gerettet wurde. Die niedrigste Quote gabs 2010 mit 3,65 Prozent — kein Wunder: Parallel lief das Fußball-WM-Spiel Deutschland-Australien. Die aktuelle Staffel erreicht 1,49 Millionen Zuschauer, das entspricht einem Marktanteil von 15,6 Prozent. rast

One comment

  1. RoteRosen Schauer

    Rote Rosen ist einfach super !

    Die Zuschauer bekommen eine tolle symphatische Serie geboten, die in der Lage ist die Zuschauer vom oftmals unschönen realen Alltag abzulenken. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, natürlich auch um die Liebe. Das ganze ist dann aber auch nicht so abgehoben sondern auch wiederum so angelegt, als wäre der Zuschauer in dem Alltag der Figuren dabei. Ganz wichtig ist tatsächlich auch Lüneburg, die mit den tollen Motiven und dem besonderen Flair sehr viel beisteuert.

    Früher war Lüneburg für mich erstmal nur ein Name, über die Stadt habe ich nicht wirklich etwas gewusst. Durch die Serie wurde ich auf die Stadt Lüneburg aufmerksam und sehr schnell wurde ich auch ein Fan der Stadt selbst.

    Sehr schön ist, dass hier auch ein Ökosystem entstanden ist an dem viele Partizipieren, die Produktion, die Gewerbetreibenden sowie die Stadt und somit auch die Bürger. Und das ist kein substanzloses Gerede, sondern diese positiven Wirtschaftseffekte sind nachweisbar.

    Schön, das RoteRosen unter Vorbehalt verlängert wird.