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Die Teilnehmer vor ihren Wagen in der Mittagspause  gleich wird mit Tempo 40 rückwärts Slalom gefahren. Foto: ina
Die Teilnehmer vor ihren Wagen in der Mittagspause gleich wird mit Tempo 40 rückwärts Slalom gefahren. Foto: ina

Spielregeln für Tuning-Fans

Von Ina Freiwald
Lüneburg. Spätestens seit der Kinokomödie „Manta Manta“ gibt es jede Menge Vorurteile: Fahrer mit tiefergelegten Kisten und breiten Reifen sind nicht die Hellsten, stammen vom Land und leiden unter einer prollig geprägten Profilneurose. Doch die 25 Jahre alte Actionkomödie mit Til Schweiger als muskelbepacktem „Bertie“ bedient Klischee-Vorstellungen, die mit der Realität nicht viel gemein haben.

„Unsere Teilnehmer sind allesamt vernünftig und kennen sich mit ihren Wagen hervorragend aus“, sagt Andree Höfer vom Arbeitskreis „Tune it! Safe!“ beim Info-Tag im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Embsen. „Trotzdem können sie bei uns zur Gesetzeslage und Unfallverhütung noch viel lernen.“

Im Rahmen von acht bundesweit veranstalteten „Track & Safety Days“ sollen vor allem 18- bis 30-jährige Einsteiger ins Handwerk des Fahrzeugoptimierens auf den richtigen Tuning-Kurs gebracht werden. Denn vor allem Anfänger geraten oft an unseriöse Anbieter. Der Arbeitskreis warnt auf seiner Internetseite: „Falsche Anbieter nutzen die Begeisterung des jungen Publikums für das Tuning aus und bieten billige, aber auch unzulässige Produkte an, die zudem von schlechter Qualität sind.“

40 Teilnehmer aus dem Einzugskreis Bremen-Hamburg-Lüneburg hatten sich für den Tag im ADAC-Fahrsicherheitszentrum beworben. Für Fahrtrainings und Workshops zu den Themen „Grenzen und Regeln“, „Tuning-Maßnahmen“ und „Einsatz im Straßenverkehr“ zahlen sie lediglich 25 Euro. „Ein symbolischer Preis“, sagt Andree Höfer. Denn bei dem unter anderem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gesponserten Angebot geht es nicht um Gewinn, sondern um die Verhütung hausgemachter Risiken.

„Ich habe heute schon einige Aha-Effekte gehabt“, sagt die 19-jährige Lea Siemoneit aus Stade. Obwohl ihr Vater ein Unternehmen für optimales Tunen betreibt, konnte sie einige wesentliche Tipps mitnehmen. „Die Sitzhöhe sollte beim Fahren so gewählt werden, dass man gut rundum sehen kann. Dabei steht die Rückenlehne möglichst aufrecht, der Sitz wird nur so weit nach hinten positioniert, dass beim Treten der Pedale das Knie nicht ganz durchgestreckt wird.“ Um bei einem Heckaufprall gut geschützt zu sein, sollte die Kopfstütze so hoch wie möglich, maximal jedoch bis zur Kopfoberkannte eingestellt sein. Ist das Lenkrad 25 bis 30 Zentimeter vom Brustkorb entfernt, ist der Abstand perfekt.

Auch getunte Wagen brauchen eine Betriebserlaubnis

Über die „Spielregeln“ bei einer Verkehrskontrolle und das Strafmaß bei Gesetzesübertretungen informiert die Teilnehmer Polizeioberkommissar Bernd Friedrichs. „Bei der Manipulation von Abgasanlagen kann man sich leicht eine Strafanzeige einhandeln“, warnt er und deutet auf ein bis zur Unkenntlichkeit aufgemotztes Gefährt mit zwei schornsteinähnlichen Auspuffrohren. „Und guckt nicht so oft in Foren da steht meistens Müll drin.“

Im Nebenraum stellt Thomas Schuster, Prüfingenieur der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger (KÜS), seiner Gruppe den Verband der Automobil-Tuner und dessen Regelwerk vor. „Auch getunte Wagen brauchen eine Betriebserlaubnis. Wer nicht regelkonform umrüstet, verliert dazu noch den Versicherungsschutz.“

Dennis Schwier aus Cuxhaven nickt. Als Wirtschafts-Ingenieur weiß er über die geltenden Gesetze bereits Bescheid, hat aber dennoch mit seinem Youngtimer-Porsche Carrera 911 (Baujahr 1988) die rund 250 Kilometer zum Lehrgang zurückgelegt. „Seit ich denken kann, schraube ich an Autos“, sagt er. „Aber das Programm ist trotzdem interessant, und man kann sich mit Gleichgesinnten unterhalten.“