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Für die Wärmerückgewinnung aus dem Abwasserkanal am neuen Museum erhielt die Stadt jetzt ein Preisgeld von 2000 Euro. Monteur Jens Borchardt und seine Kollegen setzten vor drei Jahren die Wärmetauscher in das Abwasserrohr ein. Foto: t&w
Für die Wärmerückgewinnung aus dem Abwasserkanal am neuen Museum erhielt die Stadt jetzt ein Preisgeld von 2000 Euro. Monteur Jens Borchardt und seine Kollegen setzten vor drei Jahren die Wärmetauscher in das Abwasserrohr ein. Foto: t&w

Lüneburger Klimaschutz ausgezeichnet

Lüneburg. Stadt und Kreis Lüneburg sind beim niedersächsischen Wettbewerb „Klima kommunal 2016“ für innovative Energiekonzepte in Sachen Klimaschutz ausgezeichnet worden. Vor 170 Gästen im Alten Rathaus in Hannover nahmen die Verantwortlichen jeweils eine Urkunde und einen symbolischen Scheck entgegen. Die Hansestadt erhielt ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro für das Leuchtturmprojekt „Wärmerückgewinnung aus dem Abwasserkanal am neuen Museum Lüneburg“. Über ein Preisgeld in Höhe von 4000 Euro durfte sich der Landkreis freuen. Der „Neubau eines Serverraumes mit frischer norddeutscher Außenluftkühlung“ überzeugte die achtköpfige Fachjury.

Wärme aus dem Abwasserkanal am neuen Museum

„Die Stadt Lüneburg hat ihre Schätze schon immer aus der Tiefe geholt: Früher war es das Salz und heute ist es die Wärme.“ Mit diesen Sätzen und vielen Informationen zu einem neuartigen Wärmetausch-Verfahren hatte sich die Hansestadt beworben. Schon im Jahr 2013 waren die Voraussetzungen geschaffen worden für die Technik, die seit der Eröffnung des Museums im März 2015 hilft, das Gebäude im Winter zu erwärmen und im Sommer zu kühlen.

Zunächst wurde 2013 das am Museum entlanglaufende Abwasserrohr saniert ganz ohne aufwändige Erdarbeiten. Fachleute bauten in den Betonrohrkanal ein Innenrohr aus Glasfasergewebe ein. Darin liegen Hochleistungswärmetauscher. Diese entziehen dem Abwasser mit einer ganzjährigen Mindesttemperatur von rund elf Grad die Wärme, die im Gebäude durch eine Wärmepumpe für den Betrieb der Heizung auf 60 Grad angehoben wird. Bei Außentemperaturen unter Minus 8 Grad unterstützen Gaskessel und Fernwärme die Heizung. Im Sommer arbeitet der Wärmetauscher in umgekehrte Richtung und kühlt: Dadurch spart das neue Museum eine strom- und kostenintensive Klimaanlage. Erste Erfahrungswerte zeigen: Einem um 25 Prozent gestiegenen Stromverbrauch steht eine Senkung des Heizenergieverbrauches um rund 45 Prozent gegenüber.Die 2000 Euro Preisgeld sollen voraussichtlich in ein Umweltprojekt im Museum fließen, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck.

Serverraum mit norddeutscher Außenluftkühlung

Die Idee, den Serverraum der Kreisverwaltung mit norddeutscher Außenluft zu kühlen, entstand schon vor acht, neun Jahren. Stefan Domanske vom IT-Service des Kreises, erinnert sich: „An einem kühlen Herbsttag draußen Nieselregen, neun Grad sind unsere damaligen Klimaanlagen ausgefallen. Wir stehen im völlig überhitzten Serverraum und mein Kollege sagt: Ist doch eigentlich ärgerlich, dass wir immer so viel Arbeit in die Klimaanlagen stecken. Draußen ist es im Norden immer kalt genug. Können wir das nicht nutzen?“

Seit November 2014 ist diese Idee Realität, für 130000 Euro wurde ein Serverraum mit neuartiger Kühlung gebaut. „Die Kälte, die von Oktober bis April draußen herrscht, holen wir jetzt über Pumpen nach drinnen“, sagt Domanske. „Normale Klimaanlagen komprimieren Luft dadurch entsteht ein Kühleffekt. Das verbraucht sehr viel Strom. Wir nutzen sogenannte indirekte, freie Kühlung. Hier vor dem Dienstgebäude steht ein drei Meter langer und 1,60 Meter breiter Ventilator, horizontal montiert, mit einer Vorrichtung, durch die Kühlflüssigkeit geleitet wird. Die warme Flüssigkeit, die aus dem Serverraum kommt, fließt durch die Kühlrippen draußen hindurch, ein Propeller zieht gemütlich die Luft dadurch und dann kommt die Flüssigkeit kalt wieder zurück in den Serverraum.“

Wofür die 4000 Euro Preisgeld verwendet werden, steht noch nicht fest. Domanske: „Auf jeden Fall im Sinne des Preises.“ Von Emilia Püschel

„Klima kommunal“

Bereits zum vierten Mal haben die niedersächsischen kommunalen Spitzenverbände und das Umweltministerium den Wettbewerb „Klima kommunal“ ausgeschrieben. Das Ziel: die vielen kreativen und innovativen lokalen Klimaschutzaktivitäten im Land einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und das kommunale Engagement zu würdigen. In diesem Jahr gab es 46 Wettbewerbsbeiträge.

Drei Kommunen sind als Hauptsieger hervorgegangen: die Stadt Oldenburg, die Stadt Osnabrück und die Gemeinde Vrees. Zusätzlich wurden 14 Leuchtturmprojekte ausgezeichnet und zwei weitere Projekte mit dem „Zukunftspreis Klima kommunal 2016“ geehrt. Über die Vergabe des Preisgeldes in Höhe von insgesamt 100 000 Euro entschied eine achtköpfige Fachjury.