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Einen Zwischenstopp in Lüneburg machte diese Reisegruppe, die derzeit mit dem Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 unterwegs ist. Foto: us
Einen Zwischenstopp in Lüneburg machte diese Reisegruppe, die derzeit mit dem Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 unterwegs ist. Foto: us

Kreuzfahrer auf Lüneburg-Kurs

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Ihr Aufenthalt ist kurz, der Eindruck dafür umso stärker. „Lüneburg is absolutely beautiful“, schwärmen Jean und Pamela aus Windsor, dem Ort in England, in dem die britische Königin zu Hause ist. Beide sind an diesem Dienstag mit einer rund 30-köpfigen Touristengruppe nach Lüneburg gekommen. Es sind Kreuzfahrtreisende, die aktuell mit der RMS Queen Mary 2 unterwegs sind. Die hat im Hamburger Hafen angelegt — Zeit für einen kurzen Abstecher nach Lüneburg.

„Wir sind mit dem Bus hergekommen“, berichtet Sabine Horst. Die 66-jährige Hamburgerin ist offizielle Gästeführerin der Elbmetropole, seit 30 Jahren begleitet sie Reisende bei deren Tagestouren zu verschiedenen Orten in Norddeutschland. Lüneburg ist dabei eine oft und gern besuchte Station, wie Sabine Horst erzählt. „Die Stadt ist wirklich sehenswert, man muss auch gar nicht viel erzählen, hier spricht alles für sich.“

Stadtführung, Einkaufen und ein Kaffee

Viel Zeit hat sie ohnehin nicht für lange Geschichten, denn in der Regel stehen nur rund zwei Stunden für den Stadtrundgang zur Verfügung. Danach haben die Besucher dann noch eine gute Stunde Luft für eine kleine Einkaufstour und einen Kaffee. Anschließend geht es mit dem Bus zurück nach Hamburg, wo schon das nächste Programm auf die Reisenden wartet.

Gebucht werden Tagesausflüge wie dieser bereits auf dem Schiff. Die Kreuzfahrtreisenden können dann in Ruhe auswählen, wohin es sie am ehesten zieht. Ältere Briten entscheiden sich häufig für Lüneburg, nicht zuletzt, weil sie hier oder in der Lüneburger Heide bei Kriegsende als Soldat stationiert waren und gern noch einmal die Orte ihrer Militärzeit wiedersehen möchten, wie Sabine Horst von den Gästen erfährt.

Bei größeren Gruppen — gelegentlich reisen sie auch in zwei Bussen an — gibt es Unterstützung von den Lüneburger Stadtführern. „Erster Anlaufpunkt aber sind die Toiletten“, sagt die Reiseführerin. Davon dürfe es in Lüneburg gern ein paar mehr geben, wünscht sie sich, „aber das ist in jeder Stadt ein Problem“. Lob für das Marketing in Lüneburg gab es aber auch: „Auf den Stadtplänen ist genau eingezeichnet, wie die Busfahrer zu fahren haben, das ist ein echter Vorteil.“ Denn ungeübte Fahrer steckten nicht selten in ihnen unbekannten Städten plötzlich in engen Straßen fest, aus denen sie nur schwer wieder herausfinden.

Zielgruppe schon lange im Blick

Über das Kompliment und den Besuch freut sich Claudio Patrik Schrock-Opitz: „Kreuzfahrtreisende sind eine Zielgruppe, die wir schon lange im Blick haben“, sagt der Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH. In der Regel sei das eine zahlungskräftige Klientel, Gäste wie die von der „QM“, wie die Queen Mary von Insidern gern genannt wird, bezeichnet er sogar als „gehobene Liga“.

Doch die Mengen, auf die der Marketingchef noch bei Amtsantritt im vergangenen Jahr gehofft hat, werden sich wohl nicht dauerhaft und konstant einstellen. „Der Hamburger Hafen ist für viele Kreuzfahrtschiffe ein Wechsel-Hafen. Für die einen beginnt hier die Reise, für die anderen endet sie. Da ist dann oft leider nicht mehr die Zeit für einen Abstecher nach Lüneburg.“ Zwar gebe es auch Anlauf-Häfen wie Rostock oder Bremen, doch da ist Lüneburg eher nicht im Programm, „das Zeitfenster ist zu eng“. Kreuzfahrt-Tourismus sei derzeit eher „kein ausbaufähiges Segment“, Schiffe wie die QM2 die Ausnahme, ist Schrock-Opitz überzeugt.

Auch für die QM2-Reisegruppe hieß es am Dienstag schon nach knapp drei Stunden wieder, Abschied von Lüneburg zu nehmen. Punkt 12 Uhr ging es zurück nach Hamburg. Am Nachmittag legte die Queen Mary mit Kurs Southampton wieder ab. Über den Atlantik führt die Reise dann weiter bis New York. Dorthin nehmen auch Bob aus Florida und Barbara aus Kanada ihre Lüneburg-Eindrücke mit. „Diese alten Städte sind wirklich wunderschön, so etwas kennen wir bei uns zu Hause ja nicht. We enjoyed it very much!“