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Die Kosten für Kindergärten und -krippen steigen seit Jahren stark an, sind inzwischen der größte Posten in den Haushalten vieler Gemeinden. Deshalb will der Landkreis seine Betriebskostenzuschüsse und Ausgleichszahlungen deutlich aufstocken. Foto: A
Die Kosten für Kindergärten und -krippen steigen seit Jahren stark an, sind inzwischen der größte Posten in den Haushalten vieler Gemeinden. Deshalb will der Landkreis seine Betriebskostenzuschüsse und Ausgleichszahlungen deutlich aufstocken. Foto: A

Mehr Geld für Kinderbetreuung

Von Ingo Petersen
Lüneburg. Nicht selten streiten sich die Mitglieder des Lüneburger Kreistags und seiner Ausschüsse leidenschaftlich um wenige 100 Euro. Es kann aber auch einmal ganz schnell gehen, wenn es ums Geld geht. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugendhilfe und Sport sogar um fast 1,7 Millionen Euro. Einstimmig beschlossen die Ausschussmitglieder nach kurzer Diskussion, die Zuschüsse für die Kindertagesstätten in Stadt und Landkreis Lüneburg ab 2017 um diese Summe zu erhöhen.

Eigentlich ist der Landkreis für die Kinderbetreuung zuständig. Diese Aufgabe hat er aber an die Gemeinden weitergeleitet, die für ihre Kindertageseinrichtungen regelmäßig Ausgleichszahlungen und Betriebskostenzuschüsse bekommen.

Die Kinderbetreuung sei bei den Gemeinden auch gut aufgehoben, befand Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker. Er war als Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis maßgeblich an den Verhandlungen mit dem Landkreis beteiligt.

Die Betriebskostenzuschüsse, die der Landkreis Jahr für Jahr an die Gemeinden überweist, steigen seit Jahren: von 640.000 Euro im Jahr 2006 auf 1,31 Millionen Euro im Jahr 2014. In den zwei folgenden Jahren sind die Zuschüsse dann förmlich explodiert: über 2,95 Millionen Euro in 2015 auf 3,14 Millionen Euro im laufenden Jahr. Satte 4,47 Millionen Euro werden für 2017 erwartet. Nach oben geht es auch mit den Ausgleichszahlungen, mit denen die Betreuung von Kindern aus Familien mit geringem Einkommen unterstützt wird, die selbst keine Kindergartenbeiträge zahlen können. Insgesamt geht es um ein Plus von fast 1,7 Millionen Euro.

Rasanter Anstieg der Kosten in der Kinderbetreuung

Der rasante Anstieg der Kosten in der Kinderbetreuung hat verschiedene Ursachen. Längere Betreuungszeiten, Mittagstische, pädagogische Zusatzaspekte und Sprachförderung sind einige davon. Kostensteigernd wirken sich zudem die Ergebnisse der jüngsten Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst aus, etwa die Höhergruppierung von Erzieherinnen, die Einrichtung einer ständigen Vertretung der Leitung und das vom Land Niedersachsen vorgeschriebene Vorhalten von Vertretungsstunden.

Von knapp 5,7 Millionen Euro im laufenden Jahr auf knapp 7,4 Millionen Euro 2017 sollen die Zuschüsse des Kreises an die Gemeinden steigen. „90 bis 95 Prozent der Gemeinden“ seien mit der Regelung einverstanden, erklärte Helmut Völker. „Es gibt wohl zwei, drei, die das nicht sind.“ Einer Rücküberweisung der Zuständigkeit für die Kleinkindbetreuung an den Landkreis erteilte Völker aber eine Absage. „Es gibt keinen Landkreis, der das selbst macht.“ Und: Die Möglichkeit, die Kindertageseinrichtungen vor Ort selbst gestalten zu können, sollten sich die Gemeinden nicht nehmen lassen.

Dass die vom Ausschuss beschlossene Erhöhung für die Zukunft nicht reichen wird, kündigte Helmut Völker gleich an. Für seine Samtgemeinde bedeute der Beschluss 25.000 Euro mehr im Jahr. Allein im Bereich der Personalkosten geht Völker aber von einer Erhöhung um 35.000 Euro in 2017 aus. Es sei abzusehen, so Ausschussmitglied Brigitte Mertz, dass „wir die Bezuschussung im nächsten Jahr weiter erhöhen müssen“.