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Für gesetzliche Patienten ist es nicht immer einfach, zeitnah einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Foto: nh
Für gesetzliche Patienten ist es nicht immer einfach, zeitnah einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Foto: nh

Abenteuer Arzttermin

Von Antje Schäfer
Lüneburg. Einen Termin beim Facharzt zu bekommen, kann manchmal Monate dauern. Diese Erfahrung machen viele Patienten. Ändern soll das eigentlich die Ende Januar installierte Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Sie soll Patienten mit einer Überweisung vom Hausarzt oder einem anderen überweisenden Facharzt innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermitteln. Allerdings muss die Überweisung dazu speziell gekennzeichnet sein. Ist sie es nicht, kann es Probleme geben. Diese Erfahrung machte die Lüneburgerin Barbara Schlünz. „Es kann doch nicht sein, dass die Codierung von der Entscheidung des Hausarztes abhängt. Viele Patienten wissen das nicht“, kritisiert sie. Außerdem stellt sich ihr die Frage: „Warum können Patienten nicht selbst entscheiden, zu welchem Facharzt sie gehen wollen?“

Barbara Schlünz schildert folgenden Fall: Ihr Vater (80) hat seit Jahren eine Rückenerkrankung, bekommt aufgrund dessen eine Schmerztherapie. Als er Krämpfe im Bein bekam, suchte er seinen Hausarzt auf. Der verordnete Magnesium, das nahm der Mann mehrere Wochen ein. Dennoch wurden die Krämpfe schlimmer.

Die Tochter versuchte, einen Termin zu bekommen

Die Tochter empfahl ihrem Vater, er solle sich eine Überweisung zum Neurologen geben lassen. Der Vater schilderte dem Hausarzt die Beschwerden, dieser stellte eine Überweisung für einen Facharzt für Gefäßerkrankungen aus. Daraufhin versuchte die Tochter, zeitnah einen Termin zu bekommen. „Doch der sollte erst in fünf Monaten sein.“ Da sie erfahren hatte, dass man über die Terminservicestellen einen Termin innerhalb von vier Wochen bekommen kann, wandte sie sich an die KVN. Dort hieß es, dafür bräuchte man eine codierte Überweisung des Hausarztes. „Die stellte der Hausarzt meinem Vater aber nicht aus. Er sagte, mein Vater solle sich an seinen Schmerztherapeuten wenden.“

Die Tochter wandte sich erneut an die KVN. Dort habe es geheißen, im Sinne einer Beschwerde könne man sich gegebenenfalls mit dem Hausarzt in Verbindung setzen. Das wollte die Tochter aber nicht, aus Sorge, der Hausarzt könnte es krumm nehmen. Also suchte sie im Internet nach einem Facharzt für Gefäßkrankheiten, fand einen in Hamburg. „Dort bekam ich für meinen Vater gleich am nächsten Tag einen Termin.“ Daraus ergibt sich für sie auch die Frage, die andere Patienten auch haben: Ist Lüneburg mit Fachärzten unterversorgt? Besonders für ältere Menschen sei es doch schwierig, wenn sie weit fahren müssen.

Die Beurteilung obliegt dem überweisenden Arzt

Oliver Christoffers, Geschäftsführer der KVN, Bezirkstelle Lüneburg, verweist auf die Vereinbarung, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Krankenkassen über die Errichtung von Terminservicestellen geschlossen hat. Darin heißt es unter anderem, dass die Pflicht zur Vermittlung eines Termins innerhalb von vier Wochen nicht bei Routineuntersuchungen und Behandlung von Bagatellerkrankungen besteht. Die Beurteilung des Sachverhalts obliege dem überweisenden Arzt. Er entscheidet also, ob die Überweisung speziell gekennzeichnet ist. Gegebenenfalls könne man bei einem anderen Arzt vorstellig werden, „aber auch der entscheidet, ob eine Codierung notwendig ist“, sagt Oliver Christoffers.

Festgelegt ist außerdem, dass keine Wunschärzte, -termine und -regionen vermittelt werden. Und: Für Termine bei Augenärzten oder Gynäkologen benötigen Patienten keine Überweisung, um die Terminservicestelle in Anspruch zu nehmen. Bezüglich der Entfernung gilt: Für eine Vermittlung zu allgemeinen Fachärzten wie Hautärzten oder Urologen ist eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu einer halben Stunde zumutbar, bei spezialisierten Fachärzten wie Fachinternisten oder Radiologen eine Stunde. Grundsätzlich könne der Patient auch ohne Überweisung zum Facharzt gehen, sagt Christoffers. Aber ein Hausarzt könne im Vorfeld abklären, ob eine Überweisung notwendig und sinnvoll sei. Gegebenenfalls dann auch mit Codierung.

Zu der Frage, ob Lüneburg nicht unterversorgt mit Fachärzten ist, erklärte er: „Rein rechnerisch ist alles gut versorgt. Der Gesetzgeber überlegt aber, die Versorgungsschlüssel anders zu berechnen.“

One comment

  1. “ Dort habe es geheißen, im Sinne einer Beschwerde könne man sich gegebenenfalls mit dem Hausarzt in Verbindung setzen. Das wollte die Tochter aber nicht, aus Sorge, der Hausarzt könnte es krumm nehmen.“

    Und genau da sollte der Artikel aufhören.