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Claudia Kalisch als Einzelbewerberin und Dominik Wehling (CDU) sind die Kandidaten für den Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters in der Samtgemeinde Amelinghausen. Die LZ hat mit beiden gesprochen, sie gebeten, dieselben Fragen zu beantworten. Foto: t&w
Claudia Kalisch als Einzelbewerberin und Dominik Wehling (CDU) sind die Kandidaten für den Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters in der Samtgemeinde Amelinghausen. Die LZ hat mit beiden gesprochen, sie gebeten, dieselben Fragen zu beantworten. Foto: t&w

Wettkampf um Chefsessel im Rathaus in Amelinghausen

Von Dennis Thomas
Amelinghausen. Sie lassen seit Wochen kaum eine Veranstaltung in der Samtgemeinde Amelinghausen aus: Schützenfeste, Feuerwehrveranstaltungen, Heideblütenfest oder Stoppelfeldrennen gehören zu den Pflichtterminen neben dem regelmäßigen Klinkenputzen im Häuserwahlkampf, Rede- und Antwortstehen an Infoständen vorm Supermarkt und Bäcker bis hin zu Presseterminen und eigens organisierten Gesprächsrunden. Dominik Wehling aus Tellmer und Claudia Kalisch aus Reppenstedt befinden sich gerade im Dauerwahlkampf und legen in den kommenden Tagen den Endspurt hin im Wettrennen um das Amt des hauptamtlichen Samtgemeindebürgermeisters von Amelinghausen.

Claudia Kalisch (44), ehemalige grüne Gellerser Ratsfrau, tritt als Einzelkandidatin an, ist sich aber der Unterstützung sicher von SPD, Grünen, FDP, UWG bis hin zur neuen Wählergemeinschaft „Generation Zukunft“. Kalisch: „Ich bekomme von vielen Seiten sehr viel und tatkräftige Unterstützung und das weiß ich zu schätzen.“ Und sie hängt sich rein, um Familie, Beruf und Wahlkampf unter einen Hut zu bekommen: „In den vergangenen zwei Wochen bin ich kaum eine Nacht vor drei Uhr ins Bett gekommen.“ Erst in der letzten Woche vor dem Wahlsonntag will sie sich Urlaub nehmen.

Es standen oder stehen noch an der Besuch von Gemeinderatssitzungen, Radtouren, Grillfeste und Häuserwahlkampf die Auswärtige übt sich in Dauerpräsenz, „um den Menschen zu zeigen, dass ich mich für sie interessiere“. Doch am Wahlsonntag steht zunächst Familienprogramm an, ihr Sohn hat an dem Morgen ein Fußballspiel, zwischendurch wolle sie bei der Kommunalwahl selbst ihre Stimme abgeben und anschließend unterstützt sie ihre Familie beim Citylauf. „Danach muss ich für den Wahlabend vorschlafen.“ Am 11. September gegen 19 Uhr will sie im Amelinghausener Rathaus die ersten Hochrechnungen vor Ort verfolgen.

Dominik Wehling (45) macht für sich und die CDU derzeit richtig Strecke bei seiner Dörfertour. „Ich will von den Wählern die Stimmen haben, dafür haben sie das Recht, mich vorher einmal in 3D gesehen zu haben.“ Sein Schrittzähler hätte beim Ablaufen der Haushalte in den 21 Dörfern mittlerweile längst die 20000er-Marke geknackt und er ist noch nicht fertig. Für den Wahlkampf hat er derzeit vom Job den Rücken frei, bummelt Überstunden ab. Die Zeit nutzt er auch, um in den Dörfern Gesprächsrunden anzubieten. Dabei mache er die Erfahrung, dass ihn viele bereits „wiedererkennen und doch nicht mit den Zeugen Jehovas verwechseln“. Nicht nur, weil er zuletzt 2011 schon einmal gegen Amtsinhaber Helmut Völker kandidierte wenn auch vergeblich. Wehling: „Es ist vielleicht auch ein Zeichen, dass ich mich in den letzten fünf Jahren im Samtgemeinderat nicht allzu sehr versteckt habe.“

Nur am Wahlsonntag will er die Ergebnisse zunächst privat, im Kreise der Familie, am heimischen PC verfolgen. Bis dahin warten auch auf den CDU-Kandidaten noch Feste, Infostände und viele zu laufende Kilometer beim Klinkenputzen, an manchen Tagen geht es bereits morgens um 5.30 Uhr los.

Jetzt standen die beiden engagierten Wahlkämpfer auch der LZ Rede und Antwort, bezogen Stellung zu zentralen Fragestellungen, die die Samtgemeinde Amelinghausen und ihre Einwohner bewegen.

Claudia Johanna Kalisch

Persönliche Daten

geb. am 27. April 1972 in Bonn, wohnhaft in Reppenstedt, verheiratet, zwei Kinder, Marketing-Leiterin, MBA, Dipl.-Umweltwissenschaftlerin. Mitglied bei den Grünen Gellersen, aber Einzelbewerberin in der Samtgemeinde Amelinghausen, unterstützt von UWG, SPD, FDP, W. Geppert und den Grünen.

Eignung

Der Weg kann nur sein, Fach- & Führungskräfte der Verwaltung stark einzubinden, zu fördern und als Team-Player zu arbeiten!
Aufgabe eines Bürgermeisters ist unter anderem, die Verwaltung zu leiten. Im Management bin ich qualifiziert und erfahren. Vor allem muss das Ziel sein, immer wieder verschiedene Interessengruppen zu vereinen, um gemeinsam Themen zu gestalten. Die breite und bunte Unterstützung meiner Kandidatur zeigt, dass mir dies gelingt und man mir noch mehr zutraut.

Bildung

Schulstandorte erhalten und überprüfen, ob und wie sie zu Ganztagsschulen entwickelt werden können. Dabei beachten, dass es keine „Verschlimmbesserung“ oder Wettbewerb der guten Nachmittagsangebote gibt, dafür alle ins Boot holen! Gemeinsam (!) geht auch nur der KiGa-Bereich: Denn dieser ist Thema der Gemeinden, Wahlversprechen als Samtgemeindebürgermeister wären hier nicht erfüllbar! Ich werde mich dennoch direkt einsetzen für Gebührenreduzierung, Zeiten und mehr.

ÖPNV

Beim ÖPNV gibt es dringenden Handlungsbedarf! Gemeinden und Samtgemeinde werden über bessere Bustaktung verhandeln. Zudem werde ich Kosten und Machbarkeit eines zusätzlichen Bürgerbus-Angebots prüfen (bislang Ehrenamt) mit verlässlichem Rufsystem für alle, gegebenenfalls Anruf-Sammel-Taxi oder ähnliches. Die Schiene kann für Schülerbeförderung und Tourismus attraktiv sein, deshalb sollte die Prüf-Option erhalten bleiben. Wie wäre es mit Cambio oder einer Mitfahrer-App? Der Mix gemeinsamer Ideen ist gefragt!

Integration

Zunächst ein großes Lob für die Arbeit vieler ehrenamtlicher Helfer, Vereine, Gewerbetreibenden und der Samtgemeinde: Mit dezentraler Unterbringung, Beschulung und Beschäftigung schaffen wir Integration. Hier wird ein hohes Maß positiver gesellschaftlicher Energie deutlich! Diese gilt es weiter zu unterstützen. Wünschenswert wäre, das Engagement der Flüchtlingshilfe auf andere soziale Bereiche auszuweiten.

Einheitsgemeinde

Es gibt ein klares Votum für den Erhalt der Samtgemeinde und dieses ist umzusetzen. Die Gemeinden sind in ihrer Eigenständigkeit zu stärken, ihre Spielräume zu erhalten. Dabei kann es durchaus Sinn machen, Ressourcen zu bündeln, doch muss die Initiative hierzu von den Gemeinden ausgehen. Mein Anliegen ist, Vertrauen aufzubauen, zuzuhören, für alle da zu sein und unter anderem eine monatliche Bürgermeistersprechstunde in den Gemeinden anzubieten.

Wolf

Ein wichtiges Thema, aber für den Wahlkampf ungeeignet! Ich halte es für unlauter, mit den Ängsten der Menschen auf Stimmenfang zu gehen. Denn dieses Thema wird auf EU-Ebene entschieden und über das Land umgesetzt. Aber ich nehme es sehr ernst und werde eine neue Informationskampagne organisieren, den Erfahrungsaustausch suchen und mich für notwendige Maßnahmen im Sinne der Betroffenen einsetzen.

Amelinghausen 2021

Eine moderne Samtgemeinde, in der wir „gemeinsam eigene Wege gehen“: Starke Gemeinden, in denen sich jeder Bürger als Mitglied der Samtgemeinde fühlt. Dies kann mit einer Verwaltung gelingen, die offen, ehrlich und unabhängig arbeitet. Attraktive Betreuungs-, Bildungs- und Seniorenangebote ziehen Familien an, halten die ältere Generation. Gemeinsam mit allen Gemeinden, Branchen, Jung und Alt haben wir ein Profil entwickelt, wofür diese Samtgemeinde steht. So lässt sich Gewerbe anlocken und Amelinghausen positioniert sich im Wettbewerb der Samtgemeinden als lebendig, dynamisch und wachsend.

Dominik Wehling

Persönliche Daten

geb. am 7. Mai 1971 in Nettetal (NRW), Wohnort Betzendorf Ortsteil Tellmer, verheiratet, 4 Kinder Beruf: Referent für Kommunalpolitik Parteizugehörigkeit CDU.

Eignung

Der Samtgemeindebürgermeister ist für Grundsatzfragen verantwortlich. Hierfür ist kommunal­politische Erfahrung und Kompetenz erforderlich, die ich in die Aufgabe als Samtgemeinde-bürger­meister einbringen kann. Ich lebe und engagiere mich seit Jahren in unserer Samtgemeinde und kenne diese umfassend. Ich habe bewiesen, dass ich parteiübergreifend arbeiten kann und im Mittelpunkt meines Handelns das Wohl der Bürger steht hieran werde ich anknüpfen.

Bildung

Die drei Grundschulstandorte wer­den erhalten und ich werde sie auf dem Weg zur offenen Ganztags­schule unterstützen, wenn die Schulen dies möchten. Die Kinderbetreuung ist bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Den begonnenen Weg werde ich fortsetzen. Ich strebe den Einstieg in die schritt­weise Abschaffung der Betreuungsgebühren an. Die Kinder- und Jugendbetreuung durch die Vereine werde ich auf eine verbesserte Grundlage stellen und die offene Jugendarbeit erhalten.

ÖPNV

Durch Ausweitung des Bürgerbusangebots möchte ich das bestehende ÖPNV-Angebot ergänzen. Zudem strebe ich an, den Schülerverkehr so zu verbessern, dass man auch aus den umliegenden Dörfern z.B. zur zweiten Stunde nach Oedeme oder Embsen kommt. Die Schiene spielt keine Rolle, weil eine Reaktivierung im Vergleich zum bestehenden Status quo eine Verschlechterung darstellt, da Zwischenstationen damit nicht mehr erreicht werden können.

Integration

Hier gilt es an bewährten Strukturen und der guten Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt festzuhalten. Die dezentrale Unterbringung in Wohnungen soll fortgeführt werden dabei sind die Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen. Ebenso müssen wir Sorgen und Ängste in der Bevölkerung ernst nehmen. Ziel der Flüchtlingspolitik sollte es auch sein, die Eigenverantwortung der zu uns gekommenen Flüchtlinge zu stärken.

Einheitsgemeinde

Der finanzielle Spielraum und die finanzielle Verantwortung der Gemeinden müssen wieder vergrößert werden. Gemeinsam mit den Gemeinden ist die Aufgabenverteilung dahingehend zu überprüfen, welche Aufgaben besser bei den Gemeinden aufgehoben sind. Mit dem Doppelhaushalt 2015/16 sind erste Grundlagen dafür gelegt worden dies gilt es konsequent fortzusetzen. Die Gemeinden sollen wieder einen größeren Gestaltungsspielraum erhalten.

Wolf

Die Wiederansiedlung des Wolfes darf die Lebensqualität der hier lebenden Menschen nicht schmälern. Die Sorgen und Ängste aus der Bevölkerung nehme ich sehr ernst. Da die kommunale Ebene keine Zuständigkeitskompetenz hat, werde ich mich auf Landes- und Bundesebene dafür einsetzen, dass Wölfe auch aus der Laufbahn entnommen werden können die Sicherheit der hier lebenden Bevölkerung, unserer Nutz- und Haustiere und unserer Gäste hat eindeutig Vorrang.

Amelinghausen 2021

Unsere Kinder und Jugendlichen haben mit ihren Familien eine gute Perspektive in unseren 21 Dörfern ebenso wie die Älteren unter uns. Zu einer guten Zukunft unserer Samtgemeinde gehören die Einrichtung einer Seniorenfreizeitstätte und die Pflege der touristischen Infrastruktur in allen Gemeinden.
Zu einer guten Zukunft gehören auch die Stärkung des Wirtschaftsstandortes auch durch Ausweisen eines Gewerbegebietes und Intensivierung der Wirtschaftsförderung. Die Ortsfeuerwehren sind für eine gute Zukunft unerlässlich. Sie sind bedarfsgerecht auszustatten und bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen.