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Organisator Karl-Henning Hohmann (l.) tafelt mit Achmed Saido und seiner Familie. Sie ist aus dem Irak vor Krieg und Verfolgung geflohen. Foto: t&w
Organisator Karl-Henning Hohmann (l.) tafelt mit Achmed Saido und seiner Familie. Sie ist aus dem Irak vor Krieg und Verfolgung geflohen. Foto: t&w

Essen verbindet: Initiative setzt Zeichen für Gastfreundschaft

Von Carlo Eggeling

Lüneburg. Lüneburg hat am Sonntag ein Zeichen gesetzt für Weltoffenheit, Toleranz und vor allem für ein Miteinander. Alte und neue Bürger tafelten auf dem Markt, egal aus welchem Land sie saßen gemeinsam an langen Tafeln, unterhielten sich, manchmal mit Händen und Füßen und fühlten sich trotz vieler Unterschiede offensichtlich wohl. „Essen verbindet“ lautete das Motto es ging voll auf. Oberbürgermeister Ulrich Mädge, ein Mann, der eher selten gefühlvoll wird, sagte: „Ich bin stolz auf die Stadt und ihre Bürgerschaft, die so ein Fest organisiert.“

2000 Gäste speisen

Damit meinte der OB Karl-Henning Hohmann und seine Mitstreiter. Der Chef des Taschenherstellers und Händlers Ackermann hatte die Idee und fand viele aus Wirtschaft und Kultur, die nicht nur gute Worte, sondern auch Kraft, Zeit und Geld beisteuerten, sodass geschätzt wohl um die 2000 Gäste kostenlos speisen konnten. Es gab Spezialitäten aus Afghanistan, Indien, der Türkei, dem Iran und Irak und mit einem Hühnerfrikassee auch aus Deutschland. Die Lüneburger Winne Marx und Michael Röhm hatten ihre Küchen zur Verfügung gestellt und gemeinsam mit Köchen aus verschiedenen Nationen alles vorbereitet. Sie teilten die Speisen aus, dabei halfen zum Beispiel Nuha und Haniema Behr. Mälzer-Wirt Andreas Wiegmann hatte mit einer Crew den Markt mit Tischen und Bänken beschickt und dekoriert.

Andreas Reker vom Organisationsteam begrüßte die Gäste, seine Worte übersetzten Sayed Mustafa Hosseini ins persische Dari und Ahmed Osman ins Arabisch und Kurdische. Und so war es überall: Wer wollte, konnte mit Hilfe ins Gespräch kommen oder feststellen, dass viele der Flüchtlinge bereits etwas oder auch etwas mehr Deutsch sprechen. Tanja Bohlmann saß mit deutschen und zugewanderten Freunden an einem Tisch. Sie erzählt, dass sie vier Geschwister bei einem Fest im Winter in der Unterkunft an der Bleckeder Landstraße kennengelernt habe. Der Kontakt sei geblieben. „Das Fest ist ein Zeichen gegen die vielen negativen Nachrichten, gegen Terror und Anschläge gegen Flüchtlingsheime.“ Silke Ernst empfindet es ähnlich, sie freut sich über die Gastfreundschaft und die Atmosphäre. So servierten beispielsweise Schüler Essen.

Menschen treffen, Kontakte knüpfen

Teil ihrer Runde ist auch Hajer Addani. Sie sagt: „Es ist ein gutes Fest, gerade für Flüchtlinge. Sie können Deutsch sprechen, Leute kennenlernen und Kontakte knüpfen.“ Ein paar Tische weiter sitzt Achmed Seido mit seiner achtköpfigen Familie. Seit einem Jahr lebe er in Deutschland. Er sei aus dem kurdischen Shingal vor den Attacken des Islamischen Staates geflohen. Sie seien Yeziden. Die betrachtet der IS als Feinde. „In unserer Heimat ist alles kaputt. Viele starben. Deshalb sind wir geflohen“, sagt er. Mit zehn Familien seien sie nun in Rettmer zu Hause.

Es gab tragische und dramatische Geschichten. Doch es wurde auch viel gelacht und sogar getanzt zur Musik von Faruch Fouladi und Schwan Sabah, die aus dem Iran beziehungsweise dem Irak nach Deutschland gekommen sind. Mit Gitarre und Geige machten sie Stimmung.
Karl-Henning Hohmann und seine Freunde waren zufrieden: „Es sind viel mehr Menschen gekommen, als wir gedacht haben. Es ist ein Thema, das positiv bewegt und das macht mir Hoffnung.“