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Falko Hahn vergleicht die Sauerstoffwerte des Göxer Bachteichs im Tiergarten. Seit der Teichbelüfter dort im Einsatz ist, haben sich die Werte bereits verbessert. Foto: t&w
Falko Hahn vergleicht die Sauerstoffwerte des Göxer Bachteichs im Tiergarten. Seit der Teichbelüfter dort im Einsatz ist, haben sich die Werte bereits verbessert. Foto: t&w

AGL startet im Tiergarten Test gegen den Gestank

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Die meisten Lüneburger lieben und schätzen sie, verweilen gern am Ufer und genießen die idyllische Lage inmitten des Gründ des Lüneburger Waldes. Doch genau diese Lage ist es, die den Teichen am Bockelsberg, am Lausebach und Göxer Bach heftig zu schaffen macht. Der stetige Laubeintrag lässt sie verschlammen, die Folge sind unangenehme Gerüche. Mit einem Teichbelüfter will die Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) dem nun entgegenwirken.

„Erste Erfolge sind schon erkennbar“, freut sich Falko Hahn, bei der AGL für Kanalbetrieb und Gewässerunterhaltung zuständig, und zeigt auf den grün leuchtenden Wasserlinsenteppich, der den Göxer Bachteich fast vollständig bedeckt. „Er ist nicht mehr ganz so dick wie noch vor vier Wochen“, erläutert Hahn — für ihn ein klares Zeichen, dass der neue Teichbelüfter seine Aufgabe erfüllt.

Das etwa 2×2 Meter große, schwimmende Gerät, auf dem eine Solaranlage thront, haben Hahn und seine Kollegen Anfang August auf dem Teich ausgebracht und an einer Stelle platziert, die größtmögliche Sonneneinstrahlung verspricht. Die Energie benötigt der Belüfter für den Antrieb eines aus zwei Oloiden bestehenden Rührwerks, speziell geformten Metallkörpern, die das Tiefenwasser nach oben befördern und dort mit Sauerstoff anreichern. Die dabei entstehenden Wellen auf der Wasseroberfläche sorgen zusätzlich für einen höheren Sauerstoffeintrag, der sich gleichmäßig im Teich verteilt. „Den brauchen die schlammzehrenden Mikroorganismen für den Abbau der organischen Substanzen“, sagt Hahn. „Das beendet den Fäulnisprozess und es hört auf zu stinken, wie man bereits jetzt feststellen kann.“

Doch zu viel Euphorie will der Wasserexperte nicht aufkommen lassen: „Wir sind noch im Probebetrieb. Ob es langfristig funktioniert, wissen wir noch nicht.“ Konkrete Angaben, wie lange es dauert, bis der Teich biologisch wieder im Gleichgewicht ist, will er sich noch nicht entlocken lassen, „außerdem ist jedes Gewässer anders“. Aber er sei zuversichtlich, dass sich der gewünschte Effekt einstellt, dies belegten auch Erfahrungen, die andere Städte in Süddeutschland mit dem Belüfter gemacht hätten.

Spezialgerät hat 35.000 Euro gekostet

Vorerst soll der Teichbelüfter bis zum Winter in Betrieb bleiben, wenn kein Frost droht, auch darüber hinaus. Danach sei ein Einsatz des transportablen Geräts auch auf den anderen Lüneburger Teichen möglich. Bedenken hat Hahn derzeit noch wegen der Geräuschentwicklung, die während des Betriebs entsteht. „Zwar arbeitet es nur bei Tageslicht und auch dann hört man nur ein gleichmäßiges Plätschern, aber im Sommer könnte es den einen oder anderen Spaziergänger, der im Wald seine Ruhe sucht, vielleicht stören.“

Hahn sorgt sich darüber hi­naus um das Gerät selbst, denn es ist sehr wertvoll. „Es gibt leider immer wieder Chaoten, die sowas als Zielscheibe benutzen.“  Auch ein Diebstahl des rund 35000 Euro teuren Belüfters sei nicht auszuschließen. „Dagegen haben wir aber Vorsorge getroffen“, versichert Hahn. Welche, verrät er natürlich nicht. Und eines ist ihm noch wichtig zu erwähnen: „Das Rührwerk stellt keine Gefahr für Wasservögel oder Fische dar.“