Aktuell
Home | Lokales | Finanzspritze für Krippen und Kitas
Die Kosten für die Kinderbetreuung sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die Zahlungen des Landkreises an die Kommunen sind von 640 000 Euro 2006 auf 3,14 Millionen Euro im laufenden Jahr geklettert. Für 2017 ist eine weitere Erhöhung geplant. Foto: A
Die Kosten für die Kinderbetreuung sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die Zahlungen des Landkreises an die Kommunen sind von 640 000 Euro 2006 auf 3,14 Millionen Euro im laufenden Jahr geklettert. Für 2017 ist eine weitere Erhöhung geplant. Foto: A

Finanzspritze für Krippen und Kitas

Von Malte Lühr
Lüneburg. Seit Jahren schon steht die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und insbesondere die „Kinderbetreuung“ ganz oben auf der Agenda der Kommunen. Millionen sind in den Ausbau und Bau von Kindergärten und -krippen geflossen. In der kommenden Woche nun wird der Jugendhilfeausschuss des Kreistags über die nächste millionenschwere Finanzspritze entscheiden. Betriebskostenzuschüsse und Ausgleichszahlungen für die Kommunen sollen erhöht werden. Auf sinkende Beiträge dürfen Eltern deshalb aber nicht hoffen.

Verantwortlich für die Kinderbetreuung ist eigentlich der Landkreis. Doch der hat die Aufgabe an die Gemeinden delegiert, überweist den Kommunen deshalb Ausgleichszahlungen und Betriebskostenzuschüsse. Letztere sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, langsam aber sicher — von 640.000 Euro 2006 auf 1,31 Millionen Euro 2014. Seitdem sind die Ausgaben regelrecht explodiert: auf 3,14 Millionen Euro im laufenden Jahr. Und 2017 steht der nächste Sprung auf 4,47 Millionen Euro. Darüber entscheidet am kommenden Mittwoch der Jugendhilfeausschuss. Und auch die Ausgleichszahlungen sollen steigen. Finanziert wird damit die Betreuung von Kindern aus Familien mit geringem Einkommen. Insgesamt geht es um ein Plus von fast 1,7 Millionen Euro.

Die Hoffnung mancher Eltern, dass die Kommunen das Geld nutzen, um die Elternbeiträge zu senken, dürfte in den meisten Fällen allerdings enttäuscht werden. Denn mit dem Ausbau der Kindergarten- und Krippenplätze ist auch ein qualitativer Ausbau der Betreuung einhergegangen. „Frühkindliche und Ganztagsbetreuung, Mittagstische, Sprachförderung, pädagogische Zusatzaspekte und deutliche längere Betreuungszeiten“, listet Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker als Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis Lüneburg auf. Getragen haben den Mehraufwand die Kommunen. Und damit ist das sorgsam austarierte System der Finanzierung in Schieflage geraten. Galt seit Jahrzehnten die Faustformel: Landkreis, Gemeinde und Eltern zahlen jeweils ein Drittel der Kosten für die Kinderbetreuung, hat sich die Verteilung der Lasten zuletzt einseitig zu Ungunsten der Kommunen verschoben (siehe Grafik „Beispielrechnung aus Amelinghausen).

Jugendhilfeausschuss tagt am Mittwoch

In einem ersten Schritt haben Kreis und Kommunen neue Zuschüsse und Ausgleichszahlungen Ende 2014 vereinbart, nun soll noch einmal nachgebessert werden. Nach einer Modellberechnung, die eine Arbeitsgruppe um Völker erstellt hat, sollen Ausgleichszahlungen und Betriebskostenzuschüsse für Kitas um mehr als 37 Prozent angehoben werden (Beispiel siehe Grafik „Betriebskostenzuschüsse). Im Falle der Krippen ist sogar ein Plus von mehr als 42 Prozent vorgesehen. Rechnung getragen werden soll damit vor allem den zuletzt stark gestiegenen Personalkosten in Folge von Tariferhöhungen und zusätzlichen Aufgaben.

Doch so kräftig das Plus auf den ersten Blick auch erscheinen mag: Laut Völker nimmt es der Entwicklung nur die Spitze. „Wird die Erhöhung beschlossen erhält die Samtgemeinde Amelinghausen 25000 Euro mehr im Jahr. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass wir 2017 rund 35.000 Euro mehr Personalkosten haben werden.“

Auch deshalb fordert Barendorfs Bürgermeister Kay Benson, der Kreis als Verantwortlicher möge doch bitte schön auch die Gesamtrechnung zahlen. Doch davon hält Völker wenig: „Die Aufgabe der Kinderbetreuung ist bei den Gemeinden gut aufgehoben, auch wollen wir uns mit eigenem Geld daran beteiligen. Aber nicht in dem Maße, wie es zuletzt der Fall gewesen ist.“ Zudem weiß der hauptamtliche Rathauschef genau, was passiert, wenn der Kreis die Zügel wieder übernehmen sollte: „Dann holt er sich das erforderlich Geld von den Kommunen über eine Erhöhung der Kreisumlage zurück.“ So entscheidet der Jugendhilfeausschuss kommende Woche über einen Kompromiss, „mit dem ich gut leben kann“, sagt Völker.

Der Jugendhilfeausschuss tagt am Mittwoch, 31. August, ab 15 Uhr im Lüneburger Kreishaus, Auf dem Michaeliskloster 4.
7296188